Bürgerbarometer

Wenig Zuspruch für Unterstützung von Rheinberger Senioren

Gisela Ingenpaß und Klaus Oesterwind sind im Seniorenbeirat und kümmern sich um die Senioren in Rheinberg.

Gisela Ingenpaß und Klaus Oesterwind sind im Seniorenbeirat und kümmern sich um die Senioren in Rheinberg.

Foto: David Bieber

Rheinberg.  Nur 20 Prozent der Rhenberger sagen, dass sich um Senioren mehr gekümmert werden sollte. Der Seniorenbeirat der Stadt ist da anderer Meinung.

Familien und Jugendliche sollten stärker gefördert werden. Aufgrund der Antworten der Rheinberger im NRZ-Bürgerbarometer kam dieses Stimmungsbild heraus. Demnach sagen 40 Prozent der Rheinberger, dass Familien stärker in den Fokus gerückt werden sollten, 38 Prozent votierten für Jugendliche. Nur 20 Prozent sprachen sich dafür aus, alte Menschen stärker zu unterstützen.

Das sieht der Seniorenbeirat der Stadt aber naturgemäß ganz anders. Die große Diskrepanz zwischen den Alters- und Personengruppen kann sich Klaus Oesterwind vom Seniorenbeirat nicht erklären. „Die Werte müssten höher sein, denn es gibt sehr viele ältere Menschen in der Stadt.“ Der 72 Jahre alte frühere Ingenieur wurde vor zwei Jahren zum Vorsitzenden des 13-köpfigen Seniorenbeirats gewählt und setzt sich seither aktiv für die Belange der Senioren in Rheinberg ein. „Wir haben allerdings nur eine beratende Funktion, deshalb heißen wir ja auch nicht Seniorenrat“, erklärt der gebürtige Herner, der vor mehr als 60 Jahren mit seinen Eltern an den Niederrhein zog.

Der Seniorenbeirat, sozusagen die Lobbygruppe der Rheinberger Senioren, kümmert sich um die Angelegenheiten der älteren Menschen – und ist das Bindeglied zwischen Senioren und Stadt. „Bei der NRW-Landtagswahl im Mai habe ich Senioren zur Wahlurne gefahren, weil viele von ihnen nicht mehr mobil sind“, sagt Oesterwind. Ein anderes Beispiel: „Wir erstellen den Seniorenführer Rheinberg, ‘das Informations- und Veranstaltungsheft für Senioren’ und sorgen auch dafür, dass er die Senioren erreicht“, erklärt die zweite Vorsitzende des Seniorenbeirates Gisela Ingenpaß. Etwa 500 Euro jährlich hat der Seniorenbeirat für seine Aktivitäten zur Verfügung.

Klaus Oesterwind und seine fünf Jahre jüngere Mitstreiterin Gisela Ingenpaß sind die Seismographen der Senioren für die Stadt. „Die Stadt beauftragt uns, nach Behinderungen zu suchen und diese dann zu kommunizieren“, sagt Klaus Oesterwind. Die Zusammenarbeit habe sich verfestigt mit der Stadt, wenngleich dem Seniorenbeirat mehr Aufmerksamkeit zu Teil kommen könne, so Oesterwind weiter. Ob er damit ein Stimmrecht im Sozialausschuss der Stadt meint? „Bislang habe ich nur das Rederecht im Ausschuss. Ich sage dort ganz klar, was aktuell in der Stadt aus unserer Sicht verbessert werden müsste.“ Oder etwa mehr Engagement der Rheinberger Senioren für ihre Interessensvertretung? „Es gibt viel zu tun. Oft, zu oft, bleibt diese wichtige Arbeit am Vorstand hängen“, sagt Ingenpaß, die zwölf Jahre die Rheinberger Sozialstation leitete.

Problem: Barrierefreiheit

Für beide Seniorenvertreter ist die Barrierefreiheit ein zentrales Thema ihrer Amtszeit. „Barrierefreiheit geht ja nicht nur Senioren, sondern die gesamte Gesellschaft etwas an“, sagt Oesterwind. Dass Barrierefreiheit immer mit Senioren und hohem Alter verbunden wird, ärgert Oesterwind. „Am Deich in Orsoy zum Beispiel gibt es keinen barrierefreien Weg hoch auf den Deich. Das beeinträchtigt nicht nur Senioren, sondern auch Rollstuhlfahrer und Mütter mit Kinderwagen.“ Eine weitere Forderung, die erneut alle Rheinberger betrifft, ist die nach einer Ausweitung der Fußgängerzone an der Rheinstraße sowie am Holz- und Fischmarkt. Am Mittwoch hat der Bauausschuss auf Anraten mehrerer Parteien darüber bereits beraten. Die Interessen der alten Menschen müssen also nicht immer weit hergeholt sein. Sondern können auch ganz konkret und hilfreich für die gesamte Bevölkerung sein, will man meinen.

Alterstypische Abstimmung

Wenig verwunderlich bei der Auswertung des Bürgerbarometers ist zudem, dass sich jede Altersgruppe vornehmlich für die eigenen Belange aussprach. So sagte der überwiegende Teil der jungen Menschen, dass die Jugend gestärkt werden sollte. Die Altersgruppe von 20 bis 49 Jahren sagte, dass Familien stärker gefördert werden sollten. Und die Generation 60 plus votierte natürlich für die Stärkung der Senioren.

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