Tanztreff

„Wolle“ lockt seit 25 Jahren Tänzer ins Zentrum Altenberg

Wolfram Saß (80) ist Musiker der alten Schule. Alle Instrumente hat er sich selbst beigebracht.

Wolfram Saß (80) ist Musiker der alten Schule. Alle Instrumente hat er sich selbst beigebracht.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE FotoServices

Oberhausen.   Ohne Wolfram „Wolle“ Saß wäre der Tanztreff im Zentrum Altenberg in Oberhausen undenkbar. Der 80-Jährige Musiker ist ein echtes Pott-Original.

Es mag gegen 18 Uhr gewesen sein, als Wolle und Bodo in den Keller marschierten. Schlagzeug, Gitarre, Keyboard: Was auch immer auf der Bühne gefragt ist – Bodo hat es im Keller verstaut. Die beiden Musiker wollen nach Jahren mal wieder ein wenig proben; weiß ja keiner, ob es für ein neues Duo musikalisch reicht. Um ein Uhr nachts brüllt seine Frau in den Keller. So schnell vergeht die Zeit. „Von da an waren wir Partner beim Tanztreff“, sagt Wolle. Das ist inzwischen 25 Jahre her. Bodo ist leider nicht mehr, aber Wolle macht einfach weiter.

Mit 80 noch am Keyboard

Neben der Theke des Saals sitzen Wolle, bürgerlich Wolfram Saß (80), und sein neuer Partner Dieter Wawrzyniak (76) entspannt beim Pils zusammen am Tisch. Der nächste Auftritt in der Alten Schlosserei des Zentrums Altenberg ist noch ein bisschen hin; die Gitarre ist eingestöpselt, das Keyboard steht, kurzer Soundcheck, fertig. Darauf einen großen Schluck. „Für mich sind die Stunden hier Erholung vom Alltag, meint Wolfram Saß. Seitdem er Rentner ist und seine Frau krank, hat er eine neue Aufgabe daheim. „Ruhestand“, da muss er überlegen. Ist wohl eine Weile her. Der gelernte Schokoladenmacher hat sowieso eine Biografie, die nach Original und Vollblutmusiker riecht.

Ein Pott-Original im Zentrum Altenberg

In Duisburg geboren, seit Kindertagen in Mülheim, kennt Wolle jeden Winkel im Pott. „Früher waren hier an jeder Ecke ja Tanztreffs, die Leute waren immer draußen, da kommt man schon ein wenig rum.“ Den Schokoladenmacher hat er nicht lange gegeben – sein Geld verdient er bis zur Rente mit Versicherungen. „So wie für Gitarre, Akkordeon oder Schlagzeug, hab ich dafür auch keine Ausbildung gemacht. So war das damals. Man hat einfach angefangen und losgelegt.“

Während sich an der Kasse zum Tanzsaal die ersten älteren Damen und Herren ihre Karte holen, erklärt Wolle, wie er von allen nur genannt wird, womit alles angefangen hat. „Mein Opa hat mir ein Knopfakkordeon geschenkt. Steirisches Modell. Diatonisch, nicht so einfach.“ Nicht-Musiker zucken da schnell die Schultern. „Später kam dann die Gitarre und das Schlagzeug dazu.“ Keyboard hat er genauso drauf. Nur beim Tanztreff mit Dieter tritt Wolle als Duo auf. „Sonst bin ich überall eine Ein-Mann-Band.“

Keine CD-Qualität, aber viel Herzblut

Livemusik müsse ja heutzutage wie auf CD klingen, ärgert sich Wolle ein wenig. Dabei sei die Musik die er macht, mindestens ebenso aufwendig. Muss ja alles vorher eingestellt und programmiert werden. Bass und Begleitung. „Wenn ich in einer Band spiele, dann hat jeder sein Instrument und das war’s. Wir sind Alleskönner.“ Jeden ersten Donnerstag beweisen Wolle und Dieter gemeinsam, was sie nach mehr als 50 Jahren Mucke machen beherrschen. Jeder hat 300 Lieder drauf – die beliebtesten sind Cover von Tony Marshall oder Heino, „aber Elvis oder die Stones haben wir früher genauso gehört und nachgespielt.“

Seine Lust aufs Weitermachen merkt man dem Mann mit weißem Haar und schwarzer Weste an. Er sei gut ausgelastet, sagt er. Mülheim, Essen, Oberhausen oder Duisburg: Wolle tritt bei Tanztees, wie er sie nennt, Geburtstagen oder Jubiläen auf. Buchen kann ihn bis heute jeder, der mag. Die Mitarbeiter gegenüber der Alten Schlosserei, die Wolle seit Ewigkeiten engagieren, sind auf Nachfrage ein wenig stolz drauf, dass Wolle die Gäste bereits seit 25 Jahren unterhält und die Tänzer auf die Bühne lockt. Ein Tanztreff ohne Wolle sei undenkbar, heißt es einstimmig aus dem Büro. Derweil dröhnt drüben die Musik aus dem alten Tor. 15 Uhr. Die Paare erheben sich, der Tanz geht los. Dem „Wolle“ sei Dank.

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