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Was sich auf dem Babcock-Gelände in Oberhausen verändert

Name Babcock noch ganz gegenwärtig, in dieser Halle findet die Fertigung statt.

Foto: Gerd Wallhorn

Name Babcock noch ganz gegenwärtig, in dieser Halle findet die Fertigung statt. Foto: Gerd Wallhorn

Oberhausen.   An der Duisburger Straße entstehen Lagerräume und Büros. Dort, wo Babcocker einst Schlange für Pommes standen, laufen nun Abrissarbeiten.

Es nieselt an diesem Tag. Ein Mann mit einer Aktentasche in der rechten Hand und eine Frau gehen strammen Schrittes, mit geduckten Köpfen und leicht hochgezogenen Schultern vorbei an Schuttbergen und Bauzäunen über die Borsigstraße. Oben im Gebäude C kämpft Phillip Mersmann mit dem W-Lan. Er lädt einen Übersichtsplan per Beamer auf die Leinwand, damit möchte er Struktur in die Buchstabensuppe bringen. Gebäude Z, Gebäude K. Hier R, dort S, und da: HH1. Wir sind in der einst verbotenen Stadt – Babcock hieß sie damals. Heute hat das Gelände – natürlich – einen Buchstaben. Und drei Nummern: Q231. Von einer verbotenen Stadt will man hier nichts mehr wissen, von Denkverboten erst recht nicht.

Von einer „Herausforderung“ spricht Phillip Mersmann. Und davon, dass man dieses Gelände „weit denken“ müsse. Mersmann ist schlank, er macht einen sportlichen Eindruck. Besonders, wenn er seine Pläne schildert. „Wir benötigen zwei Jahre, bis das Gelände voll entwickelt ist“, sagt er. Und fügt hinzu: „Ich bin Optimist.“

Neuer Geschäftsführer bei Henley360

Seit Mai ist der Geschäftsführer der „Projektverantwortliche“ bei Henley 360, dem Inhaber des alten Babcock-Geländes an der Duisburger Straße. „Projekt“, das klingt eigentlich so emotionslos für ein Gelände mit solch einer Industriegeschichte. Babcock – das Unternehmen weckt noch heute bei vielen Oberhausenern Erinnerungen.

Sie werden lebendig, als wir vom halbrunden mit viel Glas versehenen Gebäude C – dort hat einst die Sparkasse ihren Sitz gehabt – in das Gebäude gegenüber gehen. Ein kleiner Schwenker nach links führt uns zu einer Brache. Bis vor einigen Wochen stand hier das Hochhaus 2. Auch das ist nun Geschichte. Hier wird der neue Eingang zum Quartier 231 entstehen, umgeben von Grün. Zwar soll das Gelände keine verbotene Stadt mehr sein, es soll offen und einladend wirken. Eine Schranke wird es dennoch geben.

Wir gehen in das Gebäude „S“, eines der neueren Gebäudeteile auf dem Gelände. Hier sollen die Babcocker früher Schlange gestanden haben. „Die Pommes waren wohl legendär“, sagt Phillip Mersmann. Die weißen Kacheln und eine dicke, silberne Tür zeugen noch von der Küche, ein paar Schritte weiter steht eine Suppenschüssel aus Porzellan. In der Ecke rechts neben dem Eingang stapeln sich Metallschienen und alte Lüftungsgitter. Demnächst wird nichts mehr an eine Großküche erinnern, hier entstehen nüchterne Lagerflächen. Ein Drittel dieser rund 1000 Quadratmeter Fläche im Erdgeschoss sei bereits vermietet. Ohne, dass die neuen Mieter wissen, wie es hier bald aussehen wird. Eine Dame, die sogenanntes „Home Staging“ – also das Herrichten von Räumen, um sie besser vermarkten zu können – betreibt, möchte hier zum Beispiel ihre Requisiten postieren. Zum 1. November sollen die Lagerräume fertig sein, sagt Mersmann.

Wir lassen die Baustelle hinter uns, nehmen die Treppe. Im breiten Flur gibt es bereits die erste Dekoration: Bilder einer Künstlerin aus Holland auf glänzender Oberfläche. Wir betreten einen riesigen Raum, dicke Betonsäulen unterbrechen die Sicht. In einer Ecke stehen auf dem blauen Teppich zahlreiche Kunststoff-Stühle, die das Flair der 70er Jahre versprühen. Vor den großen Fenstern erheben sich grüne Baumkronen. Dass hier unten die viel befahrene Duisburger Straße entlang läuft, man mag es kaum glauben.

Die tiefen Decken sind bereits zum Teil herausgerissen worden, Kabel und Abluftrohre sind zu sehen. Industriedesign nennt man das. Für diese Etage gebe es einen Interessenten, der 300 Quadratmeter anmieten möchte, meint Mersmann.

Hier, wo früher die Babcocker zu Mittag gespeist haben, stehen nun einige Lagerboxen unterschiedlicher Größe. Ein Wandbild hat die Ernährung zum Thema gemacht, Fisch und Fleisch ziehen sich Meter um Meter. Hier soll bald eine Lounge-Ecke zum Energieauftanken entstehen.

Die Neugierde treibt uns weiter hoch: Hier, in Etage sieben hat einst der Vorstand residiert. Ein handgeschmiedetes Geländer mit Messinghandlauf führt den Besucher über die Natursteintreppe hinauf. Das Vorstandszimmer hat ein eigenes Bad, einen Zugang zur Dachterrasse – und einen tollen Blick auf ganz Oberhausen.

Ein Baustil ganz anderer Art finden wir im – denkmalgeschützten – Hochhaus eins vor. Das Treppenauge – ein Schmuckstück! Aber sonst? „Die Revitalisierung würde 20 Millionen Euro kosten“, sagt Mersmann. Will heißen: Konkrete Pläne für diesen Geländeteil gibt es derzeit nicht. Es bleibt zunächst, wie es ist.

Raus aus dem Gebäude, rein in die große Industriehalle. Der Geruch von Arbeit liegt in der Luft, Staubkörner legen sich in die Sonnenstrahlen. Hier ist Babcock plötzlich ganz gegenwärtig, hier produziert die Babcock-Fertigung noch. Hier endet unser Rundgang. In Gebäude A wie Anfang.

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