Bürgerbarometer

Rheinberger wollen auf Kulturleistungen verzichten

Ein Viertel der Rheinberger sprach sich für Einsparungen bei der Stadtbücherei aus.

Ein Viertel der Rheinberger sprach sich für Einsparungen bei der Stadtbücherei aus.

Foto: Archiv/Heinz Kunkel

Rheinberg  55 Prozent der Rheinberger sagen, dass sie auf die kürzlich geschlossenen Musikschule und die Stadtbücherei am ehesten verzichten könnten.

. Wie und vor allem wobei kann eine Stadt sparen? Diese Frage beschäftigen nicht nur die chronisch verschuldeten großen Ruhrgebietsstädte, sondern auch Rheinberg. Verständlich, dass auch das NRZ-Bürgerbarometer von den Rheinbergern wissen wollte, auf welche Leistungen sie am ehesten verzichten könnten. Kurioserweise votierte bei der Umfrage Anfang Mai mit 30 Prozent knapp ein Drittel für die städtische Musikschule am Innenwall, die aber erst später per Dringlichkeitsbeschluss geschlossen worden ist. Wie erklärt sich diese Vorausdeutung? Hatten die Rheinberger einen siebten Sinn?

weiter: „Über der Musikschule schwebte ja schon seit 2013 das Damoklesschwert.“

Dass die Musikschule jetzt die erste städtische Einrichtung ist, die dem Haushaltssicherungskonzept (HSK) zum Opfer gefallen ist, bedauern vor allem die Kulturschaffenden in Rheinberg. Aber Tatzel verteidigt den Beschluss der Politik. „Wir haben drei gute private Anbieter, die Musikunterricht in der Stadt anbieten. Es bricht kein Angebot weg.“

Stark rückläufige Schülerzahlen

Die 1994 in die „Alte Kellnerei“ gezogene Musikschule, die seit März 2013 im HSK aufgeführt wird, hatte laut Tatzel in der letzten Zeit mit stark rückläufigen Schülerzahlen zu kämpfen gehabt. Bei der Diskussion, die hohe Wellen schlug, sei positiv zu bemerken, dass „die Programme ,JeKi’ (jedem Kind ein Instrument) und ,JeKits’ (jedem Kind ein Instrument, Tanzen und Singen) weitergeführt werden“, so Vera Thuleweit, die Leiterin des Kulturbetriebs.

„Kultur nicht unmittelbar spürbar“

Dass die Rheinberger vor allem den Rotstift bei der Kultur und Bildung ansetzen wollen, wird deutlich, wenn man sich die Ergebnisse im Detail ansieht. 25 Prozent sagten demnach, dass sie auf die Leistungen der Bücherei verzichten könnten. Und Männer sprachen sich öfter als Frauen für die Einsparungen bei der Kultur aus. Wieso wird immer bei der Kultur angesetzt? Simone Frank, Kustodin des Instituts für niederrheinische Kulturgeschichte und Regionalentwicklung an der Uni Duisburg/Essen, hat dazu eine klare Meinung. „Kultur ist nicht unmittelbar spürbar im Alltag. Wenn ein Schwimmbad zugemacht wird, merken die Leute sofort, dass sie nicht mehr schwimmen können.“ Dass Kultur schwer zu vermitteln und wie ihr Nutzen zu bemessen sei, gehöre zur Krux bei der Kultur. „Erst nach Jahren wird der Wegfall der Kulturangebote spürbar“, sagt Frank.

Nur neun Prozent nannten Sportanlagen und acht Prozent die Grünpflege als mögliche Kürzungs- und Einsparziele. Was nicht verschwiegen werden sollte, ist, dass ein nicht unerheblicher Teil (15 Prozent) diese Frage mit „weiß nicht“ beantwortet hat.

Zehn Prozent nannten zudem andere Ziele wie die Sanierung des Marktplatzes, der Innenstadt oder Einsparungen bei der Stadtverwaltung.

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