Kunst-Erfolg

Vom Borbecker Haus Haven zum Düsseldorfer Ehrenhof

Im Kunsthaus Haven: Yury Kharchenko zwischen einem großformatigen Gemälde des Kardinals Richelieu – und einem Porträt seiner Frau als Braut.

Im Kunsthaus Haven: Yury Kharchenko zwischen einem großformatigen Gemälde des Kardinals Richelieu – und einem Porträt seiner Frau als Braut.

Foto: Lars Fröhlich

OBERHAUSEN.   Ein Werk Yury Kharchenkos zählt nun zum Bestand des Museums Kunstpalast. Neue Porträts zeigen Meister der amerikanisch-jüdischen Malerei.

Vom Atelier im Kunsthaus Haven, der nördlichen Hälfte der Borbecker Havensteinschule, an eine der ersten Kunst-Adressen der Landeshauptstadt: Yury Kharchenko, der 31-jährige Pendler zwischen Berlin und Oberhausen, weiß eines seiner frühen Großformate nun im Sammlungs-Bestand des Museum Kunstpalast im Düsseldorfer Ehrenhof nahe dem Rheinufer.

Das drei Meter hohe Gemälde „Simeon – House of Spirit“ – ein Format, das sich angewinkelt gerade noch im Rahmen durch die Atelier-Tür des einstigen Klassenzimmers bugsieren lässt – stammt aus jenem Zyklus von zwölf Werken, die Yury Kharchenko den zwölf Stammvätern Israels gewidmet hat. Es sind keine figürlichen Porträts wie seine aktuellen Werke. Vielmehr zeigen die zwölf Bilder der zwölf Söhne des Patriarchen Jakob zwölf Häuser in streng stilisierter Form: ein Rahmen und ein Dach, wie Kinder ein Haus zeichnen würden.

Es ist die – besonders beim Gemälde „Simeon“ – intensiv leuchtende Farbigkeit, die zeigt, „dass Malerei auch heute noch spirituelle Erfahrungen reflektieren und anregen kann“. So würdigt Kay Heymer, der Leiter der Moderne im Museum Kunstpalast, den Neuzugang im Bestand der Stiftung. Das Bild „als Kunstwerk des Monats“ und sein Schöpfer werden September in Düsseldorf vorgestellt.

Von „wesentlich aggressiveren Werken“ schreibt Heymer mit Bezug auf die noch bis zum 17. September laufende Ausstellung „Luther und die Avantgarde“. In den Zellen des ehemaligen Gefängnisses von Wittenberg hat sich Yury Kharchenko eingereiht zwischen die ganz großen zeitgenössischen Namen von Ai Weiwei bis Günther Uecker.

Zwei kleinformatige Häuser, die an den Zyklus der „Houses of Spirit“ anknüpfen, sind dort zu sehen – aber auch weit direktere Verweise auf die unselige Tradition eines Antisemitismus, der zurückreicht bis zu Pamphleten Martin Luthers. NS-Reichsbischof Ludwig Müller malte der in Moskau geborene, in Dortmund aufgewachsene Kharchenko als düstere Gestalt, umgeben von zerbrochenen Hakenkreuzen. Die Resonanz dieses Beitrags zu einer 50 Namen umfassenden Gruppen-Ausstellung reichte weit, bis zum ausführlichen Porträt in „The Jewish Chronicle“, der einflussreichen Londoner Zeitung. „Künstler knöpft sich die dunkle Seite von Luthers Erbe vor“ lautet die Schlagzeile von Toby Axelrods Korrespondenten-Bericht.

Im Kunsthaus Haven erkundet Yury Kharchenko unterdessen eine ungleich hellere Seite seiner jüdischen Tradition: In schneller Folge malt er Porträts jüdischer Künstler und Intellektueller. Sie zeigen Meister des abstrakten Expressionismus, Mark Rothko und Barnett Newmann. Und der Albert Einstein des 31-Jährigen zeigt dem Betrachter eine grellgelbe Zunge.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben