Politik

Kreis Siegen-Wittgenstein soll zukünftig auch mit Holz bauen

Holz habe Vor- und Nachteile, wenn es als Baustoff eingesetzt wird.

Holz habe Vor- und Nachteile, wenn es als Baustoff eingesetzt wird.

Foto: Tanja Frohne

Siegen-Wittgenstein.   Über Möglichkeiten und Grenzen des Baustoffs gehen die Meinungen in Siegen-Wittgenstein auseinander. Politiker wollen Experten zu Rate ziehen.

Holz soll als Baustoff bei Bauvorhaben des Kreises eine Chance bekommen. Die Entscheidung im Bauausschuss wurde jetzt allerdings vertagt, die Verwaltung zog ihre Vorlage zurück — über Möglichkeiten und Grenzen des Baustoffs gingen die Meinungen nämlich auseinander.

Michael Haßler, Leiter des Amtes für Immobilien, hatte einen Vorschlag gemacht: Bei Ausschreibungen müsste neben dem Preis, der bisher allein ausschlaggebend war, ein weiteres „Wertungskriterium“ eingeführt werden. Dann könnten, zum Beispiel, noch bis zu 85 Punkte für ein preisgünstiges Angebot erreicht werden. Um auf die Höchstpunktzahl von 100 zu kommen, müsste die Verwendung von Holz angeboten werden. Nötig ist aus Sicht der Verwaltung ein solches Vorgehen, um den Preisnachteil von Holz gegenüber anderen Baustoffen auszugleichen.

Sechs Vorteile zählt die Vorlage auf, aber 15 Nachteile, von den Brandschutzanforderungen über den kürzeren Lebenszyklus bis zu Nachteilen beim sommerlichen Wärmeschutz. „Konstruktionen verzeihen weniger Fehler“, heißt es in der Begründung eines höheren Planungsaufwandes. Hingewiesen wird auch auf das „Arbeiten“ des Materials: „Holz knackt und macht Geräusche.“

Wirtschaftliche Konsequenzen

Ausführungen macht die Verwaltung auch zur Verwendbarkeit des Baustoffs in den verschiedenen Gebäudeklassen — je nach Größe — von 1 bis 5. Probleme werden von der Klasse 4 aufwärts gesehen: Gebäude wie das Lyz (Klasse 4) könnten noch mit Holz gebaut werden, „allerdings je nach Gebäudestruktur technisch und wirtschaftlich nur mit erheblichem Mehraufwand“. Für die Klasse 5 (Kreishaus, Berufskollegs, Kreissporthalle) wäre ein Bau mit Holz „baurechtlich nicht darstellbar“. Schließlich wird auf eine wirtschaftliche Konsequenz hingewiesen: Massive Gebäude werden über 60 Jahre abgeschrieben — auf diesen Zeitraum werden die Investitionskosten in den Haushaltsplänen verteilt. Für Holz muss dies in 40 Jahren erreicht werden, so dass die jährliche Belastung um 50 Prozent steigt.

„Das schlägt auf den Magen“, sagte Thomas Hartmann (fraktionslos): „Ist dass dann noch effizient?“ Anscheinend sei die Verwendung des nachwachsenden Baustoffes zwar eine „feine Sache. Gleichzeitig kommen wir aber auch an unsere Grenzen.“ Thomas Helmkampf (CDU) las die Vorlage so: „Ich habe den Eindruck, hier will jemand verhindern, dass wir mit Holz bauen.“ Und fügte, mit einem Gruß aus der „Klimakommune“ Burbach hinzu: „Unser Bürgermeister war sehr schockiert. Das schreckt ab.“

Meike Menn (Grüne) sah das ähnlich: „Wenn man Holz kaputt reden will, dann macht man das genau so.“ Sie wolle „wirklich mal Fachleute hören“, schließlich würden sogar siebengeschossige Hotels aus Holz gebaut. Thilo Krumm, stellvertretender Leiter des Amtes für Immobilien, blieb dabei: „Bei den Gebäuden, die wir betreuen, scheidet das aus.“

Verwaltung zieht Vorlage zurück

Der Bauausschuss will sich nun des Fachverstands des Landesbetriebes Wald und Holz bedienen. Dezernent Henning Setzer zog die Vorlage schließlich zurück – nicht ohne den Hinweis, dass es dem Kreistag freigestellt sei, wie er die Argumente der Verwaltung gewichte: „Es ist Ihre politische Entscheidung, was Sie wo wie bauen.“

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