Kommentar

Warum höhere Parkgebühren in der Klimakrise notwendig sind

Ein Kommentar zur Erhöhung der Parkgebühren für Autos von Redakteur Peter Szymaniak.

Ein Kommentar zur Erhöhung der Parkgebühren für Autos von Redakteur Peter Szymaniak.

Foto: Gerd Bertelmann / funkegrafik nrw

Oberhausen.  Alle reden von der Klimakrise, viele unterstützen die jungen Demonstranten. Doch wenn es ums Geld geht, dann endet der Applaus schnell.

In der breiten Mitte unserer Gesellschaft ist es trendig geworden, den aufmüpfigen Klimakrisen-Schülern Applaus zu zollen, die Grünen als angeblich einzig wahre Kämpfer gegen den Klimawandel zu wählen und sich gesunde Smoothies aus Gemüse zu quirlen.

Höhere Steuern

Doch sobald es ums Geld geht, ist es mit den umweltfreundlichen Streicheleinheiten vorbei. Wenn wir wirklich verhindern wollen, dass sich der Planet aufheizt, fruchtbare Felder zu Wüsten werden und Kriege um Trinkwasser ausbrechen, müssen wir Bürger in den Wohlstandsländern unseren äußerst bequemen und fossile Energien verpulvernden Lebensstil drastisch ändern.

Das bedeutet: Mehr Kosten für Öl- und Gasheizung, mehr Kosten für Diesel- und Benzinautos, mehr Kosten für Urlaubsflüge, mehr Kosten für Eigenheime, mehr Kosten für Fleisch und exotische Obstsorten. Denn nur über den Preis, nicht durch Appelle, schaffen wir eine Umkehr, die unseren Ausstoß des Klimaschädlings CO2 reduziert.

Schmerzvolle Tatsache

In den Talkshows wird nur selten auf diese schmerzvolle Tatsache hingewiesen. Wie schwer es für die Politik sein wird, klimaschädliches Verhalten zu verteuern, sieht man schnell an der heftigen Kritik von Bürgern, die Parkgebühren in der Oberhausener Innenstadt zu erhöhen.

Im Vergleich zu anderen Großstädten war Oberhausen für Autofahrer die billigste in ganz Deutschland – so niedrige Parkgebühren gab es nirgendwo in City-Nähe.

Verdoppelung der Parkgebühren

Jetzt hat die Ratsmehrheit die Parkgebühren verdoppelt. Natürlich winken Mehreinnahmen, natürlich kann man so den Druck auf die wenigen Parkflächen mindern. Doch zuallererst dient die Verteuerung dazu, die Kosten für Autos zu erhöhen.

Denn in Konkurrenz zu umweltfreundlichen, aber unbequemen Bussen und Bahnen ist der Betrieb eines komfortablen Autos viel zu billig. Selbstverständlich muss die Politik den Nahverkehr ausbauen und verbilligen – durch höhere Zuschüsse. Aber er wird nie so billig und bequem werden wie das Privatauto.

Autofreie Innenstadt für mehr Lebensqualität

Gerade im Ruhrgebiet müssen wir aber unsere Mobilität deutlich ändern. Jeder Autofahrer spürt doch, dass sich das Revier selbst halb lahmlegt. Wir selbst müssen mehr Wege zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Roller und mit Bussen zurücklegen – und dies alles kombinieren.

Weitgehend autofreie Innenstädte erhöhen die Lebensqualität. Wer beispielsweise außerhalb der Innenstädte parkt und mit dem Bus hereinfährt, meidet hohe Kosten für Standzeiten und verbessert die Atemluft vor Ort. So gesehen kann am Ende mehr Klimaschutz auch mehr Wohlgefühl für alle bedeuten – aber die Umstellung wird uns noch viel Geld kosten.

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