Feuer

HTS bleibt nach Großbrand in Siegener Gewerbegebiet gesperrt

Bislang verhindern die Rolltore schlimmeres: Immer wieder kommt es in den Hallen zu Explosionen.

Foto: Hendrik Schulz

Bislang verhindern die Rolltore schlimmeres: Immer wieder kommt es in den Hallen zu Explosionen. Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   Mehrere Stunden lang kämpfen hunderte Feuerwehrleute aus dem ganzen Kreisgebiet gegen die Flammen – und Explosionen. Die HTS hat Schaden genommen

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Beim Großbrand in einem Autoverwerterbetrieb im Gewerbegebiet Auf der Schemscheid in Siegen hatte die Feuerwehr seit Donnerstagmittag, 12. Oktober, mehrere Stunden mit massiver Qualmentwicklung und immer wieder Explosionen von Gasflaschen zu kämpfen: Bis unters Dach waren die Werkstatt- und Lagerhallen unter der HTS voll mit brennbarem Material, die Einsatzkräfte konnten sich dem Brand nur mit größter Vorsicht nähern. Aufgrund nicht absehbarer Feuerschäden bleibt die HTS bis auf Weiteres zwischen den Anschlussstellen Siegen-Mitte und Rinsenau gesperrt. Sechs Personen wurden verletzt, darunter zwei Feuerwehrleute.

Der Überblick

Vermutlich durch Funkenflug hatte sich Kraftstoff entzündet, das Feuer breitete sich schnell in den Hallen aus. Die Bahn stellte den Verkehr zwischen Siegen Hauptbahnhof und Niederschelden zwischenzeitlich ein. Die Statik der HTS-Brücke wurde durch den heftigen Brand in Mitleidenschaft gezogen. Gutachter des Landesbetriebs Straßen NRW prüfen derzeit die Schäden, laut Abteilungsleiter Eberhard Zimmerschied kam es durch die Hitze zu massiven Abplatzungen des Betons, die Stahlbewehrung ist zu sehen. Die Experten untersuchen die Statik auf eventuelle weitere Hohlräume. Auch das Fahrbahnbauwerk, der sogenannte Überbau, hat durch die große Hitze gelitten, etwa schmolzen Rohre, so Zimmerschied.

Um 14.45 Uhr meldete die Kreisleitstelle am Donnerstag, dass der Brand unter Kontrolle ist. Die Siegener Feuerwehr hatte dazu Schwerschaum zusätzlich zum Wasser eingesetzt, um die brennenden Hallen zu fluten. Der Katastrophenschutz NRW half dem ABC-Team der Feuerwehr bei der Gefahrstoffmessung im Zentrum. Die Siegener Versorgungsbetriebe hatten zur Unterstützung der Löscharbeiten den Druck im Wassernetz erhöht.

Die Chronologie

In den Hallen unter der HTS standen Autos, darunter Oldtimer, ein Wohnmobil, ein Boot, im Lager befanden sich Reifen, Kunststoffteile, Kraftstoffe, Gasflaschen. Beim Flexen fängt der Sprit Feuer, die Mitarbeiter versuchen noch zu löschen, aber der Brand greift in Windeseile um sich. Das Personal muss sich in Sicherheit bringen.

„Ich stand mit einem Kollegen am Rolltor“, sagt Mareen Jung. Sie arbeitet beim Putz- und Farbenhandel direkt neben dem Autoverwerter, plötzlich sieht sie schwarzen Rauch aus der Halle nebenan quellen. Jung alarmiert die Feuerwehr, die Kollegen fahren ihre Autos weg, die nah an der brennenden Halle geparkt sind. „Wenn das Feuer zu uns übergegriffen hätte, wäre die ganze Schemscheid platt gewesen“, sagt Jung: In ihrer Firma lagern entzündliche Farben und Lacke. Die Feuerwehr ist nach wenigen Minuten vor Ort, kann Schlimmeres verhindern.

Das Fahrbahnbauwerk der HTS direkt über dem Autoverwerter ist nach kurzer Zeit rußgeschwärzt von der gewaltigen Qualmwolke, die sich bis ins Zentrum ausdehnt. Die Feuerwehr erhöht das Alarmstichwort, „Feuer 5“; aus dem gesamten Kreisgebiet treffen Feuerwehrzüge und Fahrzeuge des Rettungsdienstes ein. 215 Feuerwehrleute und 40 Mitarbeiter des Rettungsdiensts sind vor Ort, gehen in Einsatzabschnitten von außen aus allen Richtungen gegen das Feuer vor – „wir kommen für die Innenbrandbekämpfung nicht nah genug ran, das Feuer frisst sich innen unter der Decke durch“, so Feuerwehrsprecher Karl-Heinz Richter.

Um 12.49 Uhr, der Rauch scheint sich etwas zu lichten, erschüttert eine Explosion das Gewerbegebiet. Immer wieder sind kleinere Gasflaschen detoniert – nun ist wohl ein Wohnmobil in die Luft geflogen, das nach Aussagen von Anliegern in der Halle steht. Die Polizei evakuiert die Umgebung mit Nachdruck; zu groß die Gefahr, von umherfliegenden Trümmerteilen getroffen zu werden. Die Rolltore aus Metall verhindern wohl Schlimmeres – aber durch den seit Stunden lodernden Brand ist das Gebäude stark beschädigt, in den Außenmauern zeigen sich große Risse, die Flammen schlagen aus den Löchern. „Er tut mir so leid“, sagt Mareen Jung und meint damit den Besitzer der Autoverwertung. „Er hat alles verloren.“

Firmen im Gewerbegebiet erhalten Anrufe von Kunden, ob alle in Sicherheit sind, Mitarbeiter kontaktieren ihre Familien. „Meine Tochter hat in unserer WhatsApp-Familiengruppe geschrieben, was los sei“, sagt eine Frau.

>>>>INFO: Verkehrschaos durch HTS-Sperrung

Die Sperrung der HTS führte auf allen innerstädtischen Linien der Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd (VWS) zu erheblichen Verspätungen bis hin zu Fahrtausfällen. Es bildeten sich lange Staus.

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