Kundgebung

Chaos Siegen: Demonstration gegen EU-Urheberrechtsreform

Auch in Siegen wird am Samstag demonstriert. Überwiegend sind junge Menschen auf der Straße.

Auch in Siegen wird am Samstag demonstriert. Überwiegend sind junge Menschen auf der Straße.

Foto: Michael Kunz

Siegen.   Filter nur für Kaffeemaschinen: Der Protestzug führt von der Bluebox durch die Siegener Innenstadt vor das Apollo-Theater.

Auch in Siegen wird gegen die Artikel 11 und 13 demonstriert, jene höchst umstrittenen Bestandteile der geplanten EU-Urheberrechtsreform, die von vielen Internetnutzern als unerträglicher Eingriff in die Freiheitsrechte abgelehnt wird. Ziemlich genau um 11 Uhr startet der freilich übersichtliche Protestzug am Samstag, 23. März, vom Bluebox-Park und zieht über die Sandstraße Richtung Apollo-Theater, wo Initiator Gerrit Großkopf die Aktion mit einer kleinen Ansprache beendet.

Die Forderung ist die Gleiche, wie in zahlreichen anderen deutschen und europäischen Städten: „Ein modernes Urheberrecht sollte die Rechte aller Kreativen schützen, und marktbeherrschende Internetkonzerne müssen demokratisch reguliert werden.“

Reden sei aber nicht so wichtig, findet Gerrit Großkopf. „Auf die Straße“, das sei entscheidend, um den Leuten „von der CDU ein bisschen auf die Sprünge zu helfen“ und ein klares Signal an die europäischen Gesetzgeber zu senden. Rund 10.000 Demonstranten auf den Straßen können auch durchaus noch etwas bewirken bis zur Abstimmung im Parlament, ist der Student und Spieleentwickler überzeugt, der seine Webseite in diesen Tagen bewusst auch dunkel geschaltet hat.

Kurzfristiger Aufruf

100 bis 200 Leute hat Großkopf der Polizei für Siegen gemeldet, maximal die Hälfte dürfte es sein, die Richtung Innenstadt ziehen, überwiegend Schüler und Studierende. Die Jusos sind dabei. Entscheidend für Großkopf ist, „dass überhaupt welche gekommen sind“. Der Aufruf sei aber recht kurzfristig über die sozialen Medien verbreitet worden. „Ich habe schon länger keinen Facebook-Account mehr, wir mussten erst einmal einen finden“, lacht der Veranstalter.

„Die Jüngeren bitte möglichst nach innen“, bittet Großkopf dann, weil nur eine Fahrbahn der Sandstraße abgesperrt sei und bloß nichts passieren soll. „Berufs-Demonstranten“ sind das eben eher nicht, die auf ihren Transparenten vor einer Zensur des Web warnen, Filter nur in Kaffeemaschinen sehen wollen und skandieren: „Wir sind keine Bots!“ Einer der Polizisten fühlt sich an die aktuellen Freitagsdemos erinnert.

Junge Debütanten

Auf dem Scheiner-Platz bekennt Gerrit Großkopf selbst, dass es seine erste Demonstration in verantwortlicher Funktion sei und bittet die Anwesenden, durch Handzeichen ihre entsprechende Erfahrung kundzutun. Über die Hälfte der jungen Menschen bekennt sich als Demo-Debütanten. Sie jubeln, als der Redner seine grundsätzliche Zustimmung dazu erklärt, Großkonzerne durch Regeln einzudämmen und das Geld gerechter zu verteilen. Das sei aber gerade durch die nun gefundene Richtlinie gerade nicht zu erreichen, ist er sicher. Der nächste Schritt stehe zudem schon an, wenn es um das Blocken terroristischer Inhalte gehe, für das künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen solle. Die aber sei ja gar nicht in der Lage, entsprechende gefährliche Inhalte oder Propaganda tatsächlich von Zitaten in Berichterstattung oder ähnlichem zu unterscheiden.

Ältere sind kaum mitgezogen. Einige wenige Passanten schauen neugierig auf die kleine Gruppe und deren Schilder. Sie lächeln, gehen weiter. Möglicherweise ist das Thema für die meisten einfach zu speziell.

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