Altersarmut

Viele junge Frauen verlassen sich zu stark auf den Ehemann

Im Alter bleibt vor allem Frauen häufig nicht genug übrig, um von ihrer Rente sorgenfrei zu leben. kk

Foto: Jens Kalaene

Im Alter bleibt vor allem Frauen häufig nicht genug übrig, um von ihrer Rente sorgenfrei zu leben. kk

OBERHAUSEN.   Die Ausstellungsmacher der Oberhausener Schau „Altersarmut ist weiblich“ stellen Erstaunliches zur Einstellung junger Frauen fest.

Wie viel Rente bleibt eigentlich nach 30 Jahren im Beruf übrig? Bei einem Durchschnittsverdienst von 3022 Euro brutto beträgt die Nettorente aktuell 813 Euro. Teilzeitbeschäftigte erhalten im Schnitt nicht einmal die Hälfte davon.

Die Zahl der Menschen, die im Alter auf staatliche Hilfe angewiesen sind, wächst stetig. Auch in Oberhausen. Besonders hart trifft es Frauen, denn sie bekommen im Schnitt 50 Prozent weniger Rente.

Woran das liegt und welche Folgen Altersarmut in der Praxis haben kann, zeigte eine Ausstellung des Frauen-Plenums im März und April im Technischen Rathaus. Informativ, anschaulich und mit Liebe zum Detail haben die Frauen, unterstützt vom Gleichstellungsausschuss und den Gewerkschaften, einen Exkurs durch die Geschichte des Rentensystems zusammengestellt. Ihre Botschaft: „Altersarmut ist weiblich.“

Exemplarische Lebensläufe wie der von Physikerin Celine zeigen, dass auch in hoch bezahlten Jobs am Ende kaum genug übrig bleibt, um den Ruhestand sorgenfrei genießen zu können. „So wie es jetzt läuft, produzieren wir Arme am laufenden Band“, warnt Ute Hanke, Mitinitiatorin der Ausstellung. Besonders prekär: Frauen werden im Berufsleben nicht nur deutlich schlechter bezahlt als Männer, sie bekommen im Schnitt auch nur die Hälfte der Rente.

Ausfallzeiten wegen Kindererziehung sind nicht der einzige Grund dafür. Auch der Arbeitsmarkt wandelt sich: Leih- und Teilzeitarbeit sind an der Tagesordnung und immer mehr Beschäftigte arbeiten im Niedriglohnsektor. Gleichzeitig sinkt das Rentenniveau und das Eintrittsalter für die gesetzliche Rente ist auf 67 Jahre gestiegen. Eine Abwärtsspirale, in die immer mehr Frauen geraten.

1794 Menschen waren 2016 in Oberhausen auf die Grundsicherung angewiesen. Das bedeutet, dass sie gar keine oder nur eine sehr niedrige Rente bekommen und deshalb Hilfe vom Staat in Anspruch nehmen. Rund 62 Prozent der Betroffenen waren Frauen, Tendenz steigend. Der Grund sei ein historischer, vermuten die Initiatorinnen der Ausstellung: Lange Zeit waren Frauen über ihren Ehemann in der Rente abgesichert.

Sich auf den Ehemann verlassen

„Die Frauen verlassen sich immer noch darauf. Unser Anliegen war es deshalb auch, gerade junge Frauen anzusprechen“, sagt Bärbel Weniger vom Frauen-Plenum.

Am Rentenrechner konnte die eigene Rente ganz einfach direkt vor Ort berechnet werden. Mit erschreckenden Ergebnissen: Rund 16 Prozent der Frauen in Oberhausen sind akut von Altersarmut bedroht. Dabei reicht die Grundsicherung in Höhe von aktuell 816 Euro im Monat kaum aus zum Leben. „Man lebt dann einfach ganz bescheiden“, fasst Marlies Dorsch-Schweizer zusammen.

>>> WANDERT DIE AUSSTELLUNG ZU ANDEREN ORTEN AB?

Die Initiatorinnen rund um Ute Hanke hoffen, die Exponate bald woanders ausstellen zu können. Anfragen aus Essen und Dortmund liegen vor. Gerne würden die Frauen aber auch direkt die Mädchen an den Oberhausener Berufsschulen informieren.

Im Internet kann die eigene Rente berechnet werden: rente-staerken.verdi.de/rentenrechner.

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