Christmas-Rock

Wo hartgesottene Rocker die Weihnachtsengel hören

Volles Haus und volle Bühne: Denn Martin Engelien brachte für den Weihnachtsrock besonders viele Musiker mit – klassisches Quartett inklusive.

Volles Haus und volle Bühne: Denn Martin Engelien brachte für den Weihnachtsrock besonders viele Musiker mit – klassisches Quartett inklusive.

Foto: Kerstin Bögeholz

oberhausen.   Martin Engelien zelebriert mit Streichern fabelhafte Christmas-Hits. Das weihnachtliche „Go Music“-Großaufgebot sorgt für ein volles Gdanska.

Wie heißt es im Asterix-Band „bei den Goten“ so schön: „Man kann Barbar sein und trotzdem Blumen lieben.“ Wohl wahr, wie sich nun im rappelvollen Gdanska zeigte, wo unter der Registriernummer „Gitarrissimo 709“ der fabelhafte Bassist Martin Engelien zum großen „Go Music“-Weihnachtskonzert geladen hatte. Was angesichts des saisonal einschlägigen Repertoires und unerhörter Verstärkung ein ziemlich spektakuläres Vergnügen wurde.

Weil nämlich hartgesottene Rocker durchaus auch sentimentale Gesellen sein können, wurde die gewohnt groovig-rockige „Go Music“-Pracht diesmal eigens mit Flöten-Seligkeit und Streicher-Schmelz des Münchner „Ensemble Virtuoso“ astrein aufgepeppt. Heiliger Bimbam, was spielte Galina Lanskaia für eine heiße Geige: Nicht nur angesichts ihres blau illuminierten Plexiglas-Instruments wären da wohl Udo Jürgens die Augen rausgekullert.

Klassische Klasse mit Pachebels „Kanon und Gigue“

Ihre klassische Klasse bewiesen die vier virtuosen Russen zunächst lässig mit Johann Pachebels „Kanon und Gigue in D-Dur“, um danach den bunten Reigen wohlbekannter Christmas-Hits höchst fidel zu grundieren.

Wobei Valery Weruchanov als Querflötist des „Ensemble Virtuoso“ immer wieder klanggewaltig auf Ian Andersons Spuren wandelte und sich packende Duelle mit den Rockern lieferte.

„Hallelujah“: Kuscheleien im Gdanska-Saal

Fett geerdet von Martin Engelien am Bass und dem knackig trommelnden Micha Fromm, forderte da etwa die sardische Sängerin Ilenia Romano mit souliger Stimme „Let it Snow“. Während der aus Solingen stammende, aber schon ewig in Kalifornien lebende Keyboarder Martin Gerschwitz (einst Tastenmann für Iron Butterfly und Eric Burdon) zunächst Chris Reas „Driving Home for Christmas“ hinreißend intonierte, um später rasant durch Johann Sebastian Bachs „Toccata und Fuge in D-moll“ zu orgeln. Keine Frage, da fühlte sich wohl jeder im „Winter Wonderland“ und endgültig im Himmel, als Gitarrist Victor Smolski mit sagenhafter Fingerfertigkeit und raffiniertem Einsatz elektronischer Effekte das erste Set mit einer grandiosen Solo-Nummer krönte.

Der temporeiche Weihnachtsspaß, verlor auch nach der Pause nichts von seinem Drive. Da jagte ein Solo das nächste, groovten die Rocker mit den Klassikern fabelhaft, was bei Leonard Cohens unheiligem Heuler „Hallelujah“ gar zu Kuscheleien im Gdanska-Saal führte. Endgültig sentimental wurde es schließlich mit dem gemeinsamen, etwas verfrühten Absingen von „Stille Nacht, heilige Nacht“, das gerade seinen 200. Geburtstag feiert. Merke: Süsser die Rocker nie klingen als denn zur Weihnachtszeit.

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