Kirmes

Von guten Geistern und klappernden Knochen

Die Geisterbahn von Ronny Schütze wird für die Fronleichnamskirmes aufgehübscht. Hier vorne: Liviu Lazar.

Die Geisterbahn von Ronny Schütze wird für die Fronleichnamskirmes aufgehübscht. Hier vorne: Liviu Lazar.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Das Team von Schausteller Ronny Schütze bringt die große Geisterbahn für das „Heimspiel“ in Sterkrade auf Vordermann. Danach zieht’s weiter.

Wer eine Geisterbahn für die großen Jahrmärkte unseres Landes betreibt, darf von seinen ganz persönlichen guten Geistern nicht verlassen werden. Entsprechend nervös war Ronny Schütze im Frühjahr noch, weil seine aus Rumänien kommenden treuen Helfer nicht pünktlich im Lande waren. Mit leichter Verspätung kamen sie schließlich doch, und nach einer Turbo-Vorbereitung ging’s los. „Das Frühjahr lief dann sehr gut“, lobt der 54-Jährige das Brüder-Trio aus Brasov und meint damit auch die Kasse.

Von Oberkassel nach Crange

Nach 23 Tagen bei der „Dippemesse“ in Frankfurt und zuletzt zehn Tagen in Krefeld ist die „Große Geisterbahn“ gerade wieder in ihrer Heimat, am Franzenkamp in Alstaden. Hier wird sie in diesen Tagen aufgehübscht, um so perfekt wie eben möglich in den Sommer zu gehen: Fronleichnamskirmes in Sterkrade, Kirmes in Oberkassel am Rhein, Crange am Kanal, später noch Pützchens Markt in Bonn-Beuel, die Cannstatter Was’n in Stuttgart und zum späteren Herbst noch Oldenburg, auf die Geister wartet noch reichlich Arbeit.

Ehrensache ist es für Schütze, der in fünfter Generation Schausteller ist, beim „Heimspiel“ in Sterkrade zu glänzen: „Das sind wir uns alle schuldig. Schließlich bin ich stolz, ein Oberhausener zu sein.“ Dafür hatte übrigens Großvater Rudolf gesorgt, der 1970 das Grundstück in Alstaden entdeckt hatte und sofort für seinen Sohn Rudolf kaufte – der wollte seinen gerade angetretenen Paris-Urlaub nicht absagen. „Das war eine sehr weise Entscheidung“, sagt der jüngste Rudolf, der allenthalben „Ronny“ gerufen wird, „denn „Oberhausen liegt günstig im Fadenkreuz großer Kirmessen und ist insofern für die Logistik unschlagbar.“

Seine aus Nürnberg und der fränkischen Umgebung stammende Familie hatte seit Jahren Oberhausen favorisiert und auf ein Grundstück in der richtigen Größe gewartet. Mit einem Geisterbahn-Geschäft waren die Schützes nach Oberhausen gekommen, zum „Schloss Dracula“ (heute noch betreut von Rudolf senior) hat sich seit ein paar Jahren die „Große Geisterbahn“ gesellt. Mit zwei Zugmaschinen wird sie durch die Lande gefahren, drei bis vier Tage dauert der Aufbau, zu den drei rumänischem Brüdern kommen dann noch zwei weitere „Mitreisende“ aus Polen.

Arbeiter bekommen mehr als den Mindestlohn

„Aus Deutschland kriegt man keinen mehr“, ist Ronny Schütze längst ernüchtert: „Die Arbeit ist offenbar vielen zu hart, dabei haben meine Jungs hier es gut.“ Sie wohnen in ansprechenden mobilen und klimatisierten Unterkünften, erhalten mehr als den Mindestlohn, sind natürlich rundherum versichert. „Bis Dezember“, ruft das Trio im Chor auf die Frage, wie lange es in diesem Jahr bleiben will. Im März kommen sie dann wieder. Und die anderen Geister, die, die das Gruseln lehren sollen? Na ja, bei Tageslicht wirken sie nicht wirklich furchteinflößend, und auch das Polyester-Skelett verliert unter der Sonne einiges von seinem Schrecken. Aber auf dem Rummel, wenn’s dunkel wird, die tausend Glühbirnen glühen, die schaurige Musik erklingt, die Knochen klappern – dann stoßen nicht nur Kinder spitze Schreie des Entsetzens aus.

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