Ehrenamt

Das Ende der Alpener Erfolgsgeschichte Kinderhilfswerk Gomel

Am Samstag besuchten die letzten Kinder, die vom Kinderhilfswerk an den Niederrhein eingeladen wurden, das Treckermuseum Sonsbeck.

Am Samstag besuchten die letzten Kinder, die vom Kinderhilfswerk an den Niederrhein eingeladen wurden, das Treckermuseum Sonsbeck.

Foto: arfi

Seit 1991 verbringen Kinder aus dem weißrussischen Gomel in der Nähe von Tschernobyl Zeit am Niederrhein. Dieses Jahr allerdings zum letzten Mal.

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Alpen/Sonsbeck. Durch die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl am 26. April 1986 wurde auch die über 100 Kilometer entfernte weißrussische Stadt Gomel in Mitleidenschaft gezogen. Um insbesondere den Kindern der mit 600.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt des Landes eine bessere Lebensperspektive zu geben, gründeten sich europaweit Vereine. 1991 fanden sich auch in Alpen, Menzelen und Veen Menschen, die Kinder und ihre Mütter zu Ferienaufenthalten einluden.

1994 wurde das „Kinderhilfswerk Gomel bei Tschernobyl“ ins Vereinsregister eingetragen. Schnell wuchs der Verein auf 180 engagierte Mitglieder. Gastfamilien, anfangs ausschließlich aus dem Alpener Raum, fanden sich zuletzt zwischen Kleve und Duisburg. Nach 28 Jahren und der diesjährigen Ferienaktion ist aber Schluss, der Verein löst sich auf. „Wir finden immer weniger Gastfamilien, das liegt am gesellschaftlichen Wandel. In nahezu allen Familien sind beide Elternteile berufstätig. Das war früher nicht der Fall“, erklärt Manfred Hainke.

Hinzu kommt ein Altersproblem: Viele der langjährigen und treuen Mitglieder stehen dem Verein aufgrund ihres Alters nicht mehr zur Verfügung. Hainke: „Tschernobyl ist lange her, als 2015 die erste Flüchtlingswelle hier ankam, ging uns ganz viel ehrenamtliches Engagement verloren.“ Dass jedoch auch 33 Jahre nach der Katastrophe Hilfe dringend nötig ist, macht Irina Vordomazkaja deutlich: „Die Strahlung ist nach wie vor da und mit ihr die Krankheitsbilder. Die Kinder haben Herzprobleme, leiden an Immunschwäche und viele von ihnen erkranken noch vor der Volljährigkeit an Krebs.“ Die Ärztin aus Gomel begleitet die Reisegruppen seit 1991 und sagt: „Es wurde wissenschaftlich festgestellt, dass bereits ein dreiwöchiger Aufenthalt in einer unverstrahlten Umgebung positive Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder hat.“ Hinzu komme der soziale Aspekt, Kinder lernen eine andere Kultur und andere Menschen kennen. Für Dolmetscherin Trubkina Ljubow ist das Ende der Hilfsorganisation eine Katastrophe: „In Belgien, den Niederlanden und vielen anderen Ländern wurden die Hilfen schon vor längerer Zeit aufgegeben. Wir sind jetzt auf uns alleine gestellt.“

28 Jahre sind eine lange Zeit, viele Mütter wie Swetlana Bolschakowa, die mit ihrem Sohn Dimitrij am Samstag an einem Ausflug zum Sonsbecker Traktorenmuseum Pauenhof teilgenommen hat, war selber als Kind dabei. „Eine Dolmetscherin hat hier einen deutschen Mann kennengelernt. Sie haben geheiratet, leben jetzt in Gomel. Überhaupt sind ganz viele Freundschaften entstanden, die regelmäßig gepflegt werden“, sagt Trubkina Ljubow.

Die Gindericherin Anni Kerkmann kann das bestätigen, sie gehört zu den Gründungsmitgliedern des Vereins. An ihren ersten Kontakt mit Gomel-Kindern kann sie sich noch sehr gut erinnern: „Als der Bus ankam und es um die Verteilung der Kinder auf die Gastfamilien ging, war das schon ein komisches Gefühl.“ Einen Mangel an Gastfamilien gab es damals nicht. „Im Gegenteil, wir standen auf einer Reserveliste, konnten nur einspringen, weil es einen Krankheitsfall gab.“

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