Coronakrise

Keine Filme: Dahlbrucher Kino bleibt noch zu

364 Plätze für Zuschauer hat das Gebrüder-Busch-Theater in Dahlbruch. Weder Viktoria-Kino noch Gebrüder-Busch-Kreis wissen, wie viele Plätze davon bei einem Neustart belegt werden dürfen.

364 Plätze für Zuschauer hat das Gebrüder-Busch-Theater in Dahlbruch. Weder Viktoria-Kino noch Gebrüder-Busch-Kreis wissen, wie viele Plätze davon bei einem Neustart belegt werden dürfen.

Foto: Tobias Matschke / Südwestfalen-Agentur

Hilchenbach.  Neben dem Kino hat Corona auch den Hilchenbacher Busch-Kreis hart getroffen. In der 60. Spielzeit wird es keine Abonnementsreihe geben.

Das Viktoria-Kino wird nicht von der Möglichkeit Gebrauch machen, ab Pfingstsamstag wieder Filme zu zeigen. „Wir öffnen nicht“, sagt Inhaber Jochen Manderbach am Montag im Kulturausschuss, „vielleicht den ganzen Juni noch nicht.“

Das Kino: Ungeklärte Bedingungen

Zwei Gründe nennt Manderbach für seine Entscheidung:

Die Bedingungen sind unklar: Wie viele der 364 Plätze im Gebrüder-Busch-Theater dürfen tatsächlich belegt werden? „Im schlimmsten Fall nur 50 bis 60.“ Dann lohnt sich der Betrieb nicht. Abgesehen davon ist das Kassensystem noch nicht so weit, bei einer Reservierung gleich die für den Abstand erforderlichen Nachbarplätze mitzublockieren – aber das kommt.

Es gibt keine Filme. Die Verleihe hätten ihre Bundesstarts um Monate oder sogar auf das nächste Jahr verschoben. Sicher zu rechnen sei erst Mitte Juli mit „Mulan“ aus dem hause Walt Disney und mit „Janet“. „Was soll ich zeigen?“, fragt Manderbach, „ich habe für vier Wochen noch ein paar Filme auf Halde, danach stehe ich mit leeren Händen da.“

Der Viktoria-Chef sieht die Situation des Theaters derzeit („Fragen Sie mich mal in drei Monaten“) weniger bedrohlich als 2018, „als ich eigentlich pleite war“. In dem Jahrhundertsommer waren die Besucherzahlen in den Keller gerauscht, die Erholung 2019 folgte auf dem Fuß: dank der Lebensgeschichte von Hape Kerkeling („Der Junge muss an die frische Luft“), die mehr Besucher zog als die Blockbuster „Eisprinzessin“, „König der Löwen“ und „Star Wars“ zusammen, „ein Superjahr.“ Zuwendungen von NRW-Filmstiftung und Bundesbeauftragter für Kultur und Medien von insgesamt 15.000 Euro bringen das Viktoria über die Corona-Pause. Und treue Zuschauer. „Einige hundert haben Gutscheine gekauft“, berichtet Jochen Manderbach, für insgesamt rund 6000 Euro.

Das Theater: Tiefer in die roten Zahlen

Corona trifft auch das Theater. Um die 4000 Besucher sind in der inzwischen abgebrochenen Spielzeit gekommen, berichtet Dörthe Müller, Geschäftsführerin des Gebrüder-Busch-Kreises. Mit 21 von 33 Veranstaltungen wurden noch knapp zwei Drittel des Programms realisiert. „Nicht leicht“ sei die Planung für die nächste Spielzeit, die als die 60. der Kulturgemeinde eigentlich etwas Besonderes sein soll. Ein großer Teil der ausgefallenen Veranstaltungen wird nachgeholt. Mit neuen Verträgen ist der Busch-Kreis aber noch vorsichtig: Wenn zum Beispiel nur 100 Zuschauer eingelassen werden dürften, stünde bei aufwändigen Theaterproduktionen „am Ende ein dickes Minus“.

Fest steht, dass im Februar der Wissenschaftscomedian Konrad Stöckel noch einmal kommt. Und im April Bernd Stelter, der so kleinen Häusern wie Dahlbruch sonst nicht mehr die Ehre gibt. Ein reguläres Abonnement-Programm bietet der Busch-Kreis in der neuen Spielzeit nicht an, nur ein Wahl-Abo. Ob dann überhaupt alle jetzt 150 Abonnenten zum Zuge kommen könnten, fragt Renate Becker (UWG). „Vielleicht möchte noch nicht jeder schon wieder ins Theater“, gibt Dörthe Müller zu bedenken.

Joachim Menn, Vertreter des Gebrüder-Busch-Kreises im Kulturausschuss, fragt nach Perspektiven, die die Stadt aufzeigen kann – zum Beispiel, indem sie die Rolle des Gebrüder-Busch-Kreises für den Betrieb des Kulturellen Marktplatzes bestimmt. „Wir fahren zusehends ins Minus. Das sieht für unsere Arbeit ganz schwierig aus.“ Der Ausschuss hält sich bedeckt. „Das würde den rahmen hier sprengen“, sagt Vorsitzender Andreas Bolduan (UWG), „aber wir lassen Sie nicht hängen.“

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