Kommentar

Was der Oberhausener Katholikentag bewirkt

Foto: Funke Foto Services

Über eine Woche lang zeigten Oberhausener Christen, was Glauben und Engagement bewegen können. Ein Kommentar von Peter Szymaniak

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Viele Dinge vermisst man erst so richtig, wenn sie verschwinden: Wird eine Kirche im Stadtteil aufgegeben und abgerissen, blutet selbst denjenigen Bürgern das Herz, die mit der Institution Kirche hadern, die dem Glauben fernstehen: Denn mit der Kirche verschwindet nicht nur der optische, sondern auch der einst gesellschaftliche Mittelpunkt der Stadtviertel. Das Bistum muss künftig so viel Geld sparen, dass das bisher in christlich geprägten Ländern Undenkbare Realität werden kann: Dass die Kirche aus dem öffentlichen Raum verschwindet.

Die Misere insbesondere der katholischen Kirche in Europa hat zahlreiche Ursachen. Ein zentraler Grund: Wer Moral, Werte und Liebe predigt, sollte nicht allzu häufig durch Fehltritte auffallen – sexueller Missbrauch, Hartherzigkeit gegenüber menschlichen Schicksalen, protzige Allüren. Die Kirche hat sich in Europa zu weit von der Lebensrealität der Bürger entfernt – und zudem den Fehler gemacht, sich in öffentlichen Debatten allzu sehr auf den Themen-Dreiklang Zölibat, Geld und allgemeine Sexualregeln reduzieren zu lassen. Dabei suchen die Menschen nach Sinn und Glauben im Leben, sonst wäre der Erfolg merkwürdiger esoterischer Heilslehren nicht erklärbar. Die Kirche hat diesen Bedürfnissen der Menschen keine ausreichenden Angebote mehr gemacht.

Es ist den Christen der katholischen Oberhausener Gemeinden hoch anzurechnen, dass sie so engagiert eine Katholikentag-Woche auf örtlicher Ebene aus der Taufe gehoben haben. Damit zeigen sie in für die etablierten Kirchen so düsteren Zeiten, was Glauben und Engagement bewegen können. Ja, sie feiern, sie musizieren, sie beten, aber sie setzen sich auch mit den drängenden Problemen eines modernen Großstadtlebens auseinander – und demonstrieren damit, dass gerade Städte wie Oberhausen mit ihren vielen – meist mit Geld nicht gerade gesegneten — multikulturellen Menschen Kirche benötigen.

Nur wenn die Kirche mit engagierten Gläubigen sichtbar auch dort hin geht, wo es laut ist, wo es brodelt und stinkt, dann erhält sie Respekt, dann wird sie unentbehrlich.

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