Dombuchhandlung

Seit 175 Jahren in Familienhand in Xanten

175 Jahre Dombuchhandlung: Inhaberin Christine Terhardt (zweite von rechts) feiert mit ihren Mitarbeitern (von links) Anke Temath, Anita Gerwers, Dagmar Derksen  und Daniel Onckels

175 Jahre Dombuchhandlung: Inhaberin Christine Terhardt (zweite von rechts) feiert mit ihren Mitarbeitern (von links) Anke Temath, Anita Gerwers, Dagmar Derksen und Daniel Onckels

Foto: arfi

Die Dombuchhandlung am Michaelstor wurde in den letzten Kriegsjahren des Zweiten Weltkriegs zerstört. Nach der Zerstörung kam der Wiederaufbau.

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Xanten . Die Werbeanzeige, die Christine Terhardt mit anderen alten Unterlagen im Keller gefunden hat, berichtet noch von einer Zeit, als der Verkauf von Büchern nur einen kleinen Anteil am Gesamtumsatz hatte. Dort ist auch noch von einer Druckerei, von Einrahmungen und von einer Buchbinderei die Rede. „Von früh an hatten wir auch immer Schreibwaren“, sagt die gelernte Buchhändlerin. Die Veröffentlichung muss schon viele Jahrzehnte zurückliegen, so antiquiert wirkt die Aufmachung mit ihren spärlichen Informationen in schwarz-weißer Schrift.

Am 1. Mai vor 175 Jahren hatten die Gebrüder Krams die Dombuchhandlung am Michaelstor eröffnet. Seitdem ist das Geschäft in Familienhand; Christine Terhardt leitet es heute. In wievielter Generation genau, kann sie auf Anhieb gar nicht mal sagen. So weit liegen die Ursprünge zurück. „Schon ein herausragendes Alter“, sagt der Pressesprecher des Deutschen Börsenvereins, Thomas Koch. „Es gibt unseres Wissens nach nicht viele Buchhandlungen, die auf eine so lange Geschichte zurückblicken.“

Anfangs war es hauptsächlich eine Druckerei mit einer angeschlossenen Buchhandlung. „Eine Beschreibung des Doms von Xanten“, erschienen 1851 und herausgegeben vom damaligen Kaplan Behe, war im Angebot, ebenso aus dem Eigenverlag „Se Santen“ mit Beiträgen zur Geschichte des Xantener Raums. „Außerdem viele Postkarten“, sagt die Chefin. In ihrem historischen Fundus hat sie auch eine seltene Aufnahme des Marktplatzes, vermutlich aufgenommen Ende der 1950er oder in den 1960er Jahren. Der dort nahe des Norbertbrunnens gepflanzte Baum war noch recht klein und von einem Kreisrund an Gebüschen und Pflanzen umgeben. Idylle pur. „Wer das Bild gemacht hat, kann ich nicht mehr sagen“, erklärt Christine Terhardt. Aber auf der Rückseite ist die Dombuchhandlung für den Vertrieb aufgeführt.

Nach der Zerstörung der halben Innenstadt in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs begann auch die Familie mit dem Wiederaufbau. Zunächst auf 50 Quadratmeter Geschäftsfläche. In den 60er Jahren schloss die Druckerei, 1986 und dann noch einmal sieben Jahren später wurde das Geschäft mehrfach bis auf die heutigen 180 Quadratmeter vergrößert.

Der Büchermarkt ist schon lange im Umbruch. Einzelhändler müssen, wenn sie überleben wollen, mit der Zeit gehen. „Wir mussten einige Sparten rausnehmen. In Zeiten des Internets braucht kaum noch jemand Landkarten, ein Lexikon oder ein Wörterbuch“, weiß Christine Terhardt. Auch kirchliche Literatur wird in dem Geschäft zu Füßen des Doms nicht mehr wie früher nachgefragt. Dagegen entwickeln sich neben der Belletristik Geschenk- und Kinderbücher, Kochen und Wellness immer mehr zu einem großen Markt. Stark zugenommen hat in den vergangenen beiden Jahren auch altersübergreifende Literatur, also Bücher, die zum Beispiel „Mädchen ab 14, aber auch Frauen ab 84 anspricht“.

Die Buchhändlerin ist mit der Zeit gegangen und liegt mit dem eigenen Online-Shop im Trend. Thomas Koch: „Das Erfolgsrezept heißt ,Cross-Channeling’. Buchhandlungen verbinden die Vorteile des Online-Services wie Rund-um-die-Uhr-Beratung und -Bestellung, E-Books mit denen des stationären Einkaufs: die Beratungskompetenz und der persönliche Kontakt. So bieten Buchhändlerinnen und Buchhändler den Kunden einen Rundum-Service, den kein reiner Online-Händler bieten kann.“

Doch trotz aller digital verarbeiteter Literatur kann sich Christine Terhardt das gute, alte Buch aus unserer Gesellschaft nicht wegdenken. „Da ist viel Haptik gefragt“, meint sie, vor allem was Geschenk- und Kochbücher betreffe, das pädagogische Kinderbuch und die Trauerratgeber.

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