Klassik-Genuss

Violinistin Cecilia Laca sorgt für sinfonisches Highlight

Als Solistin musiziert

Als Solistin musiziert

Foto: Francesco Squeglia

oberhausen.   Die Solistin aus Neapel und eine mitreißend dirigierte Nordwestdeutsche Philharmonie begeistern. Nur die halb leere Luise-Albertz-Halle bedrückt.

Das Programm des zweiten Sinfoniekonzerts am Sonntag enthielt zwei altbekannte Werke, die allerdings durch die Nordwestdeutsche Philharmonie unter der mitreißenden Leitung von Wolfgang Emanuel Schmidt und die Solistin Cecilia Laca eine ungemein intensive, eindringliche Wiedergabe erfuhren.

Brahms’ Violinkonzert sei nicht für, sondern gegen die Geige geschrieben, meinte Hans von Bülow. Andere Virtuosen der Zeit störte, dass die symphonische Verflechtung von Orchester und Solist diesem nicht die gewünschte Selbstdarstellung verweigerte.

Dabei sind die horrenden Schwierigkeiten des Werks jedem deutlich, die Joseph Joachim als Solisten der Uraufführung veranlassten, Brahms zu einem „non troppo“ bei den schnellen Tempoangaben zu raten. Daran hielten sich Cecilia Laca und die nordwestdeutschen Philharmoniker zugunsten eines ungemein konzentrierten, expressiven Dialogs, der alle Facetten zwischen lyrischem Gesang und dramatischer Wucht voll ausspielte. Dass das Orchester dabei manchmal etwas zu laut wurde, hängt wohl auch mit der Akustik der Luise-Albertz-Halle zusammen.

Die Tonart für existenzielle Probleme

1841 erfuhr Schumanns damals zweite Sinfonie viel Skepsis wegen der zu jener Zeit noch ungewohnten nahtlosen Übergänge zwischen den Sätzen, bis ihr nach einer Überarbeitung zehn Jahre später als vierter Sinfonie der Erfolg beschieden war. Der ursprüngliche Gedanke, sie Clara Schumann zu widmen, erscheint merkwürdig, ist d-moll doch seit Bach, Beethoven und Mozart jene Tonart, in der dunkle, existenzielle Probleme abgehandelt werden.

Gerade die expressive, mit enormer innerer Spannung auf den Punkt gebrachte Gestaltung konnte die Erinnerung wecken an eine Notiz Schumanns: „Was ist denn unser Leben auch weiter als ein zweifelvoller Septimenakkord, der nur unerfüllte Wünsche und ungestillte Hoffnungen in sich führt?“ Umso überwältigender die oft als „Sonnenaufgang“ apostrophierte Einleitung zum Jubel des Schlusssatzes.

Bemerkung eines Zuhörers nach dem Konzert: „Was denken wohl die Musiker, wenn sie von der Bühne auf den halb leeren Saal blicken?“ Vielleicht hoffen sie ja darauf, dass sich bei viel mehr Musikfreunden herumspricht: Solche Erlebnisse lohnen den Weg in die Luise-Albertz-Halle.

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