Bürgerbarometer

Durchschnittsnote 2,9: Frank Tatzel will etwas ändern

Bürgermeister Frank Tatzel

Bürgermeister Frank Tatzel

Foto: Wolfgang Krause

Rheinberg.   Der Bürgermeister will sich nicht zurücklehnen, aber er freute sich trotzdem: „Der größere Teil der Befragten hat mich positiv beurteilt.“

Bei seinem Hintergrund verständlich: Bürgermeister Frank Tatzel nahm es sportlich, sein Abschneiden im NRZ-Bürgerbarometer bei der Frage „Bei den letzten Kommunalwahlen wurde Frank Tatzel zum Bürgermeister gewählt. Wie zufrieden sind Sie mit seiner bisherigen Arbeit?“. „Ich freue mich, dass der größere Teil mich positiv beurteilt hat.“ So kommt auch die Durchschnittsnote 2,9 zusammen. Zwar gibt es jeweils sieben Prozent, die mit Tatzel sehr zufrieden oder sehr unzufrieden waren, aber immerhin 24 Prozent waren zufrieden, dagegen lediglich 14 Prozent unzufrieden.

Tatzel hält diese Frage im Bürgerbarometer für einen „wichtigen Indikator, eine Rückmeldung von Bürgern, wie meine Leistung eingeschätzt wird“. Das Ergebnis „ist nicht unbedingt dazu angetan, mich zurückzulehnen, aber eben eher positiv“.

Eher selten Reaktionen

Reaktionen auf seine Arbeit erhält Tatzel eher selten. „Das muss schon ein Thema sein, dass die Menschen persönlich berührt. Bei der Rede anlässlich der Übergabe der Abiturzeugnisse im Amplonius-Gymnasium kamen Eltern hinterher auf mich zu und sagten, dass sie sie als schön empfunden haben.“ Auch negative Stellungnahmen erreichten ihn, zum Beispiel im Zusammenhang mit der letztlich gescheiterten Awo-Ansiedlung in der Innenstadt. „Das war ein dreiviertel Jahr lang sehr markant – in der Zeit gab es kritische, deutliche Äußerungen, aber auch gute Reaktionen.“

Tatzel nimmt solche Rückmeldungen aber auch als auf sein Amt bezogen. „Natürlich bin ich als Chef der Verwaltung für alles verantwortlich, selbst wenn die Entscheidungen in anderen Fachbereichen als meinem gefallen sind. Das interessiert draußen nicht so sehr. Ich habe das Amt inne, ich habe die Verantwortung, wenn die Pumpen im Freibad nicht laufen.“ Kritik müsse man auch dann aushalten.

Genauso müsse er mit negativen Äußerungen leben, selbst wenn in Rheinberg nur im Bund oder Land getroffene Entscheidungen umgesetzt werden. Oder: „Die Entscheidung, die Reinigungskräfte wieder bei der Stadt anzustellen, ist mit einer Mehrheit von 12:11 Stimmen im Haupt- und Finanzausschuss getroffen worden – gegen meine Stimme. Umsetzen muss ich sie trotzdem.“

Für Tatzel war seine persönliche Bewertung durch das NRZ-Bürgerbarometer Neuland. „So etwas gab es für mich noch nie. Ich jubele nicht, ich bin nicht enttäuscht, das ist ein ordentliches Ergebnis, mit dem ich zufrieden bin.“ Dennoch sehe er es als Indikator an. „Ich liege nicht ganz falsch mit meiner Arbeit, aber an der einen oder anderen Stelle kann noch etwas geändert werden.“

Kommunikationswissenschaftlerin Sabine Lauderbach über das Ergebnis der Bürgermeisterfrage

400 Rheinberger, repräsentativ ausgewählt nach Geschlecht, Alter und Wohnort innerhalb Rheinbergs: Das ist die Datenbasis für das Bürgerbarometer, das im Auftrag der NRZ von der Forschungsstelle für Verlagsmarketing am Lehrstuhl für Marketing und Handel an der Universität Duisburg/Essen (Campus Essen) erstellt wurde. Die Kommunikationswissenschaftlerin Sabine Lauderbach hat die Studie betreut – und kann deswegen einordnen, ob die 2,9 (die Durchschnittsbewertung der Leistung) von Bürgermeister Frank Tatzel nun gut oder schlecht ist.

„Das Ergebnis der Bürgermeisterfrage landet in der Regel zwischen 2,5 und 3. Der Gesamtmittelwert beträgt 2,7“, so Lauderbach. Davon liegt Tatzel also gar nicht so weit entfernt.

Grundsätzlich gebe es zwei Typen von Bürgermeistern. Die einen würden sehr positiv oder sehr negativ bewertet, seien sehr stark polarisierend. Die anderen lägen in der Bewertung stark um den Dreierbereich herum, es gebe viele, die sich eher indifferent äußern. Lauderbach: „Tatzel ist eher der zweite Typ. Er polarisiert nicht so, ist eher Mainstream, schwimmt in der Mitte des Flusses.“

Um seine Werte in einer solchen Befragung zu steigern, müsse man polarisieren. „Es reicht nicht, dass nur der Name bekannt ist, dass der Bürgermeister mal etwas eröffnet“, sagt Lauderbach. „Man muss auch mal etwas anders machen.“ Rückschlüsse könne man als Bürgermeister schon aus den Ergebnissen des Bürgerbarometers ziehen. Es gehe um Wiedererkennungswert, um Alleinstellungsmerkmale und auch darum, was den Amtsinhaber auszeichnet.

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