Senioren

Im Rheinberger Süden fehlen die Tagespflege-Plätze

Die Tagespflege, vor allem für Demenzkranke, wird immer wichtiger. Vor allem im Rheinberger Süden fehlen Plätze.

Die Tagespflege, vor allem für Demenzkranke, wird immer wichtiger. Vor allem im Rheinberger Süden fehlen Plätze.

Foto: Volker Speckenwirth

Rheinberg.  Rund 1260 Pflegebedürftige in Rheinberg haben einen Anspruch auf Tagespflege. Es gibt aber nur drei Einrichtungen. Die SPD fordert ein Angebot.

Wer einen pflegebedürftigen Angehörigen zuhause betreut, für den kann eine Tagespflege eine echte Entlastung sein. Dort werden die Menschen, die sich nicht mehr selbst vollständig versorgen können, tagsüber gepflegt, damit die Angehörigen beispielsweise einmal ihren Terminen nachgehen können. In Rheinberg gibt es derzeit drei Einrichtungen, die Tagespflege anbieten. Zwei im direkten Stadtgebiet und eine in Millingen.

Im Rheinberger Süden, also in Budberg, Vierbaum, Eversael und Orsoy, gibt es so ein Betreuungsangebot nicht. Auch die angrenzenden Städte Moers und Duisburg hätten keine vergleichbare Tagespflege. Die SPD stellte im jüngsten Sozialausschuss daher einen entsprechenden Antrag zur Prüfung der Notwendigkeit einer Tagespflege in diesem Teil des Rheinberger Stadtgebietes.

https://www.nrz.de/staedte/rheinberg-xanten-umland/

„Der Anteil der Bevölkerung, der mit steigendem Alter pflegerische Hilfe in Anspruch nimmt, wird weiterwachsen. Die Tagespflege ist wichtiger Bestandteil dieser Hilfen“, heißt es im Antrag der Sozialdemokraten. Die Verwaltung teilte die Auffassung, dass der Bedarf an Tagespflegeplätzen in Rheinberg nicht ausreichend sei. Weil die Pflegebedarfsplanung allerdings Aufgabe des Kreises Wesel ist, liegen keine konkreten Zahlen vor, wie hoch der Bedarf aktuell wirklich ist. Der Kreis Wesel hat versucht, die Daten aus der Bundespflegestatistik, die nur auf Kreisebene vorliegen, auf die der Städte und Gemeinden zu berechnen. Demnach werden in Rheinberg zurzeit rund 1260 Pflegebedürftige ambulant versorgt und hätten einen Anspruch auf Tagespflegeleistungen. Bei 63 Tagespflegeplätzen, die es aktuell gibt, kommen damit auf jeden Tagespflegeplatz rechnerisch 20 pflegebedürftige Personen.

Die Nachfrage an Tagespflegeplätzen in Rheinberg ist deutlich größer

„Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Nachfrage an Tagespflegeplätzen deutlich größer ist als das derzeitige Angebot“, schreibt die Verwaltung in ihrer Stellungnahme. Grundsätzlich sind Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad von zwei oder höher berechtigt, Tagespflegeleistungen in Anspruch zu nehmen. Anträge oder Anfragen zur Eröffnung einer Tagespflege liegen weder der Rheinberger Stadtverwaltung noch dem Kreis Wesel vor. Der Kreis befürworte und unterstütze jedoch Vorhaben, Tagespflege zu schaffen.

Ulla Hausmann-Radau (Grüne) brachte im Sozialausschuss die Idee ins Spiel, eine neue Tagespflege am evangelischen Alten- und Pflegeheim Orsoy, das derzeit erweitert wird, anzugliedern. „Wir sollten mit der dortigen Pflegedienstleitung Kontakt aufnehmen und fragen, ob die Nachfrage nach Tagespflege vorhanden ist. Dann sollten wir auf die freien Träger zugehen, um anzufragen, ob sie eine Tagespflege dort umsetzen würden“, so Hausmann-Radau.

Die Fertigstellung des Anbaus dauert noch ein bis zwei Jahre

Erich Weisser (CDU) ergänzte, dass seine Fraktion mit dem Pflegeleiter des Altenheims bereits gesprochen habe. Die Fertigstellung des Anbaus dauere noch ein bis zwei Jahre. Dann erst könnte eine Tagespflege dort angesiedelt werden. Auch er wolle den Kontakt zum Pflegeheim halten. Dagegen spreche nichts, sagte Dieter Paus, Technischer Beigeordneter der Stadt, allerdings brauche es eine gewisse Datenbasis zum Bedarf, um Investoren und Träger zu überzeugen. „Das wird gefordert, um das wirtschaftliche Risiko abzuwägen.“ Brigitte Prumbohm von der SPD betonte, dass valide Zahlen zwar nötig seien, sich der Prozess aber nicht in die Länge ziehen dürfe. „Wir haben jetzt den Pflegenotstand.“ Die Verwaltung wurde schließlich einstimmig beauftragt, den aktuellen Bedarf an Tagespflegeplätzen in Rheinberg selbst zu ermitteln und erste Gespräche mit Trägern zu führen.

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