Gemeinsames Lernen

Wenn die Tochter mit dem Rollstuhl ins Klassenzimmer will

Die Lehrergewerkschaft VBE formuliert Bedingungen für das Gelingen von Inklusion in Schulen: Dazu gehört auch die Doppelbesetzung aus Lehrer und Sonderpädagoge in jeder Unterrichtsstunde.

Die Lehrergewerkschaft VBE formuliert Bedingungen für das Gelingen von Inklusion in Schulen: Dazu gehört auch die Doppelbesetzung aus Lehrer und Sonderpädagoge in jeder Unterrichtsstunde.

Foto: Maurizio Gambarini

Oberhausen.   Was funktioniert bei der Inklusion in der Schule, was nicht? Auf Einladung des VBE Oberhausen liest Sandra Roth aus ihrem Buch „Lotta Schultüte“.

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Lotta ist sechs Jahre alt und damit im schulpflichtigen Alter. Das Mädchen freut sich schon sehr auf die Schule. Also beste Voraussetzungen, oder? Doch Lottas Mutter wird beim Versuch, ihre Tochter an einer Grundschule anzumelden, auf Ablehnung und Sorgen stoßen. Denn das Mädchen kann nicht laufen, sehen oder sprechen – aber sie kann hören, verstehen und lernen.

„Lotta Schultüte. Mit dem Rollstuhl ins Klassenzimmer“ heißt das Buch, in dem Sandra Roth die wahre Geschichte ihrer Familie erzählt, mit der sie in Köln lebt. Die Journalistin kommt am 20. Februar auf Einladung des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Oberhausen/Mülheim/Essen in die Oberhausener Markuskirche. Die Lehrergewerkschaft will die Lesung als ein leidenschaftliches Plädoyer für Teilhabe und Inklusion verstanden wissen – genau wie die Autorin selbst.

Es läuft nicht rund in der Schule

Denn sie hat am eigenen Leib erfahren, wie viel noch fehlt zu einer inklusiven Gesellschaft, in der Menschen mit und ohne Behinderung wie selbstverständlich miteinander leben, die gleichen Rechte und Chancen haben. Auch in den Schulen läuft es noch lange nicht rund mit dem gemeinsamen Unterricht. Trotz des Rechts auf einen Platz in einer Regelschule für Kinder mit besonderem Förderbedarf, das in NRW seit 2014/15 gilt. Trotz des Inklusions-Erlasses vom Oktober 2018 von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP), der die Inklusion in den Schulen neu ausrichten soll. Was Sandra Roth bei der Suche nach einer Schule für ihre Tochter erfährt und was sie humorvoll in ihrem Buch schildert: Zu volle Klassenzimmer, nicht genügend Sonderpädagogen, fehlende Mittel – die Mutter trifft auf Rektoren, die beim Tag der offenen Tür die Arme verschränken.

Sie fragt sich, wie eine Welt aussehen müsste, die Lotta mehr sein lässt als nur behindert. Lehrer wiederum fragen sich, wie das Bildungssystem aussehen müsste, das Kinder wie Lotta für alle gleichermaßen gut in der Regelschule aufnehmen kann. Der VBE hat klare Vorstellungen, wie Inklusion im schulischen Bereich gelingen könnte: Bedingung dafür wäre die Doppelbesetzung aus Lehrer und Sonderpädagoge – und zwar jeden Schultag in jeder Unterrichtsstunde. Kleine Klassen. Die Unterstützung durch multiprofessionelle Teams. Schulbauliche Voraussetzungen und eine bessere Vorbereitung durch angemessene Aus-, Fort- und Weiterbildung. Auch eine Stärkung der Förderschulen fordert der VBE, zum Beispiel in dem Ausbildungskapazitäten dafür ausgeweitet werden.

Zu diskutieren gibt es jedenfalls genug. Die Veranstaltung in der Markuskirche soll aber auch der Vernetzung aller dienen, die in Oberhausen oder Mülheim mit dem Thema Inklusion zu tun haben. Weshalb ab 17 Uhr Infostände des VDK, der Uni Duisburg-Essen, der Lebenshilfe Oberhausen, der Landeselternschaft Grundschule oder der Christy-Brown-Schule Duisburg vor Ort sind.

>>> Anmeldung zur Lesung in der Markuskirche

Interessierte sind zur Lesung mit Sandra Roth am Mittwoch, 20. Februar, von 18 bis 19.30 Uhr in die Markuskirche an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße 5 eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Zuhörer werden gebeten, sich auf der Internetseite des Oberhausener Verbandes Bildung und Erziehung anzumelden (vbe-ob.de) oder telefonisch unter 0201-4781318.

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