Wirtschaft

Der Einzelhandel im Ortsteil Orsoy lebt noch

    Friedrich Füngerlings ärgert sich über die Aussagen der  Werbegemeinschaft.  

    Friedrich Füngerlings ärgert sich über die Aussagen der Werbegemeinschaft.  

Foto: Privat

Rheinberg.   Der Unternehmer Friedrich Füngerlings kritisiert die Werbegemeinschaft des Stadtteils für ihre Einschätzung der Situation vor Ort.

Der Einzelhandel hat eine entscheidende Bedeutung für die Rheinberger. Man ist stolz auf die inhabergeführten Geschäfte, die seit Generationen schon in der Stadt sind und die sich sehr für die Attraktivität der Stadt einsetzen.

Dennoch ist und bleibt Rheinberg nur ein „mittleres Zentrum“, wie es Wilfried Bommann, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Niederrhein, immer wieder betont. Es fehle der Branchenmix. Der Leerstand ist ein weiteres Problem, vor allem in der Innenstadt.

Aber wie sieht es in den Stadtteilen wie beispielsweise in Orsoy aus? Die Werbegemeinschaft dort hat sich kürzlich beklagt, dass in Orsoy nur noch wenige Einzelhändler seien (die NRZ berichtete). „In Orsoy gibt es kaum noch Geschäfte“, sagte vor etwa drei Wochen der 1. Vorsitzende der Orsoyer Werbegemeinschaft, Udo Bonn. Dieser Satz hat für eine rege Resonanz seitens der Orsoyer Einzelhändler gesorgt. „Das Bild ist falsch, was die Werbegemeinschaft hier zeichnet“, sagt Friedrich Füngerlings, Inhaber des Modeladens Andantino an der Kuhstraße. Er zählt die gesamte Bandbreite an Geschäften und Dienstleistern in Orsoy auf.

50 Geschäftsleute in Orsoy

„Wir haben hier insgesamt fünfzehn verschiedene Einzelhändler und dazu noch 25 weitere Dienstleister, die alle mit großem Einsatz, mit Kundenservice, Kreativität und Individualität seit Jahren dem Stadtteil ein unverwechselbares Gesicht geben“, sagt Füngerlings. Der aus Vluyn stammende Geschäftsmann ist besorgt um seinen Stadtteil. Er befürchtet einen Imageschaden für Orsoy.

„Wenn von der Orsoyer Werbegemeinschaft beklagt wird, es gäbe fast keine Geschäfte mehr, dann denkt doch der Kunde, dass er gar nicht mehr nach Orsoy fahren muss, denn da wäre ja doch nichts los.“ Wenn man sich in dem 4500 Einwohner-Ort umschaut, sieht man rund um die Kuhstraße, „der Haupteinkaufsstraße in Orsoy“, wie es Norbert Kubik von der Werbegemeinschaft sagt, einige kleine Geschäfte.

Leerstand auch in Orsoy

Erst kürzlich ist ein weiteres Einkleidungsgeschäft hinzugekommen. Zwar kommen tatsächlich Kunden aus der Umgebung (Moers, Duisburg) nach Orsoy, das „für Fremdenverkehr, Wohnen und Arbeiten in der Peripherie steht“, dennoch kann man schlecht von einem florierenden Geschäftsleben sprechen, wie es Füngerlings gerne tut. Blickt man sich nämlich in einigen Nebenstraßen um, sieht man freilich auch leerstehende Ladenlokale. Für die Drogeriemarkt-Kette Schlecker gab es keinen Nachfolger, und das Gebäude bröckelt langsam aber sicher vor sich hin. „Prozentual ist der Leerstand in der Gelderstraße in der Innenstraße aber höher als in Orsoy“, betont Füngerlings, der seit 32 Jahren sein Geschäft Andantino führt. Dass der Einzelhandel sehr wichtig für Orsoy und seine Geschäftsleute ist, sei verständlich.

Es hilft jedoch nichts, die Lage zu dramatisieren oder zu verklären. Orsoy kämpft wie jeder Rheinberger Stadtteil um Kunden und Kaufkraft, darum, „in der Lokalpolitik mehr wahrgenommen zu werden“, sagt Friedrich Füngerlings. Letzteres hört man übrigens auch aus anderen Stadtteilen vermehrt in letzter Zeit. Dennoch – und das kann als Fazit gelten – ist Orsoy alles andere als ein wirtschaftlich toter Stadtteil.

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