Mobilität

Eisenbahnwelt im Siegerland ist fast wieder in Ordnung

Die Rothaarbahn

Die Rothaarbahn

Foto: Steffen Schwab

Siegen.   Desolate Statistiken mussten die Zugbetreiber und Passagiere vor einem Jahr verkraften. Das sieht nun anders aus. Das zeigt der Qualitätsbericht.

Vor einem Jahr konnte die Bahn im Siegerland keine Punkte machen: Siegen hatte die unpünktlichsten Bahnlinien, die Hessische Landesbahn als Betreiber der meisten Regionalbahnen stand, zumindest in den Augen von Kommunalpolitikern, kurz vor dem Rauswurf. Diese Welt sieht nun ganz anders aus.

Im neuen „Qualitätsranking“, das der Nahverkehr Westfalen-Lippe vorlegt, ist die Hessenbahn unter sieben Betreibern auf einmal die Nummer 2, direkt hinter dem ewigen Ersten Abellio. Im Gebiet des Zweckverbandes Westfalen-Süd (ZWS) fahren die pünktlichsten Regionalbahnen und Regionalexpresslinien in Westfalen-Lippe. Sogar der Siegener Bahnhof, obwohl noch Dauerbaustelle, schafft den Aufstieg: An keinem der anderen westfälischen Bahnknotenpunkte — das sind dann noch Bielefeld, Hamm, Münster und Paderborn — kommen die Züge pünktlicher an als hier.

Regionalexpresse

RE 9: Der auch kurz „rsx“ genannte Rhein-Sieg-Express der DB Regio fährt zwischen Aachen, Köln und Siegen. Im vorigen Jahr fing er sich den Titel des unpünktlichsten Regionalexpresses in Westfalen ein – diesen Titel hat er nun an den NRW-Express (Aachen-Hamm) abgegeben. 78,7 Prozent der rsx-Züge kamen „pünktlich“ – das heißt: mit weniger als vier Minuten Verspätung — in Siegen an; das ist eine Steigerung um 5,1 Prozentpunkte. Die Qualität gilt dennoch weiterhin als schlecht; für ein „Befriedigend“ müssten mindestens 80 Prozent der Bahnen pünktlich sein. Mit einem Ausfall von 1,33 Prozent aller Fahrten liegt der rsx westfalenweit im Mittelfeld, im ZWS-Gebiet hat er damit die rote Laterne. Das liegt daran, dass die Züge mit allzu großer Verspätung Siegen gar nicht erst erreichen, sondern schon in Betzdorf wenden; hinzu kommen die Auswirkungen der großen Stürme.

RE 16: Der Ruhr-Sieg-Express von Siegen nach Essen gehört mit 91,3 Prozent Pünktlichkeit nach wie vor zu den zuverlässigsten Verbindungen in Westfalen, den Spitzenplatz aus dem Vorjahr (93 Prozent) hat die Abellio-Linie allerdings abgeben müssen.

RE 99: Der Main-Sieg-Express der Hessenbahn fährt von Siegen nach Gießen oder Frankfurt. Mit 92,3 Prozent Pünktlichkeit (Vorjahr: 89,0) ist er nun der pünktlichste Regionalexpress Westfalens.

Regionalbahnen

Sieben Regionalbahnlinien fahren im Gebiet des ZWS. Vier haben sich gegenüber dem Vorjahr verbessert, drei verschlechtert. Bis auf die Obere Lahntalbahn in der Regie der DB-eigenen Kurhessenbahn und die Ruhr-Sieg-Bahn der Abellio werden alle von der Hessenbahn betrieben.


RB 90: Die Westerwald-Sieg-Bahn von Siegen über Au nach Altenkirchen gehört mit 92,5 Prozent Pünktlichkeit (Vorjahr: 87,8) zu den mit gut bewerteten Linien.
RB 91: Weiterhin ihren Stammplatz unter den „guten“ Linien hält die Ruhr-Sieg-Bahn von Siegen nach Hagen mit 93,8 Prozent (Vorjahr: 94,3).

RB 92: Der Biggeseeexpress von Finnentrop nach Olpe fährt 98,6-prozentig pünktlich (Vorjahr: 97,2). Die Ausfälle sind mit 0,41 so niedrig wie bei keiner anderen Linie. 2017 mussten wochenlang alle Fahrten ausfallen, weil die HLB kein Personal hatte.

RB 93: Um die Rothaarbahn ist es ruhiger geworden. In der Pünktlichkeit hat die seit 2015 bis Betzdorf verlängerte Linie von 77,3 auf 83,3 Prozent aufgeholt. „Trotz dieser Steigerung bleibt die RB 93 eine kritische Linie“, heißt es in dem Bericht. Es sei aber „mit einer weiteren Verbesserung der Pünktlichkeit auf dieser Linie zu rechnen“, lässt der Bericht verlauten. Hoffnungen setzt der NWL auf die Beschleunigung im Bahnhof Hilchenbach und den Abschluss der Baustelle im Siegener Hauptbahnhof. Außerdem rechnet der NWL mit mehr Tempo in Ferndorf, wenn der Bahnübergang Aherhammer geschlossen wird. Dort müssen die Züge auf 40 km/h abbremsen.

RB 94: Die Obere Lahntalbahn ist das neue Sorgenkind. Von allen 38 Regional- und S-Bahnen in Westfalen ist sie die viertschlechteste, im ZWS-Gebiet ist die Verbindung von Erndtebrück über Bad Laasphe nach Marburg die unpünktlichste. Nur 75,5 Prozent der Fahrten kommen rechtzeitig an (Vorjahr: 79,3 Prozent). Das liegt nicht nur daran, dass in Erndtebrück und Marburg Anschlüsse abgewartet werden, sondern auch an der guten Nutzung vor allem im Schülerverkehr. Die Bahn muss fast an allen Bedarfshaltestellen halten, Ein- und Aussteigen dauern bei den großen Fahrgastzahlen länger als im Fahrplan eingeplant.

RB 95: Die Sieg-Dill-Bahn hat auf ihrer verkürzten Strecke zwischen Siegen und Dillenburg keine Probleme: 96,3 Prozent (Vorjahr: 94,9) kommen pünktlich an.

RB 96: 99,0 Prozent schafft außer der Hellertalbahn keine andere Linie in Westfalen. Vorjahr: 98,3 Prozent.

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