Kitev

Wie der Verein Kitev – „Kultur im Turm“ – Oberhausen eint

Zwei Köpfe hinter Kitev: Christoph Stark und Agnieszka Wnuczak.

Zwei Köpfe hinter Kitev: Christoph Stark und Agnieszka Wnuczak.

Foto: Franz Naskrent / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  „Oh, mein Gott! Was haben wir getan?“ Der Oberhausener Verein Kitev gibt in einer gleichnamigen Ausstellung Antworten auf diese Frage.

Oh, mein Gott! Was haben sie getan? „Kitev“, der Verein „Kultur im Turm“, erfasst seit 2006 die ganze Stadt von ihrem „Hauptquartier“, dem alten Wasserturm am Hauptbahnhof aus. Weil das womöglich einige Oberhausener nicht wissen, lädt Kitev noch bis zum 30. Juni zu einer Ausstellung in den Turm ein. Titel: „Oh, mein Gott! Was haben wir getan?“

Von Dienstag bis Freitag, jeweils von 11 bis 18 Uhr, und am Wochenende von 11 bis 20 Uhr, zeigt sich das Team hinter Kitev von seiner stets offenen Seite. Im Treppenhaus zu sehen: jede Menge Bilder vom Umbau des Turmes, vom Abriss. Und das durchaus spaßig: ein Mensch steckt den Kopf durch ein Loch der Betondecke.

Im obersten Geschoss geht’s weiter. Auf unzähligen Monitoren flimmern Videos von den Abrissarbeiten im Turm, dazu Stimmengewirr und alte Malerklamotten als Exponate. Relikte einer Zeit, in der der Verein begann, Turm und die Stadt mit ein wenig mehr Farbe und somit Vielfalt zu bestreichen.

Die Künstler geben intime Einblicke in ihre Arbeit und präsentieren so das, was durch Kitev bewegt wurde, mit Muskelkraft und Tatendrang. In netten und offenen Gesprächen erfahren Besucher zudem Antworten auf die wichtigsten Fragen:

1. Wer ist Kitev?

Jeder Verein hat in der Regel einen Vorstand. Der harte Kern, die Macher von Kitev, ist die Gruppe um Christoph Stark, Agnieszka Wnuczak und Stefan Schroer. Auch wenn sie sich niemals so in den Vordergrund spielen würden, weil die meisten Projekte vor allem von den vielen anderen Akteuren (Künstler, Bürger und Helfer aus der ganzen Welt) getragen werden. Agnieszka Wnuczak erklärt: „Wir sehen uns als Schnittstelle und Stadtentwickler und wollen künstlerisch Einfluss nehmen, auf das, was in Oberhausen passiert.“

2. Was genau macht Kitev?

Die Liste der Projekte ist lang und wird stets länger. „Angefangen hat alles mit dem Museumsbahnsteig“, sagt Christian Stark. Doch inzwischen ist der Verein so breit aufgestellt und vielfältig unterwegs, dass es selbst dieser Zeitung manchmal schwer fällt, mit dem bunten Treiben und Engagement Schritt zu halten.

Die Turmuhren wurden mehrfach repariert, die wohl bekannteste Küche der Stadt, die „Refugees’ Kitchen“, ist ein Projekt von Kitev, das Menschen unterschiedlicher Couleur über das Essen ins Gespräch bringt und verbinden soll.

Die aktuellsten Schlagzeilen schrieb Kitev mit den Leuchtschriften „Vielfalt ist unsere Heimat“ und „Glück auf!“ auf dem „Oberhaus“ genannten Hochhaus unweit des Hauptbahnhofs. Im Erdgeschoss des Wohnhauses hat der Verein zudem Räume angemietet, in denen nicht nur Ausstellungen und Theaterprojekte eine Heimat finden, sondern vor allem wieder Menschen auf andere Menschen treffen. Tag und Nacht. Die Bewohner des Hauses sollen nicht isoliert und allein gelassen, sondern sie akzeptieren als das, was sie sind: als selbstverständlicher Teil der Gesellschaft, als Menschen aus unserer Mitte.

Der Ausbau ihres Netzwerks und des dadurch verstärkten sozialen Engagements führte jüngst zur zweiten Auflage der Freien Uni Oberhausen. „Die hat keinen festen Ort, dafür aber über 200 Eingeschriebene, 22 Seminare und viele Dozenten“, sagt Christian Stark. Das erste Semester sei nun um, mit einer Fortsetzung ist in jedem Fall zu rechnen.

3. Was will Kitev?

Das wichtigste Kitev-Projekt ist nach wie vor der Umbau des Turms am Bahnhof. Die Betondecke wurde gerade erst erneuert, als nächstes stehen Sanitär, Heizung, Elektroarbeiten auf dem Bauplan — viereinhalb Jahre Papierkrieg sind vergangen, bis Kitev endlich alle Hürden beseitigen konnte. Die nötigen Fördermittel kommen von zwei Bundesministerien.

„Für einen Bahnhof ist unser Projekt deutschlandweit einzigartig“, sagt Christian Stark. Auch in Oberhausen werden nur noch Franchise-Läden im Innern genehmigt, alle Einzelhändler sind verschwunden. „Wir sind eine Keimzelle und sehen uns im positiven Sinn virulent.“

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