Friedensforschung

Zeugnisse der Frauen-Friedensarbeit für Nachwelt erhalten

Friedensaktivistin Ellen Diederich vor ihrer Sammlung, die bald ins Archiv für alternatives Schrifttum in Duisburg wandert.

Friedensaktivistin Ellen Diederich vor ihrer Sammlung, die bald ins Archiv für alternatives Schrifttum in Duisburg wandert.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  Die Oberhausenerin Ellen Diederich hat sich zeitlebens für den Frieden eingesetzt. Davon zeugt Material, das sie einem Spezialarchiv überlässt.

Vielleicht wollen in ein paar Jahren Historiker die Geschichte von Fridays for Future erforschen. Dann finden die Wissenschaftler sicher viele digitale Zeugnisse des Schüler-Klimaprotests von Greta Thunberg und Anhängern. In früheren Zeiten haben die Unbequemen und Aufmüpfigen, die Kriegs- und Kapitalismusgegner ihre Gedanken und Forderungen auf Papier transportiert.

Wer diese Bewegungen untersuchen will, findet dazu Material im „Archiv für Alternatives Schrifttum“ (Afas) in Duisburg. Das größte und älteste freie Archiv bewahrt die Geschichte der gesellschaftlichen Basisbewegungen in Deutschland seit 1945 auf, indem es Dokumente wie Briefe, Diskussionspapiere, Transparente, Fotos, Flugblätter, Zeitschriften sammelt. Das „Internationale-Frauen-Friedensarchiv“ der Oberhausenerin Ellen Diederich und der verstorbenen Aktivistin Fasia Jansen soll Teil der Sammlung werden.

In Kriegsgebieten unterwegs

Seit 57 Jahren macht Ellen Diederich Friedensarbeit, „ich war in vielen Kriegsgebieten in allen Teilen der Welt“, erzählt die 75-Jährige und sie listet auf: Zusammen mit der Liedermacherin Fasia Jansen war sie im Friedensbus unterwegs, um Feindbilder abzubauen, sie hat an Welfrauenkonferenzen teilgenommen, ein interkulturelles Gartenprojekt in Oberhausen ins Leben gerufen oder mit Schülern der Brüder-Grimm-Schule ein Puppenhaus für ein besseres Miteinander gebaut.

Gleichwertigkeit der Kulturen

Bei allen Aktionen habe sie festgestellt, „dass Frauen den größten Teil der Friedensarbeit leisten, dies aber kaum dokumentiert wird“, sagt Diederich. Die Grundidee für das „Frauen-Friedens-Archiv“ war geboren. In der Folge sammelten Diederich und Jansen nicht nur Schriftliches, sondern zum Beispiel auch (Kunst)Gegenstände, Spiele oder Instrumente aus anderen Kulturen. Denn um deren Schönheit und Gleichwertigkeit zu zeigen, waren solche Sachen Teil von Friedensaktionen.

Das alles soll Platz finden im Afas in Duisburg. „Das passt wunderbar bei uns rein und wir sind sehr froh. Denn das ist hochinteressantes Material für die Forschung“, sagt Jürgen Bacia, Leiter des freien Archivs. Auf insgesamt dreieinhalb Regalkilometern Fläche lagern derzeit schon Dokumente der Studentenbewegung, der Frauen-, Lesben- und Schwulenbewegung oder von grün-alternativen Parteien und Gruppen wie zum Beispiel vom „Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz“.

Teil im Stadtarchiv

Noch befindet sich ein großer Teil von Ellen Diederichs Sammlung in ihrer Oberhausener Wohnung. Einen Teil, vor allem Akten, hatte der Verein „Frauen Friedens Archiv Fasia Jansen“ aber schon dem Oberhausener Stadtarchiv zur Aufbewahrung übergeben. Als Ellen Diederich mit dem Wunsch an Stadtarchiv-Leiter Magnus Dellwig herantrat, beide Teile in Duisburg zusammenzuführen, war nach einer Prüfung schnell klar: „Das ist sinnvoll“, so Magnus Dellwig. Denn in Duisburg wären alle Zeugnisse zusammen an einem Ort. „Außerdem haben wir im Stadtarchiv weder die Kapazitäten für eine Lagerung noch für die Erschließung und Aufbereitung des Materials“, sagt Magnus Dellwig.

Sammlung zugänglich machen

Die produktive Nutzung der Sammlung sei auch in Duisburg besser gewährleistet, so der Stadtarchivar, denn Friedensforscher oder Historiker würden eher auf die Idee kommen, im bekannten Duisburger Spezialarchiv zu suchen als zufällig in Oberhausen. „Das Frauenfriedensarchiv ist Teil der Oberhausener Geschichte und als solches wollen wir es bewahren und zugänglich machen“, sagt auch Kulturdezernent Apostolos Tsalastras. So ist die Sammlung als Anschauungsmaterial für die politische Bildung von Oberhausener Schülern auch in der Nachbarstadt gut erreichbar.

Apropos Schüler und Fridays for Future – Ellen Diederich ist optimistisch gestimmt mit Blick auf die junge Generation. „Ich bin glücklich darüber, was mit den jungen Leuten passiert.“ Ohnehin bilanziert die 75-Jährige ihre Anstrengungen und Erlebnisse mit Hoffnung: „Ich habe mich mit sehr vielen negativen Sachen beschäftigt, mit Krieg, Folter, Ungerechtigkeiten, aber ich habe immer auch viele Menschen kennenlernen dürfen, die anders sind und nicht aufgegeben haben.“

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