Verabschiedung

Für jedes Problem gibt’s eine Lösung

Ein Foto aus alten Tagen: Bernard Bauguitte bei den Ferienspielen in der Begegnungsstätte Reichelsiedlung zum Thema „Eine Reise durch Afrika“.

Ein Foto aus alten Tagen: Bernard Bauguitte bei den Ferienspielen in der Begegnungsstätte Reichelsiedlung zum Thema „Eine Reise durch Afrika“.

Foto: Archiv

Rheinberg.   Bernhard Bauguitte, Leiter der Rheinberger Diakoniedienststelle, geht in den Ruhestand. Verabschiedet wird er am heutigen Samstag ab 18 Uhr im Haus der Generationen.

Vor Streit schreckt Bernard Bauguitte nicht zurück, wenn es darauf ankommt, die Rechte von Schwächeren gegenüber Starken zu verteidigen. Nur so konnte er helfen, etwa wenn rumänische Wanderarbeiter um ihren Lohn betrogen werden sollten, oder Mieter in sozial schwieriger Situation nicht genügend finanzielle Unterstützung vom Wohnungsamt bekommen hätten und in feuchte Wohnungen hätten umziehen müssen. Oder wenn Eltern ohne deutschen Pass das Kindergeld für ihre Töchter und Söhne mit deutschem Pass vorenthalten werden sollte. Dass Bauguitte nicht ängstlich sein darf, war im Grunde auch Anstellungsbedingung für seinen Job. Seit 25 Jahren leitet er die Dienststelle Rheinberg der Grafschafter Diakonie – Diakonisches Werk Kirchenkreis Moers. Zur Jahresmitte geht er in den Ruhestand, morgen feiert er seinen Abschied.

Geboren ist der 65-Jährige in Verdun in Frankreich, aufgewachsen in Wattenscheid. Er studierte in Bochum Sozialpädagogik. Die soziale Arbeit lernte er zuerst in Praktika in einer Psychiatrie, einem Kinderheim und in der Altenpflege kennen. Sein Anerkennungsjahr absolvierte er in der Jugend- und Nichtsesshaftenhilfe. Anschließend war er im Jugendamt Gelsenkirchen und nachfolgend bei der Gelsenkirchener Diakonie angestellt, zuletzt in leitender Funktion. So kam er mit einer Menge Berufserfahrung vor 25 Jahren nach Rheinberg. Zu seinen Aufgaben dort gehörte die Dienststellenleitung, die Jugendgerichtshilfe, die Senioren- und Pflegeberatung und die offene Sozialberatung. In der mit Dienstantritt von Bauguitte neu gegründeten Dienststelle arbeiteten vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, heute sind es 15.

Dass die Aufgaben größer und vielfältiger wurden, liegt am genauen Hinsehen. „Die offene Sozialberatung, die wir weitgehend aus Kirchensteuern finanzieren, hat enorme Bedeutung“, so Bauguitte. „Jeder Mensch kann mit Problemen kommen und bekommt Antworten oder Infos, wer helfen könnte. An den Fragen und Problemstellungen erkennen wir, wenn neue Arbeitsgebiete notwendig sind.“ Die Ein-Eltern-Arbeit z. B. ist daraus entstanden, erzählt er, die Flexiblen Hilfen für Familien, das Betreute Wohnen, dass Menschen ermöglicht, trotz psychischer Behinderungen in der eigenen Wohnung zu leben, die Flüchtlingsarbeit, die Wohn- und Existenzberatung gemeinsam mit der Caritas.

Zusätzlich hat er in dem Vierteljahrhundert viele Projekte auf die Beine gestellt, die große Anerkennung fanden, wie die Ferienprojekte in der Reichelsiedlung mit regelmäßig rund 100 Kindern, von denen viele in Familien leben, die es sich finanziell nicht leisten können, ihre Kinder beispielsweise bei der Freizeitgestaltung zu unterstützen. „Bei den Geschichten, die wir bei diesen Ferienprojekten in selber ausgedachten und von den Kindern umgesetzten Theaterstücken auf die Bühne brachten, ging es mir darum, die Welt auf den Kopf zu stellen, etwas Unmögliches zu denken. Das hat den Kindern viel Spaß gemacht und ihnen auch gezeigt, dass nichts bleiben muss, wie es ist, sondern dass man auch Alternativen denken und leben kann, die ein anderes, vielleicht besseres Leben ermöglichen können.“

„Ich habe mich hier wohl gefühlt“, sagt Bauguitte. „Es war keine eindimensionale Arbeit. Ich habe Netzwerke geschaffen, etwa mit der Vermieterrunde und der Politik. Ich habe helfen und unterstützen können, und wir waren ein super Team in Rheinberg.“

Langweilig wird ihm auch künftig nicht. Denn was er erlebt hat, setzt er im satirischen Puppenspiel um und wird damit künftig weiterhin auftreten. „Puppen dürfen alles sagen, im Gegensatz zu uns“, lacht er. Und der Stoff, den er aus seiner beruflichen Tätigkeit dafür mitnimmt, wird ihm nicht ausgehen. Allein im vergangenen Jahr war er 371 mal in der allgemeinen Sozialberatung Ansprechpartner. Und hat 371 mal helfen können.

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