Theater-Premiere

Was Männer auf der Bühne über Frauen denken

Frisch onduliert drapiert sich das Ensemble für „Männer, die denken“ mal nicht auf der Probenbühne – sondern davor, auf der Straße in Buschhausen.

Foto: Axel J. Scherer

Frisch onduliert drapiert sich das Ensemble für „Männer, die denken“ mal nicht auf der Probenbühne – sondern davor, auf der Straße in Buschhausen. Foto: Axel J. Scherer

oberhausen.   Die zweite Premiere der Performing Group heißt „Männer, die denken“. Die jüngsten Sexismus-Skandale will Daniel Mathéus aber nicht ausschlachten.

Im Schrebergarten war’s dem Ensemble dann doch zu herbstlich kühl – und man zog wieder um auf die Buschhausener Probenbühne. Am Freitag, 10. November, um 19.30 Uhr steigt im Großen Haus des Theaters die Premiere von „Männer, die denken“ – nach „Trash­edy“ die zweite Oberhausener Produktion des Regie- und Autoren-Quartetts namens Performing Group.

Julia Mota Carvalho und Daniel Mathéus hatten ihr Projekt im Programmbuch der ersten Fiedler-Spielzeit in Gestalt einer Kleinanzeige angekündigt: „Schrebergarten gesucht!“ Warum? Auch die Schrebergärtnerei habe „als Utopie angefangen“, wie Daniel Mathéus sagt, „aber heute ist dort alles sehr unfrei“.

Der Folkwang-Absolvent des Faches Physical Theatre arbeitet mit seiner Performing Group-Kollegin „zwischen Film, Tanz und Theater“, wie er sagt – und bringt keine literarischen Werke auf die Bühne, sondern die Essenz ihrer bevorzugten Literatur: „Wir lesen alle am liebsten Sachbücher.“ Körperliche Schauspiel-Arbeit mit intellektuellen Texten, das muss man erstmal zusammenbringen.

Gruppe könnte mit Tagesaktualität posaunen

„Männer, die denken“ – der Titel der Inszenierung – ist also kein gespielter Witz, sondern spielt mit dem seit Jahrtausenden von Denkern und Lenkern kultivierten männlichen Blick aufs Weibliche. „Unsere Welt basiert auf vielen klugen Gedanken von Männern“, sagt Daniel Mathéus. „Gibt es solche Gedanken heute noch? Sind Matriarchate besser?“

Eigentlich könnte die Gruppe mit der Tagesaktualität ihres Themas posaunen: mit der „#me too“- Kampagne und dem Skandal um Großschauspieler Kevin Spacey und Hollywood-Mogul Harvey Weinstein. Doch Mathéus wiegelt ab: „Sexismus ist nur ein Symptom eines viel größeren Problems. Wie früh stecken schon Kinder in Schubladen?“

Man merkt: Dieser Theatermacher spricht lieber in Fragen als in Antworten, sagt selbst, dass er „das Publikum zu Fragen verführen“ möchte. Dramaturgin Meike Sasse greift ein: „Wir haben schon einen klaren Blick, in welcher Gesellschaft wir leben wollen.“ Und für die Skandal-Causa Spacey/Weinstein gebe es zur Premiere „kleine humorvolle Links“. Ganz wichtig, betont die 35-Jährige: „Männer sind herzlich eingeladen.“ Schließlich werden deren Gedanken hier verhandelt – in welcher Form, darüber könnte man nach diesem Gespräch nur vage mutmaßen.

>>> Einladung nach Jaffa und Freude über Feuilletons

Die guten Nachrichten vorweg: Die kommende Familien-Produktion „Die Schneekönigin“ ist bereits vor der Premiere am 25. November bestens gebucht. Und mit der aus Osnabrück übernommenen Inszenierung „Amok“ ist das Theater Oberhausen zum Jaffa Festival nach Israel eingeladen.

Auch die Politiker im Kulturausschuss zeigten sich am Dienstag milde gestimmt. „Wir wissen es mit gebremstem Schaum zu nehmen“, so Klaus-Dieter Broß (CDU) – und meint den matten Zuschauer-Zuspruch für Florian Fiedlers erste Inszenierung der schwerhändigen „Schimmelmanns“-Satire. „Jede neue Intendanz hat einen Knick“, meinte Manfred Flore (SPD). Und Volker Köster (Linke) kommentierte die ersten 44-Prozent-Quoten so: „Zahlen interessieren mich erst im nächsten Jahr.“

„Es gibt Hoffnungsschimmer“, sagte der Intendant selbst, „und es gibt viel zu tun“. Dem Ausschuss berichtete Florian Fiedler „wie es uns bisher so ergangen ist“. Demnach war der bisher größte Erfolg des 40-Jährigen der Oberhausener Einstand mit der „Wofür brennst du“-Parade. „Mir standen Tränen in den Augen“, so Fiedler. „Es wurde wirklich ein rauschendes Fest.“

Erfolge sieht der Intendant auch in der Resonanz der großen Feuilletons – wenngleich er die halbe Seite der „Süddeutschen“ nur vorsichtig bejubelte, denn „Sie sind ja SZ-gebrandmarkt.“ Theater-Fachzeitschriften bereiteten laut Fiedler große Artikel vor. Und für Pädagogen soll es demnächst zur Einstimmung Materialmappen geben.

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