Integration

Deutsch lernen von Frau zu Frau im Hilchenbacher Crosspoint

Betreuerin Melanie Klotz lernt mit Shereen Quasim aus dem Irak Wörter.

Foto: Laura Baer

Betreuerin Melanie Klotz lernt mit Shereen Quasim aus dem Irak Wörter. Foto: Laura Baer

Hilchenbach.   Vor einem Jahr starteten vier ehrenamtliche Betreuerinnen einen Deutschkurs für geflüchtete Frauen. „Von Frau zu Frau“ ist seitdem das Motto.

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Suzan Ahmad Noovali spricht die Worte klar und deutlich aus; flüssig gehen sie ihr über die Lippen: „Ich nehme einen Dominostein.“ Im Sprachkurs „von Frau zu Frau“ im Crosspoint 2 Hilchenbach geht es heute um die Weihnachtszeit: Bräuche, Lebensmittel, Traditionen und Gedichte stehen auf dem Programm. Suzan Ahmad Noovali ist eine von etwa zwölf geflüchteten Frauen, die gemeinsam mit vier ehrenamtlichen Betreuerinnen einmal die Woche Deutsch lernen.

Bestehen jährt sich zum ersten Mal

Genau ein Jahr ist es her, dass sich Melanie Klotz, Kathrin Riedel, Ingrid Lagemann und Margot Schneider zum ersten Mal mit den Frauen getroffen haben, um mit ihnen zu lernen. Kennengelernt haben sich die Betreuerinnen bei einer Sprachlotsenschulung des Kommunalen Integrationszentrums. „Den Sprachkurs in dieser Form haben wir uns dann ausgedacht“, sagt Margot Schneider. Doch es sollte nicht irgendein Kurs sein – sondern eben einer von Frau zu Frau.

Unbefangen Deutsch lernen

Das Versprechen: Frauen sollen unter sich und ganz in Ruhe die Sprache lernen können. Unabhängig von Vorkenntnissen, Religion und Vorgeschichte. Und „mit Kinderbetreuung für die Kleinsten“, sagt Melanie Klotz. Mittlerweile seien allerdings nur noch wenige Kinder dabei, „weil die Größeren in Kindergärten und Schulen untergekommen sind“, erklärt Ingrid Lagemann. Unbefangen Lernen und sich dabei wohlfühlen: Das ist das Ziel „von Frau zu Frau“.

Die neue Sprache auch hören

„Wie heißt du?“ „Wie geht es dir?“ – die Frauen beantworten in einem Sitzkreis Fragen. „Das machen wir jedes Mal am Anfang“, sagt Ingrid Lagemann. Es sei wichtig, ins Gespräch zu kommen, die Sprache, die es für viele der Teilnehmerinnen von Grund auf zu lernen gilt, auch zu hören.

Nach der Begrüßungsrunde unterrichten die Betreuerinnen in zwei Gruppen weiter: Die Fortgeschrittenen beschäftigen sich bereits mit Präpositionen, während die Anfänger sich erstmal mit den Buchstaben des Alphabets vertraut machen. „Wir haben eine Frau dabei, die noch nie zur Schule gegangen ist, und eine, die bislang nur die arabische Schrift beherrscht“, sagt Lagemann. „Da ist toll, dass wir meistens zu zweit eine Gruppe betreuen – so kann jede Teilnehmerin ganz individuell unterstützt werden.“

Geschützter Raum

Doch es geht nicht nur um die Vermittlung der Sprache, sondern auch darum, einen geschützten Raum zu schaffen. „Es ist sehr wichtig, dass man persönlich mit den Frauen spricht; dass sie auch von ihren Ängsten und Nöten erzählen können“, betont Margot Schneider. „Sie ist wie ein Engel“, sagt Suzan Ahmad Noovali, die aus dem Irak nach Deutschland geflohen ist.

Auch wenn es ihr in Deutschland sehr gut gefällt, belasten sie die Bedingungen in ihrer Flüchtlingsunterkunft: „Ich habe Angst zur Toilette zu gehen. Die ist weit weg, und es ist sehr dunkel. Die Männer benutzen die Frauentoilette mit.“ Erfahrungen aus dem Irak, Kidnapping und sich als Frau unsicher zu fühlen, schüren die Angst. In Deutschland möchte Noovali Arbeit in einem Hotel finden. „Ich liebe den Tourismus“, sagt sie.

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