Bürgerbarometer

Die Rheinberger „Pumpen“ trocknen allmählich aus

Petra Götzen, Pumpenmeisterin der Nachbarschaft Alpsray-Süd, steht vor der Pumpe ihres Vereins am Hölster Pad in Rheinbergs Westen.             

Petra Götzen, Pumpenmeisterin der Nachbarschaft Alpsray-Süd, steht vor der Pumpe ihres Vereins am Hölster Pad in Rheinbergs Westen.  

Rheinberg.   Rheinberger sind laut NRZ-Bürgerbarometer seltener in Pumpennachbarschaften als im Sport- und Schützenverein. Ist das Brauchtum bedroht?

Jeder Rheinberger kennt sie, Zugezogene werden schnell in ihren Bann gezogen: Pumpennachbarschaften. Aktuell gibt es in Rheinberg noch 74 von ihnen, dazu noch eine historische Pumpennachbarschaftsvereinigung.

Trotz einiger Neugründungen in den vergangenen Jahren sind immer weniger Rheinberger laut NRZ-Bürgerbarometer in den nachbarschaftlichen Vereinen mit der langen Historie organisiert. Nur noch 21 Prozent, also weniger als ein Viertel der Rheinberger, sind Mitglied in den Pumpennachbarschaften. Die Rheinberger sind eher im Sport- oder Schützenvereinen aktiv (55 Prozent) oder aber in überhaupt keinem Verein (mehr) Mitglied (38 Prozent).

Wassernotgemeinschaften

Das ist Anlass genug, das scheinbar rückläufige Brauchtum der Pumpennachbarschaften unter die Lupe zu nehmen und auf ihre wichtige historische Funktion hinzuweisen. Die Vereinigung aller Pumpennachbarschaften in der Stadt schreibt in ihrer Festschrift zum 80-jährigen Jubiläum vor zwei Jahren: „Pumpennachbarschaften sind ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in Rheinberg.“

Petra Götzen ist bei der Pumpennachbarschaft Alpsray-Süd Pumpenmeisterin – so heißen die Vorsitzenden einer Pumpennachbarschaft. Sie ist 1995 von Duisburg nach Alpsray gezogen, wurde Mitglied in der von Karl Prümm 1972 gegründeten Pumpennachbarschaft und steht heute an der Spitze. „Ich bin gefragt worden, Mitglied zu werden, als wir hingezogen sind. Nun bin ich sogar Pumpenmeisterin und das macht viel Spaß“, sagt die 60 Jahre alte studierte Lehrerin.

Mit Eimerketten zum Brandherd

Auch sie ist schnell in den Bann gezogen worden und erklärt, warum die mechanischen Pumpen so wichtig für Rheinberg und anderen Städten am Niederrhein waren. „Bei Bränden wurde früher Wasser über Eimerketten von Hand zu Hand zum Brandherd transportiert.“ Eine freiwillige oder kommunale Feuerwehr gab es damals noch nicht überall – vor der Erschließung der Wohngebiete mit fließendem Wasser. Allerdings war die Hauptfunktion der Pumpen aber die Trinkwasserversorgung.

Die aus den Pumpen resultierenden „Notgemeinschaften“, die versuchten , in nachbarschaftlicher Hilfe die größte (Wasser-) Not in Zeiten von Krisen- und Belagerungszuständen zu lindern, verselbstständigten sich im Lauf der vielen darauffolgenden Jahre

– und wurden so zum Symbol der nachbarschaftlichen Hilfe in und um Rheinberg.

Interessant ist, dass laut Bürgerbarometer Männer eher als Frauen und 30- bis 49-Jährige sowie die Generation 60 plus in Pumpennachbarschaften vertreten sind. „Wir haben derzeit 230 Mitglieder, damit sind wir eine der größten Nachbarschaften“, sagt Götzen. Dennoch berichtet sie, dass sich viele wegen Beruf, Familie und anderen Lebensstils nicht mehr aktiv einbringen möchten. „Das sieht man auch bei uns. Der harte Kern ist immer zusammen, leider ist das Engagement bei einigen rückläufig“ – und das, obwohl Alpsray-Süd mit der grünen Pumpe am Hölster Pad, einer kleinen Straße im Ort, viel bietet.

„Wir machen immer ein Sommerfest und eine Pumpenkirmes und haben beim Rheinberger Karneval auch einen Wagen“, sagt Götzen, die mit andern Mitgliedern zusammen, kleine Geschenke bei runden Geburtstagen ab 70 Jahren, Geburten und Hochzeiten verteilt. „Aber auch im Trauerfall sind wir bei den Hinterbliebenen oder machen Krankenbesuche, wenn wir davon mitbekommen.“ Schließlich zeichnet auch das eine historische und heute noch funktionierende (Pumpen-)Nachbarschaft aus.

Pumpennachbarschaften haben eine lange Tradition

Die Pumpen haben eine Geschichte vorzuweisen, die Jahrhunderte alt ist. Das harte Schicksal der Belagerungen, von denen die Stadt in mehreren Jahrhunderten häufig heimgesucht wurde, zwang die Bürger zu gegenseitiger Hilfeleistung.

Ursprünglich standen die Versorgung mit Frischwasser und die Hilfe bei Brandgefahr im Fokus. Rheinberger mussten sich um die Brunnen, ab 1642 auf Ratsanordnung um die Pumpen kümmern.

Damals gab es pro Straßenzug oder Häusergemeinschaft eine mechanische Wasserpumpe, mit der die Anwohner ihr tägliches Trinkwasser aus dem Grundwasser hochpumpen konnten. Vor der Bildungkommunaler Feuerwehren waren es die Pumpennachbarn, die einander bei Bränden halfen und über Eimerketten das Wasservon der Pumpe von zum Brandort transportierten.

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