Kabarett

In Rheinberg gab es Asyl für die Kanzlerinnen-Souffleuse

Die Kabarettistin Simone Solga trat in der Stadthalle Rheinberg auf.

Die Kabarettistin Simone Solga trat in der Stadthalle Rheinberg auf.

Foto: Veranstalter

Feingeistig, intelligent und blitzschnell – die Kabarettistin Simone Solga unterhielt die Besucher bei ihrem Auftritt in der Stadthalle.

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Rheinberg. Hinsetzen, anschnallen und einfach nur zuhören, den Rest macht Simone Solga. Die Kabarettistin mit sächsischem Akzent ist auf der Bühne des spitzzüngigen Wortes schon lange keine Unbekannte mehr. Sie war Mitglied der Leipziger Pfeffermühle sowie der Münchener Lach- und Schießgesellschaft, trat in „Die Anstalt“ auf. Und sie schießt weiterhin aus allen Rohren.

Passgenaue Direktheit

Feingeistig, intelligent und blitzschnell. Sie weiß genügend Sprengstoff mit ihrem neuem Programm „Das gibt Ärger“ als Kanzlersouffleuse zu deponieren. Simone Solga hat die Nase voll vom Bundeskanzleramt, der Kanzlerraute, dem Krisengebiet der Hoffnungslosigkeit, so ihr Fazit. Doch zu wenig los in Berlin. Kurzerhand machte Solga sich über die Balkanroute nach Rheinberg auf. Dort stellte sie einen Asylantrag, in der Stadt mit den schönen und intelligenten Menschen. „Ich werde mich integrieren und Sie in Ihrem Glauben respektieren, dass demnächst der Marktplatz fertiggestellt ist.“

Nur Vorgeplänkel, denn ihrer scharfen, wortreichen Analyse entkam keiner. Weder Gauland, noch Giffey, Stegner oder Lauterbach. Sahra Wagenknecht ist für sie die „dialektische Domina des deutschen Parlamentarismus“. Solga übt sich im Exorzismus gegen den bösen Horst Seehofer. Ist nicht Kabarett die letzte sinnvolle Form von Gottesdienst? Simone Solga sollte in ihrer unbekümmerten Weiblichkeit und passgenauen Direktheit noch zur Höchstform auflaufen, als sie Themen wie Altersarmut, Gleichstellung, Fremdenfeindlichkeit und den Islam an der Rewe-Kasse unter dem Motto „Allah, hopp-hopp“ servierte.

Nur minimal weniger wird ihr Redefluss, als sie das mitgebrachte Berliner Würstchen isst. Kleine Verschnaufpause, die das Publikum genießt, denn schon kurze Zeit später geht es mit Volldampf weiter. Ihr Fazit zur Asylpolitik: „Noch nie waren wir so uneins wie heute.“ Das bringt Applaus. Auch, wie sie mit Handy und Co. ins Gericht geht. Aus Whatsapp macht sie ein „Wart‘s ab“. Ihre Bilanz: „Die sozialen Medien haben uns zu Asozialen gemacht.“

Ihr Auftritt schlägt Wellen, wie sie nach der Pause feststellt. Selbst Bürgermeister Tatzel hat geschrieben und bietet Bleiberecht, wie sie augenzwinkernd feststellt. Mit Simone Solga endete die Kabarett- und Comdeysaison. Im nächsten Programm darf sich das Publikum unter anderem auf Christoph Sieber und ASS-Dur freuen.

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