Ferienprogramm

Auf den Spuren von Harry Potter

Die Kinder entwickelten wieder ein amüsantes Theaterstück.

Die Kinder entwickelten wieder ein amüsantes Theaterstück.

Foto: Peter Bußmann

Das Herbstferienprogrammunter dem Motto „Völlig verzaubert“ in der Begegnungsstätte Reichelsiedlung endete wieder mit einem Fest der Begegnung.

Rheinberg. Strahlende Kinderaugen, staunende Eltern, ein völlig überfüllter Saal: Die 80 Kinder aus 20 Nationen, die in Rheinbergs Reichelsiedlung leben, hatten vor einer Woche nicht ahnen können, zu welch tollen Dingen sie fähig sind. Auch wenn sie nicht alle die gleiche Sprache sprechen, verstanden haben sie beim traditionellen Herbstferienprogramm der Begegnungsstätte alle.

Theaterstück zum Abschluss

Schon seit 20 Jahren geht das so. Montags kurzes Kennenlernen der Teilnehmer, dann rein in die Gedankenspiele. Was machen wir diese eine Woche gemeinsam? Immer steht ein Theaterspiel, ein Fest der Begegnung am Ende des gemeinsamen Projekts. Das Stück denken sich die Kinder selbst aus. Diesmal sollte es sich um Zauberei drehen, Harry Potter ließ grüßen. Drehbücher wurden selbst entworfen, Texte für das Theaterstück mussten gelernt werden. Kleider wurden geschneidert, das Bühnenbild gemalt. „Völlig verzaubert“ hieß das Theaterstück in diesem Jahr.

Begeistert war wieder Birgit Kraemer, die Malerin aus der Reichelsiedlung, zuständig für Bühnenbild, Kulissen, die Kinder selbst kunstvoll malen, so dass die Großen staunten.Sie gehört wie Bernard Bauguitte, vielen aus der Diakonie bekannt, zu denen, die vor 20 Jahren die Ferienbeschäftigung für die Kinder der Reichelsiedlung ins Leben riefen. Über 1600 Kinder betreuten sie all die Jahre. Seit der ersten Stunde sind sie mit Leib und Seele dabei, wie auch Birgit Hoffjan, die als Koordinatorin der Begegnungsstätte vor zwei Jahren Heinz Dobner ablöste, ebenfalls ein Mann der ersten Stunde.

Über allem steht seit zwei Jahrzehnten ein pädagogisches Konzept. „Ihren eigenen Wert erkennen, Selbstvertrauen entwickeln“, skizziert Bauguitte das Ziel für die Kinder. Birgit Hoffjan vom Fachbereich Jugend und Soziales der Stadt: „Toll ist, wie begeisterungsfähig die Kinder sind“. Schließlich sollen sie alles selbst gestalten. „Manche waren als Kinder jahrelang dabei, heute machen die als Betreuer mit“, ist Bauguitte stolz. „Gelebte Integration“ ist das für ihn, wenn 20 Nationen in einem Team arbeiten. Diesmal an „Völlig verzaubert“, einem selbst gestaltetes Theaterstück in vier Akten, angelehnt an Harry Potter.

„Für die Kinder ist das learning by doing wichtig“, glauben Bauguitte und Hoffjan, während Krämer noch für den Feinschliff an der Bühne sorgt. Mit dabei ist seit zehn Jahren auch Maureen Welter. Bernard Bauguitte erinnert sich an alle 20 Jahre. „Wir fingen an, als der Euro kam.“ Damals mit 50 Kindern, die eine eigene Währung aus Papier ausschnitten. „Wie leben wir in Europa?“, hieß es. Toll war die Theaterreise zur Fußball-WM quer durch Afrika nach Kapstadt. „Als wir im Theaterstück endlich dort ankamen, war die WM längst vorbei. Aber wir hatten viele Freunde gewonnen.“ Auch an Solisten erinnert er sich, so an den Jungen aus Afghanistan, der Gläser zum Klingen brachte. „Ein Junge wollte nichts mitmachen, nur Singen“. Was er ohne Begleitung ganz toll machte.

Viele Sponsoren helfen wie die Grafschafter Diakonie, die Stadt, die Sparkasse, die Frauengruppe Juventas der Lions. „Eine lange Liste könnten wir aufstellen“, lacht Birgit Hoffjan. „So sind wir seit 20 Jahren kostenfrei“, freut sich Bauguitte. „Ich trau mich, ich kann was – entdecken die Kinder. Und die Eltern entdecken versteckte Talente ihrer Kleinen.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben