Bürgerbarometer

„Ich fühle mich in der Reichelsiedlung sehr wohl“

In der Reichelsiedlung stehen vereinzelt Einkaufswagen vom nahegelegenen Discounter herum und werden kaum zurückgebracht.

In der Reichelsiedlung stehen vereinzelt Einkaufswagen vom nahegelegenen Discounter herum und werden kaum zurückgebracht.

Foto: David Bieber

Rheinberg.   Rheinberg ist sauber, sagen die Rheinberger im Bürgerbarometer. Die Älteren sehen das nicht so. Die Reichelsiedlung gilt als besonders schmutzig.

Männer sitzen in einem Schnellimbiss in der Reichelsiedlung und trinken Café. Sie unterhalten sich über Gott und die Welt und blicken auf den gegenüberliegenden Discounter. An diesem Montagnachmittag scheint wenig los zu sein rund um die Buchenstraße. Kinder beobachten Bauarbeiten und spielen Verstecken. An ihrem Akzent ist zu erhören, dass sie nicht aus Deutschland kommen.

Multikulti in der Reichelsiedlung

Überhaupt ist die Siedlung multikulturell. Türken wohnen hier neben Roma sowie Flüchtlingen. Dazu einige Osteuropäer. Dem Viertel wird immer wieder vorgeworfen, es sei schmutzig und die Bewohner hielten sich nicht an geltende Regeln für die ordnungsgemäße Müllentsorgung. „Die Leute wissen nicht, wie man mit Müll richtig umzugehen hat“, sagt Anwohner Ulrich Behrens. Der 66-jährige Rentner findet aber auch, dass Rheinberg grundsätzlich sauber ist, n

ur eben nicht rund um seine Ulmenstraße. „Einkaufswagen stehen hier herum und werden nicht zurückgebracht“, sagt Behrens. Zudem sei das größte Problem der Sperrmüll. „Anscheinend wissen viele Bewohner nicht, wie dieser entsorgt wird. Da müssen auch die Hausverwaltungen aktiv werden.“

Problem Sperrmüll?

In der Tat hat die Hausverwaltung, die sich um die Wohnhäuser an der Buchenstraße kümmert, in ihrem Ladenlokal Schilder ausgehängt, die auf die sachgemäße Entsorgung von Sperrmüll hinweisen. Dort wird sogar auf die Androhung von einer satten Geldstrafe hingewiesen und dass die Bewohner Sperrmüll erst anmelden müssen, bevor sie ihn an die Straße stellen.

Zugegeben: Man sieht kaum Müllkippen oder Sperrmüll an diesem sonnigen Montagnachmittag in der Reichelsiedlung. Vereinzelt einige Einkaufswagen. Ist das gezeichnete Bild von Behrens also übertrieben? Verzerrt es eine Siedlung samt Bevölkerung? Nicht ganz, denn es gibt auch Stimmen wie von Holger, der weiter namentlich nicht erwähnt werden möchte. „Abends wird es manchmal ungemütlich. Dann versammeln sich schnell mal 20 bis 30 Leute rund um den Penny-Parkplatz.“ Dort befindet sich auch die türkisch-islamische Gemeinde. Ein Zusammenhang?

Gemeinde befindet sich neben Discounter

Holger, Mitte 40 und knapp 1,80 Meter groß, erzählt nur wenig von dem Problem mit dem Sperrmüll und den wilden Müllkippen. „Klar, die gibt es, aber auch nicht häufiger als in anderen Vierteln.“ Auch das NRZ-Bürgerbarometer hat zu diesem Thema eine Frage gestellt. Wir wollten wissen, wie zufrieden die Rheinberger mit der Sauberkeit in ihrer Stadt sind. Das insgesamt gute Ergebnis von 53 Prozent wird allenfalls von den vielen mittelmäßigen Stimmen (33 Prozent) getrübt.

Nur 14 Prozent sagen, dass sie unzufrieden mit der Sauberkeit sind. Wie Behrens aus der Reichelsiedlung sind es auch eher die älteren Menschen, jene ab 50 Jahren, die die Sauberkeit bemängeln. Die Generation 70 plus gibt hierbei die schlechtesten Werte. Die Jüngsten, jene von 14 bis 19 Jahren, hingegen sind am zufriedensten mit der Sauberkeit. Sie geben durchweg nur sehr gute, gute bis allenfalls mittelmäßige Noten für die Sauberkeit.

Karim findet die Siedlung sauber

Zurück in der Reichelsiedlung. Am Ende kommt noch ein junger Mann um die Ecke, der sich Karim nennt, und sagt, dass er es in seiner Nachbarschaft sauber findet. „Ich fühle mich hier sehr wohl.“

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