Berufspendler

69.000 Menschen pendeln zur Arbeit nach Siegen-Wittgenstein

Frust im Stau: Die IG Bau warnt vor einer Zunahme von Berufspendlern. 

Frust im Stau: Die IG Bau warnt vor einer Zunahme von Berufspendlern. 

Foto: IG BAu

Siegen-Wittgenstein.  Gewerkschaft IG Bau spricht von alarmierendem Trend. Hauptursache: Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Familie, Hobbys und Umwelt würden leiden.

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Wenn Lebenszeit im Stau flöten geht: Die Zahl der Berufspendler im Kreis Siegen-Wittgenstein hat einen neuen Höchststand erreicht. Im vergangenen Jahr kamen nach Angaben der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, IG BAU, rund 69.000 Menschen zum Arbeiten regelmäßig von außerhalb in den Kreis – das sind 26 Prozent mehr als im Jahr 2000. Damals gab es in Siegen-Wittgenstein noch rund 55.000 sogenannte Einpendler.

Die IG BAU beruft sich dabei auf eine aktuelle Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Die Zahl der Auspendler in Siegen-Wittgenstein stieg dabei seit 2000 um 32 Prozent auf 65.000. Gewerkschafter Friedhelm Kreft spricht von einem „alarmierenden Trend“. Hauptursache für den Pendel-Boom sei der Mangel an bezahlbaren Wohnungen in den Städten.

Strecken von 50 Kilometern und mehr seien gang und gäbe

„Eine wachsende Zahl von Menschen kann sich die hohen Mieten und Immobilienpreise aber gerade dort nicht mehr leisten, wo in den letzten Jahren besonders viele Jobs entstanden sind“, sagt der Bezirksvorsitzende der IG BAU Westfalen Mitte-Süd. Folge: immer längere Staus und überfüllte Züge.

Strecken von mehr als 50 Kilometern bis zur Arbeit seien für viele Pendler in Siegen-Wittgenstein mittlerweile gang und gäbe. „Dabei geht nicht nur wertvolle Zeit für Familie, Freunde und Hobbys verloren. Auch die Umwelt leidet unter der Fahrerei.“ Nach Angaben des Umweltbundesamtes geht knapp ein Fünftel aller CO2-Emissionen in Deutschland auf das Konto des Verkehrs.

IG Bau fordert Investitionen auf Wohnungsmarkt und in Verkehrsnetz

Die IG BAU warnt vor einer Zunahme der Pendlerzahlen, sollte sich das Wohnen noch weiter vom Arbeiten entfernen. Nötig sei eine „drastische Wende“ in der Wohnungsbaupolitik. „Die öffentliche Hand muss viel mehr als bisher investieren, um bezahlbaren Wohnraum in den Ballungsräumen zu schaffen. Es fehlen vor allem Wohnungen im sozialen und im bezahlbaren Segment“, so Kreft.

Massive Investitionen seien auch im Bereich Verkehrsinfrastruktur unverzichtbar, um Pendler zu entlasten. „Vor allem beim Schienen-, Straßen- und Radwegenetz ist der Nachholbedarf groß“, so Kreft. Einen entscheidenden Beitrag gegen den „Pendel-Frust“ könnten die Firmen leisten, indem sie es ihren Beschäftigten leichter machen, in Gleitzeit oder im Home-Office zu arbeiten.

Bundesweiter Trend – 39 Prozent der Arbeitnehmer pendeln weit

Das Problem im Kreis sei Teil eines bundesweiten Trends: Laut Bundesagentur für Arbeit pendelten im letzten Jahr 39 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in eine andere Stadt oder einen anderen Kreis zur Arbeit.

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