Reisen

Johanna Verholen aus Xanten wandert durch die Einsamkeit

An das Alleinsein musste sich die Xantenerin Johanna Verholen erst einmal gewöhnen. Manchmal sieht sie über Tage keinen Menschen.

An das Alleinsein musste sich die Xantenerin Johanna Verholen erst einmal gewöhnen. Manchmal sieht sie über Tage keinen Menschen.

Foto: Verholen

Xanten.   Die 23-Jährige reist von der mexikanischen bis zur kalifornischen Grenze im Norden. Dabei musste sie schon einige Herausforderungen bewältigen.

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Manchmal liegen Freud und Leid, Unglück und Glück ganz eng beieinander. Wie an jenem Tag, als Johanna Verholen morgens um vier Uhr am kalifornischen Mount Baden Powell in einem komplett zugefrorenen Zelt aufwachte und sich dazu noch ein Sturm ankündigte. „Fünf Stunden später hatte ich den Berg bestiegen und war total glücklich“, schreibt sie. Nach weiteren zwei Stunden aber ging das Zelt in der Nähe des Gipfels verloren. „Es waren fünf Grad und Windböen von 80 bis 100 Stundenkilometer.“ Auf die 23-jährige Frau aus Obermörmter kam erstmals eine Nacht bei Minusgraden im Schnee zu.

Johanna wandert bis zum Sommer

Und das war nur eines von vielen Erlebnissen, über die die junge Frau auf ihrem Trip entlang des Pacific Crest Trail von der mexikanischen bis zur kalifornischen Grenze im Norden berichten kann. Noch bis zum Sommer ist Verholen auf einer der längsten Weitwanderstrecken der Welt unterwegs.

Trampen ist nicht erlaubt, Bus, Bahn und Radfahren ebenfalls nicht. Die Strecke will sie allein zu Fuß zurücklegen. Nur wenn sie in eine nahe gelegene Stadt zum Einkauf oder zum Waschen der Kleidung abbiegen muss, lässt sie sich mitnehmen. Angst? Die habe sie nicht, sagt sie. „Hier auf der Wanderstrecke sagen wir immer: ,Egal wie schwer dein Rucksack ist, das schwerste, das man einpacken kann, ist die Angst.’“ Aber sie begegnet den täglichen Herausforderungen und bestimmten Abschnitten mit Respekt. „Wie zum Beispiel den nächsten 500 Kilometern durch die Sierra.“ Der 4280 Kilometer lange Trail zieht sich von Mexiko bis zur Grenze nach Kanada durch drei US-Bundesstaaten.

Die Maschinenbauerin mit abgeschlossenem Bachelorstudium, die nach ihrer Rückkehr den Masterabschluss anstrebt, kann auf ihren Wandererfahrungen aufbauen. Nach dem Abitur hatte sie ein Jahr lang in Neuseeland gelebt und war dort immer mal mehrere Tage lang unterwegs. „Dort hatte ich von dem Trail gehört. Der Gedanke, bis zu sechs Monate zu campen und durch die Natur zu wandern, während ich komplett auf mich alleine gestellt bin, hat mich sofort gereizt. Mich treibt an zu wissen, dass ich jeden Tag etwas Neues sehen und erleben werde“, sagt die Xantenerin. Körper und Geist haben sich daran gewöhnt. Am ersten Tag war sie noch zwölf Kilometer gewandert, mittlerweile legt sie im Schnitt die dreifache Strecke zurück, der persönliche Rekord liegt bei 58 Kilometern in 24 Stunden.

Campen im Garten getestet

Solche Wanderungen erfordern eine detaillierte Planung, auch bei der Ausrüstung. Sie muss wegen der unterschiedlichen Klimazonen von Wüste bis Schnee vielseitig und zugleich leicht sein. Im heimischen Garten hat Verholen das Campen mehrere Tage und Februar-Nächte hindurch getestet. Eine gesonderte mentale Vorbereitung war angesichts der langen früheren Wanderungen nicht mehr erforderlich. Sie weiß um den inneren Schweinehund und dass sie nicht immer freudestrahlend aufstehen wird, um weitere 30 Kilometer zu erlaufen. „Außerdem habe ich mich damit auseinandergesetzt, dass es Zeiten geben wird, in denen ich keine Menschen sehen und ich mich eventuell einsam fühlen werde.“ Doch sie hat beschlossen, jede Situation auf sich zukommen zu lassen, wohl wissend, dass sie vieles vorab nicht beeinflussen kann

Täglicher Start ist morgens, sobald die Sonne aufgeht. Manchmal muss Verholen noch das Zelt zusammenbauen, manchmal, wenn das Wetter es erlaubt, schläft sie unter freiem Himmel: „Das spart Zeit.“ Kurz frühstücken, wandern bis mittags, essen, weiterwandern – bis es dunkel wird oder sie eine Unterkunft gefunden hat. Das nordamerikanische Leben ist für die junge Frau nichts Neues, mit 15 Jahren hatte sie bereits als Austauschschülerin in den USA gelebt. Faszinierend findet sie jetzt die Unterstützung der Menschen entlang der Wanderstrecke. „So genannte Trail Angels bringen Hunderte Liter Wasser an die Strecke für Bereiche, in denen es keine Flüsse gibt“, erläutert sie. Andere bieten eine Unterkunft. Über ihre Wanderung berichtet Verholen auf ihrem Internet-Blog unter johanna-travels.de.

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