Naturschutz

Rheinberger Nabu schaut kontrolliert Steinkauz-Nisthilfen

Die Nabu-Mitglieder kontrollierten die Steinkauz-Nisthilfen in Wallach.

Die Nabu-Mitglieder kontrollierten die Steinkauz-Nisthilfen in Wallach.

Foto: Sylvia Oelinger

Rheinberg.  Die Mitglieder des Naturschutzbundes schauten in Wallach in die Röhre. Mit Spannung wurde gewartet, ob sich die Jungvögel ans Tageslicht trauen.

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Die Mitglieder des Naturschutzbundes (Nabu) Rheinberg haben sprichwörtlich in die Röhre geguckt: 17 Nabu-Helfer sind in Wallach ausgerückt, um eine von mehreren Steinkauz-Nisthilfen zu kontrollieren. Der besuchte Standort besteht seit mehr als 30 Jahren und hat seitdem regelmäßig und erfolgreich Besuch. Diese Steinkauz-Röhre ist ein Meter lang und bietet Platz für die meist drei bis vier Jungvögel.

Große Erwartungen

Bei den neuen Nisthilfen habe sich ein überdachter Verweilplatz am Einflugloch für das Männchen bewährt, das zwar die Jungvögel zusammen mit dem Weibchen füttern, aber die Brutröhre nicht betreten darf, so der Nabu. Am besuchten Standort hängen daher zwei Nisthilfen nah beieinander. In einer wohnt die Brut, in der zweiten wird der Futtervorrat angelegt und das Männchen kann dort verweilen.

Die Nisthilfen sind am Ende mit einem Schraubverschlussdeckel gesichert. Dieser ermöglicht die Röhre zu reinigen und einen Einblick zu nehmen. Und dann war die Erwartung groß: Geling es einen Jungvogel ans Tageslicht zu holen? Doch die Natur hat ihre eigenen Gesetze: die drei Jungvögel flohen vom Ende der Röhre mit samt Mutter in Richtung Einflugloch, als sich der Deckel öffnete. Die Helfer haben vorsichtig, ohne Blitzlicht und mit Rücksichtnahme, aber dennoch wortwörtlich „in die Röhre geschaut.“ „Es war trotz allem wieder einmal faszinierend zu sehen, dass der Bau von Nisthilfen Erfolge zeigt“, sagt Sylvia Oelinger vom Nabu.

In Abhängigkeit von der Feldmausdichte legt der Steinkauz Mitte April bis Mitte Mai meist drei bis vier weiße, nahezu kugelige Eier. Nach 22 bis 30 Tagen schlüpfen die Jungen. Mit etwa 35 Tagen verlassen sie die Höhle, nach zwei bis drei Monaten wandern sie aus dem Revier ab. Zwei Dinge sind für den Steinkauz (Vogel des Jahres 1972) besonders wichtig: Geeignete Bruthöhlen und geeignete Flächen zur Nahrungssuche.

Der Steinkauz bevorzugt offene, grünlandreiche Landschaften mit ganzjährig kurzer Vegetation. Die besten Bruthöhlen bieten alte Kopf- und Obstbäume, weiß Wilfried Ingensiep vom Nabu zu berichten. Seine Beute – Mäuse, Regenwürmer, Käfer und andere Kleintiere – fängt der Steinkauz in einer Kombination aus Ansitz- und Bodenjagd – er ist auch zu Fuß äußerst gewandt. Kurzgrasige Viehweiden ermöglichen ihm ungehinderte Fortbewegung am Boden, Weidepfähle sind ideale Ansitzwarten. Der Steinkauz ist daher in hohem Maße von beweidetem Grünland abhängig. Gerade der Verlust solcher Grünlandflächen sowie geeigneter Höhlenbäume und alten Gebäuden hätten dazu geführt, dass er heute in Deutschland stark gefährdet und vielerorts gänzlich verschwunden sei, so der Nabu.

Auch in Rheinberg sei der Bestand rückläufig. Es gebe zwar noch einige Streuobstwiesen, aber in Summe fehlten vielerorts die kurzrasigen Viehweiden und die Siedlungsbereiche rückten immer weiter in wertvolle Außenbereiche. Deshalb sucht der Nabu für die künstlichen Brutmöglichkeiten Bereiche, in denen das „Umfeld“ stimmt.

Flächen gesucht

Bei Interesse dürfen sich Eigentümer beispielsweise mit Flächen für Kleinvieh oder Besitzer von Bauernhöfen/Stallungen, die dazugehörig noch offene Wiesen anzubieten haben, beim Nabu Rheinberg melden unter:
02844/27 25


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