Ein Pool für die Xantener Südsee

Das Schwimmbecken ist mit Gewindebolzen am Steg befestigt.

Das Schwimmbecken ist mit Gewindebolzen am Steg befestigt.

Foto: crei

Xanten.  Ein 25 Meter langes und 37 Tonnen schweres Schwimmbecken wurde ins Wasser gesetzt. Künftig können auch Nichtschwimmer mitten in der See baden.

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Als die beiden großen Kräne das Schwimmbecken um kurz nach 9 Uhr am Donnerstag zum ersten Mal einige Zentimeter anheben und das Konstrukt über dem Boden schwebt, ist dies für Planer Conrad Hansen und Projektleiter Stephan Tietz der entscheidende Moment. Sie steigen auf das 37 Tonnen schwere Becken und inspizieren, ob sich der Rahmen verzieht oder der Boden zu sehr durchhängt, wenn das Becken in der Luft wogt – dann müssten sie sofort eingreifen. Aber sie können aufatmen. Der Stahlkoloss hängt fest an den Seilen. Hansen kommt zu dem Schluss: „Ja, sieht gut aus.“

Da fällt die erste große Last von den Schultern des 60-jährigen Kielers ab. Eineinhalb Jahre Planung stehen in diesen Minuten auf dem Prüfstand. Alles wurde mehrfach durchgerechnet. In seiner Badewanne hat er sogar mit kleinen Prototypen getestet, ob die Bohlen für den Beckenrand schwimmen. „Ich bin verantwortlich für die technische Umsetzbarkeit“, sagt er. „Das mir entgegengebrachte Vertrauen will ich schließlich nicht enttäuschen.“ Weil alles passt, gibt er den Kranführern ein Signal, dass es weitergeht. Und so heben sie das Becken weiter Stück für Stück an, bis es hoch genug hängt, um es über die Bäume am Ufer in die Südsee zu heben.

In 16 Einzelteilen war die Stahlkonstruktion am Montag von Ribnitz-Damgarten an der Ostsee an die Xantener Südsee gebracht und bis Mittwochabend von der Hafenbaufirma Renker auf dem anliegenden Parkplatz zusammengebaut worden. 25 Meter ist das Becken lang, 12,5 Meter breit und 1,35 Meter tief, also auch für Nichtschwimmer geeignet. Es wurde so gebaut, dass es vom Seewasser durchspült wird und das Wasser nicht darin steht. Die Stahlkonstruktion wird von 92 Kunststoffkörpern getragen, die unter dem Beckenrand befestigt und mit Polystyrol-Hartschmaum gefüllt sind. Nach Angaben von Planer Hansen gibt es bundesweit keine vergleichbare Konstruktion. Es sei das einzige schwimmende Becken dieser Art in Deutschland.

Aber noch liegt es nicht an seinem Platz. Langsam wird es auf der anderen Seite der Bäume zu Wasser gelassen. Als es endlich schwimmt, fällt auch die restliche Anspannung von den Verantwortlichen ab. Jetzt kann nicht mehr viel schiefgehen. Nachdem die Seile gelöst sind, kommt auch schon ein Schubboot mit extra starkem Motor angefahren. Mühelos manövriert es das Becken über die Südsee mitten ins Xantener Strandbad, einige Meter vom Ufer entfernt. Trotzdem ist das Becken über einen Steg für alle zu erreichen. Darüber können auch Rollstuhlfahrer hinfahren und dann über eine flache Treppe ins Wasser steigen. In den nächsten Tagen seien nur noch wenige Montagearbeiten zu erledigen, dann werde der Pool für die Öffentlichkeit freigegeben, sagt Wilfried Meyer, Leiter des Freizeitzentrums Xanten (FZX). „Es ist eine weitere Attraktion an der Südsee.“

Das neue Schwimmbecken ist eine von mehreren Maßnahmen des FZX, um das Angebot im Gesundheitstourismus zu erweitern. Der Strand wurden abgeflacht, die Wege wurden verbreitert, die Toiletten ausgebaut, damit auch Menschen im Rollstuhl die Anlage benutzen können. Außerdem sind zum Beispiel Kneipp-Wasseranwendungen am Ufer geplant. Insgesamt werden vom FZX und dem Land NRW rund 3,7 Millionen Euro investiert.

Eineinhalb Stunden haben die Arbeiten gedauert. „Alle Beteiligten haben einen Super-Job abgeliefert, es hat alles wunderbar geklappt“, sagt Hansen. Nachher gehe er im Strandbad noch schwimmen. „Ich habe extra eine Badehose mitgebracht.“

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