Theater

Von Rotkäppchen und dem nicht ganz so bösen Wolf

Im Wald lernen sich Rotkäppchen Dorothea (Veronika Schneewind) und der Wolf (Jan Peter Maurer) kennen.

Im Wald lernen sich Rotkäppchen Dorothea (Veronika Schneewind) und der Wolf (Jan Peter Maurer) kennen.

Foto: Jory Aranda

OBERHAUSEN.   Theatergruppe Stage Focus aus Moers spielt in Oberhausen eine etwas andere Version des Grimm-Märchens. Vielleicht ist der Wolf gar nicht so böse.

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Wenn es unter den Menschen kein Schwarz-Weiß-Denken gäbe, keine Einteilung in fremd und zugehörig, vermeintlich gut und vermeintlich schlecht, hätte es am Freitagabend im Lito-Palast in Sterkrade kein Musical „Grimm!“ gegeben. Aber weil es aber das Denken in Schablonen gibt, konnte das Ensemble des Moerser Vereins Stage Focus es dort künstlerisch aufs Korn nehmen und der Lächerlichkeit preisgeben. Das geschah gleich zwei Stunden lang in einem Singspiel, das an der Finanzstraße erstmals über die Bühne ging.

Leider waren es nur 300 Zuschauer, die sich davon überzeugen konnten, dass man nicht unbedingt die großen Konzerthäuser und Musicalhallen dieser Welt aufsuchen muss, um in den Genuss einer gekonnten Kombination von Schauspiel, Gesang und Tanz zu kommen. Talente gibt es ganz in unserer Nachbarschaft.

Tiere als Grenzgänger

Das 16-köpfige Bühnen-Ensemble spielte zwar nicht zum Nulltarif, aber ehrenamtlich und zog dabei alle Register seines Könnens. Um jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen auszuschließen, haben die beiden Autoren Peter Lund (Text) und Thomas Zaufke (Musik) dazu das Märchen vom Rotkäppchen etwas abgewandelt. Das Schwarz-Weiß-Denken war also in die Tierwelt verlegt. Einzige Ausnahme: Dorothea (14), das Rotkäppchen, das sich bekanntlich in den Wald begibt, um seine Großmutter zu besuchen.

In dieser Hauptrolle überzeugte Veronika Schneewind mit ihrer glasklaren Stimme und ihrer kes-­se­n Art. Sie wurde zur Grenzgängerin, indem sie gegen die Mahnungen der Dorfgemeinschaft in den Wald ging und dort prompt dem Bösewicht, dem Wolf (Jan Peter Maurer) begegnete. Der war zwar etwas aufdringlich, aber keineswegs der Schurke, als den man ihn ihr geschildert hatte. Wie sich später herausstellte, war auch er nur ein Opfer.

Jedenfalls wagte Dorothea es, ihn in die Dorfgemeinschaft einzuführen, wo prompt ein Intrigenspiel einsetzte, um das begehrte Feindbild schnell wieder loszuwerden – damit man bequem daran festhalten konnte. Die Antipathie zwischen Wald- und Dorfbewohnern beruhte im übrigen auf Gegenseitigkeit. Dabei entpuppten sich im Laufe des Spiels mehrere Tiere des Waldes ebenfalls als Grenzgänger.

Um den Gegensatz angemessen in Szene zu setzen, traten die beiden verfeindeten Gruppen nicht nur in markanten weißen und schwarzen Kostümen auf. Auch die Bühne wechselte ständig zwischen Dorf (weiß) und Wald (schwarz).

Überzeugender Gesang

Eindrucksvoll setzten sich hier Oma Eule (Susanne Zimmer), die Großmutter, in Szene, eine Aussteigerin aus dem Dorf, aber auch Mike Wiese als humpelnder Bürgermeister. Er hatte einst die Legende vom bösen Wolf in die Welt gesetzt. An Brian Becker als Darsteller eines fiesen Schweins zeigte sich, dass schon ein Pferdeschwanz, ein stolzer Gang, ein erhobener Zeigefinger und eine auf der Nasenspitze sitzende Lesebrille genügen, um das Klischee vom Intriganten zu bedienen.

Ihre wechselseitigen Verstrickungen haben der junge Regisseur Matthias Knaab und die Hobby-Choreografin Franziska Polten in ein flottes Bühnenspiel verwoben. Dabei fehlten Solo-Gesänge, zum Beispiel der klassisch ausgebildeten Sopranistin Rebecca Köpke als Schweinchen Dick ebenso wenig wie wunderschön gesungene Duette.

Immer wieder gab es tänzerische und gesungene Einlagen des gesamten Ensembles. Die Stimmen der Darsteller waren wurden nur etwas zu laut übertragen. Das glich sich aber durch hervorragende Einspielungen der aufgenommenen Musik aus. Die Bandbreite dabei reichte von Jazz über Swing bis hin zu Quickstep und Walzer.

Die Zuschauer bedankten sich für den kurzweiligen Abend mit viel Applaus.

>>> ZWEI WEITERE AUFFÜHRUNGEN

Das Musical wird noch zwei Mal im Lito-Palast (Finanzstraße 1) aufgeführt: am Freitag, 5. April, und am Samstag, 6. April, jeweils um 19.30 Uhr.

Karten gibt es im Vorverkauf für 17 bis 24 Euro (ermäßigt 15 bis 21 Euro) im Internet auf www.stagefocus.de/tickets oder bei Tabakwaren Markus Brinkmann, Holstegstraße 101.

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