Schließung

Regina Pfeiffer gibt nach Jahrzehnten ihren Pub 87 auf

XA Pup 87 wird abgerissen Regina Pfeiffer hat das Grundstück verkauft. Noch 2 Feiern, dann kommt die Abrissbirne. Der Dartverein sucht dingend nach neuen Räumlichkeiten.

XA Pup 87 wird abgerissen Regina Pfeiffer hat das Grundstück verkauft. Noch 2 Feiern, dann kommt die Abrissbirne. Der Dartverein sucht dingend nach neuen Räumlichkeiten.

Foto: Ostermann, Olaf (oo)

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete die Traditionskneipe Pub 87 in Xanten an der Marsstraße. Nun ist das Ende besiegelt

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Xanten . Regina Pfeiffer geht langsam durch die Räume des Pub 87. In ihrem Blick liegt etwas Wehmut. Ein Teil der Einrichtung fehlt bereits, andere Gegenstände sollen noch verkauft werden. Die Spuren einer Baustelle sind nicht zu übersehen. Vor ungefähr zehn Jahren erbte die 55-Jährige die Kneipe von ihrer verstorbenen Mutter. Seitdem führte in erster Linie ihr Mann Harry Willems den Laden, Pfeiffer blieb meistens im Hintergrund. So richtig habe die Kneipe nie in ihren Lebensplan gepasst, gesteht sie. Und trotzdem tue es weh, dass nun eine Ära zu Ende gehe.

Denn Pfeiffer entschloss sich dazu, das Gebäude samt Grundstück zu verkaufen – auch wenn es schwerfällt. „Meine Mutter war Wirtin mit Herz und Seele, die Kneipe war ihr Leben”, erzählt sie. Etwa 30 Jahre lang betrieb Ulla Martincic die Bar, die für einige Gäste viel mehr war als das. Sie war wie das eigene Wohnzimmer, sie war ein Zuhause. „Mama hat schon vormittags aufgemacht, dann waren die ersten Rentner da. Mittags kamen die Hausfrauen auf dem Rückweg vom Einkaufen auf einen Plausch und ein Getränk vorbei und nach Feierabend kamen dann die Arbeiter. Mama war immer da”, sagt Pfeiffer. Sogar an Weihnachten. Da habe ihre Familie sie manchmal kaum zu Gesicht bekommen, weil sie für ihre Stammgäste aufgemacht hat und mit ihnen gefeiert hat.

Damals sei die Kneipenkultur aber auch noch eine andere gewesen. „Der Laden hier hat kurz nach dem Krieg aufgemacht, viele Menschen haben ihn von innen gesehen”, sagt Pfeiffer. Damals sei eine Kneipe noch ein öffentlicher Treffpunkt für die Bevölkerung gewesen, an dem soziale Kontakte gepflegt und Neuigkeiten ausgetauscht wurden. Durch die zunehmende Digitalisierung und das Internet sei das heutzutage ganz anders. Zum einen kämen nicht mehr so viele Leute in die Kneipen wie früher, zum anderen kommunizierten die, die da seien, weniger miteinander. „Meistens sind es ältere Leute, die noch in die Bar gehen. Und die wenigen jüngeren Gäste gucken alle auf ihr Handy, während sie ihr Bier trinken”, bedauert Pfeiffer die Entwicklung. Auch das Rauchverbot in Kneipen habe sicherlich einen Teil dazu beigetragen, ergänzt sie.

Viele sagten „Tschüss“

Richtig voll wurde der Pub 87 zuletzt nur selten. „Bei besonderen Anlässen und Events waren so viele Leute hier, dass die Kneipe zu klein war, um allen Platz zu bieten”, sagt die Besitzerin. An den Weihnachtstagen zum Beispiel habe sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter bis in die frühen Morgenstunden hinter der Theke gestanden und bedient. Und auch nach der angekündigten Schließung kamen zur Abschiedsfeier Anfang Mai noch einmal viele Xantener vorbei, um „Tschüss” zu sagen. Doch sonst, unter der Woche, zeigte sich meist ein anderes Bild. Das war auch mit ein Grund, warum sich die Familie dazu entschloss, die Kneipe zu verkaufen. Zudem hätten einige Renovierungsarbeiten angestanden, um die Kneipe auf den neuesten Stand zu bringen. „Das Dach ist undicht, da hätten wir als erstes ansetzen müssen”, sagt Pfeiffer.

Doch auch ohne die notwendigen Investitionen gäbe es ausreichend Gründe, die Bar nicht weiterzuführen. „Das war eine schöne Zeit, die jetzt zu Ende geht”, sagt Pfeiffer. „Aber es fängt auch eine neue Zeit an.” Ihr Mann hat sich bereits eine neue Herausforderung gesucht. „Er ist inzwischen 63 Jahre alt und wollte unbedingt nochmal etwas Neues ausprobieren. Deshalb ist er in die Pflege behinderter Jugendlicher eingestiegen”, erzählt sie mit einem Lächeln. „Da geht er voll drin auf.” Sie selbst will sich wieder mehr auf ihren Job als Verkäuferin für Druckereibedarf konzentrieren. Die Kundenbindung ist ihr dabei besonders wichtig. „Im Grunde wie bei den Gästen in der Kneipe, aber diese Zeit ist ja nun vorbei.“

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