Ruhrgebiets-Hilfen

Wie Linken-Politiker Gysi sich den Zuspruch für AfD erklärt

Lesedauer: 2 Minuten
Gregor Gysi , Rechtsanwalt, Bundestagsabgeordneter und langjähriger Fraktionschef der Bundestagsfraktion der Linken, äußerte sich zur Politik nach der Wende.

Gregor Gysi , Rechtsanwalt, Bundestagsabgeordneter und langjähriger Fraktionschef der Bundestagsfraktion der Linken, äußerte sich zur Politik nach der Wende.

Foto: Ingo Otto

Oberhausen.   Der frühere Linken-Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi rät seiner Partei in NRW, lieber mit konkreten Lösungsideen um Wähler zu werben.

Er gehört zu den zentralen Figuren der Linken: Bundestagsabgeordneter Gregor Gysi (69) sprach vor 200 Besuchern im Zentrum Altenberg über die deutsche Einheit und seine Partei – und beantwortete uns ein paar Fragen.

Wurde nach der Wende nicht zu viel Geld in den Osten investiert?

Ich bin dafür, den Solizuschlag zu erhalten und für alle strukturschwachen Regionen einzusetzen. Davon würde das Revier profitieren. Bei der Einheit wurden Fehler gemacht, zum Nachteil beider Seiten. Wären zehn Dinge aus dem Osten wie die gute Kita-Versorgung übernommen worden, wäre das Selbstbewusstsein dort gestärkt worden. Die Menschen im Westen hätten erfahren, dass sich ihr Leben verbessert.

Langzeit- und Jugendarbeitslosigkeit sind hier besonders hartnäckig. Welche Fehler haben wir gemacht?

Politik ist viel zu kurzlebig. Es wird nur bis zur nächsten Wahl gedacht, dabei brauchen wir langfristige Lösungen. Etwa eine öffentlich geförderte Ausbildung gegen die Jugendarbeitslosigkeit.

In Zeiten beklagter sozialer Ungerechtigkeit hat die AfD mehr Zulauf als die Linken. Was machten Sie falsch?

Die sozial Abgehängten haben mal die Union, mal die SPD und mal uns gewählt, aber real verbessert hat sich für sie nichts. Mit der AfD hoffen sie, dass sich die Scheinwerfer wieder auf sie richten. So unzufrieden bin ich mit unserer Partei aber nicht. Wir sind ein wirksamer politischer Faktor.

Im NRW-Wahlkampf treten die Linken mit Maximalforderungen wie der 30-Stunden-Woche auf. Wollen sie nicht mitregieren?

Sie glauben, mit Maximalforderungen punkten zu können. Die Masse der Betroffenen will aber eher Vorschläge hören, bei denen man sagt: Das könnte tatsächlich passieren. Arbeitszeitverkürzungen sind aber schon wegen der Digitalisierung dringend zu diskutieren.

Die Fragen stellte Stephanie Weltmann.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Oberhausen

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben