Siedlungsfest

Vonderner feiern das 111-jährige Bestehen ihrer Siedlung

Während manche Häuser – hier an der Glückaufstraße – schmuck hergerichtet sind, verraten anderen noch ihren Ursprung als Zechenhäuser. Etliche heizen noch heute in Vondern mit Kohle. Gefeiert wird am Wochenende das 111-jährige Bestehen.

Foto: Oliver Mueller

Während manche Häuser – hier an der Glückaufstraße – schmuck hergerichtet sind, verraten anderen noch ihren Ursprung als Zechenhäuser. Etliche heizen noch heute in Vondern mit Kohle. Gefeiert wird am Wochenende das 111-jährige Bestehen. Foto: Oliver Mueller

Oberhausen.   Karnevalisten, Angelverein und Förderkreis Burg Vondern laden dazu am Wochenende ein. Sie wollen damit ihr Viertel bekannter machen.

111 Jahre sind kein Jubiläum. Und doch wird das 111-jährige Bestehen der Siedlung Vondern an diesem Wochenende (14. und 15 Oktober) groß gefeiert. Dafür zeichnen (nicht nur) die Karnevalisten der KG Blau-Gelb Vondern verantwortlich – was den ungewöhnlichen Anlass erklärt.

Unterstützt werden sie vom ortsansässigen Angelverein „Rotaugen Vondern“ und dem Förderkreis Burg Vondern. Andreas Meinert (KG Blau-Gelb) erklärt: „Wir hatten im vergangenen Jahr 110 Jahre Vondern als Motto unseres Motivwagens, gefeiert haben wir das aber nicht. Das wird nun nachgeholt.“

Nachbarschaftsgedanke neu beleben

„Mit dem Fest soll der Nachbarschaftsgedanke, der früher so typisch für Siedlungen wie Vondern war, neu belebt werden“, sagt Walter Paßgang (Förderkreis Burg Vondern). Zum anderen soll die Siedlung auch über ihre Grenzen hinaus bekannter werden. Zu erkunden gibt es einiges. So ist die Siedlung die erste in Oberhausen, die dem englischen Modell der Gartenstadt folgt und deren Straßen kurvig verlaufen.

Innovative Einrichtungen

Meinert: „Vondern ist einer der älteren Ortsteile, aber viele kennen ihn nicht – und seine Geschichte schon gar nicht.“ Innovativ seien die Errichtung eines Konsums mit Lebensmitteln sowie ein Kasino für Beamte gewesen, vor allem aber die einer „Kinderschule“, die auch nachmittags die Kleinen betreute.

Die Geschichte der Zeche Vondern mit der Kokerei fängt im Jahr 1898 an. 1904 begann die Kohlenförderung, die Stilllegung folgte 1932, 1965 wurde der letzte Schacht verfüllt. Der Beginn der Bautätigkeit für die Siedlung fällt ins Jahr 1906.

Mit dem Festprogramm am Wochenende hoffen die Organisatoren, viele Gäste aus Nah und Fern anzulocken. Es beginnt am Samstag, 14. Oktober, um 18 Uhr an der Schillerschule (Arminstraße) mit einem historischen Laternenumzug durch die Siedlung bis zur Glückaufstraße 26 und zum Dämmerschoppen.

Pflasterspiele ohne Hansaplast

Am Sonntag, 15. Oktober, gibt es ab 11 Uhr auf der Glückaufstraße Unterhaltung mit dem „Platz der Kinder“, „Pflasterspiele ohne Hansaplast“, dem städtischen Spielmobil, Hüpfburg und Dosenwerfen.

Die Agentur „Partylöwe“ bietet am Sonntag Musik und Unterhaltung von 11 bis 18 Uhr. Es treten auf die Bergmannskapelle Prosper Haniel, AT Urban (akustische Live-Musik), Bille (Travestie), die Tanzgarde der Styrumer Löwen, das Pfarrblasorchester St. Pankratius, Moderator Ingo Eickelkamp, Helmut Sanftenschneider (Comedy), Gospeltrain, Shoana (Schlangen, Feuer, Gesang), Clown Marko, Akkordeonspieler Herbert Weber und ein DJ.

