Bürgerbarometer

„Wir machen viel für die Kultur“

Im Dezember 2016 in der Stadthalle Rheinberg: „Die Geisterkomödie" von Noel Coward.

Im Dezember 2016 in der Stadthalle Rheinberg: „Die Geisterkomödie" von Noel Coward.

Foto: Friedhelm Schulz

Rheinberg.  Die Rheinberger sind mehrheitlich zufrieden mit dem Kulturangebot. Kritik kommt aus der Politik. Stadt wirbt mit Breite an Veranstaltungen und der großen Zahl an Events.

Kultur am Niederrhein? Klar, Hanns Dieter Hüsch und Joseph Beuys. Kultur in Rheinberg? Da wird es auf den ersten Blick eng. Kein Theater, keine Oper und auch kein Schauspielhaus. In Vergleichen mit den Kulturangeboten der umliegenden Städte wie Krefeld, Duisburg oder Oberhausen ist die Beschreibung kulturelle Diaspora für Rheinberg deshalb natürlich nicht fair. Wie soll eine Kleinstadt wie Rheinberg das auch finanziell stemmen? Zumal die Stadt ja sparen muss.

Das sehen auch die Rheinberger so: 57 Prozent sagen im NRZ-Bürgerbarometer, dass sie insgesamt mit der Kultur in der früheren Berka-Stadt zufrieden sind.

Nur neun Prozent sind unzufrieden, jedoch 31 Prozent, also knapp ein Drittel der Rheinberger, sind indifferent in der „Kultur-Frage“. Vor allem die Älteren sind zufriedener als die Jüngeren, jene, die jünger als 30 Jahre alt sind. Dennoch gibt es auch immer wieder Kritik aus der Politik am Kulturangebot der Stadt. „Man könnte noch mehr Veranstaltungen nach Rheinberg holen und sollte die Hallenzeiten ausweiten. In erster Linie dient die Kultur in Rheinberg nur der Vermarktung der Stadthalle“, sagt Peter Tullius, SPD-Ratsmitglied.

Stadthalle fasst 600 Menschen

Andere Stimmen fordern zudem mehr prominente Künstler. Früher kamen bekannte Namen wie Atze Schröder oder Jürgen Becker nach Rheinberg, heute ist Christian Ehring, Moderator des Satire-Magazins „Extra3“, der vielleicht prominenteste Künstler im Programm. Wieso die großen Namen nicht mehr kommen? „Das Problem ist, dass die Stadthalle nur 600 Sitzplätze hat, da kommen eben nicht alle Künstler, die es sonst gewohnt sind, vor 1000 bis 2000 Menschen aufzutreten“, verteidigt sich die Kulturbeauftragte der Stadt, Vera Thuleweit.

Trotz der Kritik, sagt Thuleweit, die seit 36 Jahren Kulturarbeit in Rheinberg macht und schon Herbert Grönemeyer in die Stadt holte, bevor dieser seinen Durchbruch schaffte, mache das Kulturbüro sehr viel. Allein in der vergangenen Spielzeit seien nach Angaben von Thuleweit 12000 Besucher zu den insgesamt 30 Veranstaltungen gekommen. Das sind mehr Veranstaltungen als je zuvor in den zurückliegenden 35 Jahren. Dazu kämen noch 385 Abonnenten. Zudem kooperiere man mit Landestheatern wie dem in Castrop-Rauxel und anderen Ensembles. „Wir setzen dabei auf Qualität, Breite an Veranstaltungen und wurden von Expertenteams aus Hamburg, die Kulturangebote bewerten, schon explizit dafür gelobt.“

Schaut man sich die Spielzeit 2016/2017 an, findet man in der Tat keine „Monokultur“, wie Vera Thuleweit es gerne ausdrückt. Es wurden Musicals, Theater und Kabarett-Abende veranstaltet. „Wir haben einen sehr guten Mix, deshalb kommen auch Gäste aus Belgien und den Niederlanden zu uns“, sagt Vera Thuleweit.

Dass aber an Kultur gespart wird, sieht man auch in Rheinberg, wo kürzlich beschlossen wurde, die Musikschule dicht zu machen. Der Nachfolger der am 1. August in Ruhetand gehenden Vera Thuleweit wird sich bestimmt auf die Fahnen schreiben, weitere Kürzungen im Kultursektor zu verhindern. Die nackten Zahlen für die Kultur sehen trotz Haushaltssicherung nämlich gar nicht so schlecht aus: Die Kosten für das Programm der vergangenen Spielzeit ohne die Umlagekosten für die Stadthalle und ohne Personalkosten beliefen sich auf etwa 134 000 Euro. Dagegen stehen Einnahmen im Haushaltsjahr 2016 von knapp 157 000 zu Buche.

Spielplan kommt Ende Juli heraus

Heute soll zudem der Spielplan für die kommende Spielzeit in Druck gehen. Dieser wird, so der Plan, Ende Juli offiziell vorgestellt. Auch dann lautet das Ziel wieder, möglichst viele Rheinberger in die Stadthalle zu locken.

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