Baumsterben

In Rheinberg herrscht die Angst vor dem Baumsterben

Die Nester des Eichenprozessionsspinners sorgen auch in Rheinberg für hohe Kosten.

Die Nester des Eichenprozessionsspinners sorgen auch in Rheinberg für hohe Kosten.

Foto: Heinrich Jung

Rheinberg.   Eichenprozessionsspinner, Pseudomonas und Rußrinde machen dem Baumbestand in Rheinberg zu schaffen. Rund 20 Bäume mussten bislang gefällt werden.

In Rheinberg geht die Angst vor dem großen Baumsterben um. Die Übeltäter heißen Pseudomonas syringae herum – ein Bakterium, das Kastanien befällt – und Cryptostroma corticale – eine Pilzart, die vor allem Ahorn-Bäume angreift – und auch Rußrinde genannt wird. Seit 2018 mussten bereits rund 20 Bäume im Stadtgebiet gefällt werden, 105 Kastanien, etwa die Hälfte davon am Innen- und Außenwall, sind zudem bereits befallen, wie DLB-Chef Holger Beck, den Mitgliedern im Betriebsausschuss mitteilen musste. „Ich gehe nicht davon aus“, so Beck, „dass die Bäume den Befall überstehen. Wir versuchen zu retten, was zu retten ist. Auf kurz oder lang müssen aber auch sie wohl gefällt werden.“ Die Bakterien werden über die Luft und den Regen übertragen, es gibt derzeit kein Mittel gegen Pseudomonas – und auch keins gegen die so genannte Rußrinde. Hierbei bekommen die Bäume schwarze Flecken, es handelt sich um eine Art Schimmelpilz, der auch für den Menschen gefährlich werden kann. Ist ein Baum befallen, muss er sofort gefällt werden. „Die Zahl der Baumkrankheiten nimmt zu, vor einigen Jahren gab es diese Krankheiten noch nicht“, so Beck. „Wie wir der Sache Herr werden können, weiß ich auch nicht.“ Auch in anderen Kommunen seien die Baumkrankheiten ein akutes Problem. Rheinberg allerdings ist ohnehin nicht gerade mit einem üppigen Baumbestand gesegnet, rund 10.000 Bäume sind in städtischem Bestand.

Unabhängig von Pseudomonas und Rußrinde sorgen weiterhin auch der Eichenprozessionsspinner, die Herkulesstaude und neuerdings auch das Eschentriebsterben für reichlich Arbeit. So sind vor allem entlang der Eversaeler Straße 64 Eschen befallen. Zwei Eschen sind gefällt worden, „doch es werden wahrscheinlich alle davon betroffen sein“, wie Holger Beck vermutet.

Wenigstens der Eichenprozessionsspinner und die Herkulesstaude können wirksam bekämpft werden – allerdings ist auch das bei steigendem Befall mit erheblichen Kosten verbunden. 2016 waren noch 87 Bäume vom Eichenprozessionsspinner befallen, 2017 waren es schon 110 und im vergangenen Jahr gar 322 Bäume. Die Bekämpfung in 2018 verschlang satte 50.000 Euro, dreimal so viel wie im Jahr davor. Die Ausbreitung der Herkulesstaude kann mit 94 Grad heißem Wasser und einem neuen Gerät, das die Wurzel des Übels packt, noch relativ mühelos bekämpft werden. Vor dem Hintergrund der Problematik müsse man sich Gedanken über resistente Baumarten und auch sinnvolle Ersatzbepflanzungen machen, um die Artenvielfalt zu erhalten – so die einhellige Meinung im Ausschuss. Gleichzeitig gab es den Vorschlag, dafür einen externen Fachmann zu beauftragen. „Die Entscheidung darüber liegt beim Fachbereich“, erklärte Holger Beck. „Der wird sich darüber Gedanken machen. Wir können Anregungen liefern, sitzen aber nicht mit im Boot.“

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