Die Kuchentafel öffnet um 12 Uhr, für frischen Räucherfisch sorgen die „Rotaugen“. Mit dabei sind ferner die Freiwillige Feuerwehr, Tanzmariechen Anna-Lena, historische Polizeiuniformen, die Tanzgarde „Eisenheim ZickZack“. Zudem kann man an historischen Rundfahrten mit dem Planwagen teilnehmen.

Die bunte Geschichte der Siedlung Vondern

Die Bergbausiedlung Vondern hat einiges zu bieten. Davon können sich die Besucher beim 111. Geburtstagsfest rund um die Glückaufstraße am kommenden Wochenende überzeugen – und sich mit Musik, Tanz und Comedy unterhalten lassen. Viele Geschichten gibt es aus der Siedlung, die einst von der GHH nach dem Vorbild der englischen Gartenstadt gebaut wurde.

So ließ die GHH in Vondern erstmals in einer Kolonie neben der Filiale des Hüttenkonsums auch ein „Beamtenkasino“ bauen. Das 1910 nach Plänen des Architekten Stephany fertiggestellte repräsentative Gebäude an der Arminstraße beherbergte beide Einrichtungen. Die Verkaufsanstalt IV. bot den Belegschaftsmitgliedern gegen Barzahlung Lebensmittel, Haushaltswaren und Arbeitskleidung.

Walter Paßgang vom Förderkreis Burg Vondern, der das Fest mitveranstaltet, zitiert aus der Vergangenheit: „Bezahlt wurde bei Grete Niermann oft bei Restlöhnung. Es soll passiert sein, dass sie beim Jahresabschluss schon mal ihr Erspartes einsetzte.“ Zeitweise beschäftigte sie sieben Verkäuferinnen dort.

Handarbeitsschule für Mädchen

Das Kasino samt Kegelbahn war im Anbau und diente auch dem „Verein für technische Grubenbeamten“. Im Gegensatz zum Kasino – es wurde im Zweiten Weltkrieg zerbombt – konnte in der Gaststätte Großholdermann an der Armin-/Breilstraße jedermann einkehren. Zechen-Beamte trafen sich hier auch, aber in einem separaten Raum: „Die Angst der Bergleute, sogar in der Freizeit von ihren Steigern überwacht zu werden, war im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts sehr ausgeprägt“, weiß Paßgang.

Anno 1911 wurde eine „Kinderschule“ in Vondern gebaut, die 50 Kinder aufnahm und eine gesundheitliche Betreuung bot. Vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 richtete die GHH hier eine Handarbeitsschule für schulentlassene Mädchen ein. Kinderkrankenschwestern berieten junge Mütter in der Säuglingspflege.

Das Bürgerhaus der Arbeiterwohlfahrt

1945 wurde die Kinderschule vorübergehend geschlossen. Es ging aber in abgespeckter Form weiter bis 1963. Dann übernahm die Kath. Gemeinde St. Pankratius den Kindergarten bis 1977, danach bewirtschaftete die Awo das Haus als „Bürgerhaus“. Die Hermann-Albertz-Stiftung, die Gewerkschaft und die Falken – vorübergehend auch die Vonderner Karnevalisten – fanden hier eine Bleibe. 1985 kam das „Aus“; heute befinden sich hier Eigentumswohnungen.

Bis heute steht die Siedlung nicht unter Denkmalschutz. Der Rat der Stadt wollte jedoch schon 1996 retten, was zu retten war, und verabschiedete eine „Gestaltungssatzung Vondern-Siedlung“. Sie legt seither den Rahmen für Renovierungen und Anbauten fest, um „das Erscheinungsbild der Siedlung“ zu erhalten. Inzwischen sind die meisten Häuser Eigenheime. An die alte Zeit erinnern aber noch immer viele Wohnungen, die bis heute mit Kohleöfen heizen.

>>>>INFO: Junger Angelverein besteht erst seit 2004

Einer der Veranstalter des Festes ist der Angelverein „Rotaugen Vondern“. Erst 2004 wurde er gegründet. „Es gab in Vondern viele Angler, aber keinen Verein“, sagt Mitglied Jürgen Kreling. Heute sind 40 Vonderner im jungen Verein aktiv: „Wir bieten Unterstützung zum Beispiel beim Erteilen von Angelscheinen.“

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik