Grenzwerte überschritten

Verkehr ist Schuld an schlechter Luft in Oberhausen

Zu viel Verkehr, zu viel Stickstoffdioxid in der städtischen Luft: An der Messstelle Mülheimer Straße wurden vergangenes Jahr die EU-Normwerte überschritten

Zu viel Verkehr, zu viel Stickstoffdioxid in der städtischen Luft: An der Messstelle Mülheimer Straße wurden vergangenes Jahr die EU-Normwerte überschritten

Foto: Christoph Wojtyczka

oberhausen.   Stickoxide können zu Kopfschmerzen und Schwindel führen. Das Landesamt rät zu E-Autos und dem Fahrrad. Wo Oberhausen nachbessern muss.

In Oberhausen herrscht dicke Luft: Die von der Europäischen Union festgelegten Stickoxid-Grenzwerte wurden 2016 im Schnitt um 20 Prozent überschritten. 48 Mikrogramm Belastung pro Kubikmeter Luft stellten die Landesumweltschützer fest – erlaubt sind 40. Dies geht aus dem Bericht des Bundesumweltamtes zur Luftreinheit in den deutschen Großstädten hervor. Die Oberhausener Werte stammen von der Mess­station an der Mülheimer Straße.

Das ist zwar im Vergleich zum Vorjahr (53 Mikrogramm) ein leichter Rückgang, dennoch beschert es Oberhausen einen unrühmlichen Platz acht in der Negativrekordliste aller untersuchten 54 NRW-Kommunen. „Aus dem Luftreinhalteplan geht eindeutig hervor, dass der Kfz-Verkehr Hauptverursacher für die Grenzüberschreitung ist“, erklärt Birgit Kaiser de Garcia vom Landesamtes für Umweltschutz (Lanuv).

Komplette Fahrverbote

Die überhöhten Werte sind dabei nicht ungefährlich: Sie können Schwindel und Kopfschmerzen verursachen, im schlimmsten Fall zu dauerhaften Atemwegserkrankungen führen. Sogar noch dramatischer als an der Mülheimer Straße ist die Lage an einigen anderen Hauptverkehrsstraßen in NRW: In Düsseldorf an der Corneliusstraße (58 Mikrogramm, Platz zwei) oder in Köln am Clevischen Ring (63 Mikrogramm, Platz eins in NRW) ist die Stickoxidbelastung noch einmal deutlich höher.

Aber es gibt auch gute Nachrichten: So hat nach Ansicht des Landesumweltamtes die Einführung der Umweltzonen im Sommer 2013 für weniger Feinstaub in der Luft gesorgt – seit 2014 wurden die Messwerte in ganz NRW eingehalten. Wer seitdem mit Dieselautos weiter durch die Ruhrgebietsstädte sausen wollte, benötigte einen Partikelfilter. „Dadurch hat sich der Ausstoß von Rußpartikeln deutlich reduziert“, sagt Birgit Kaiser de Garcia. Der in den Abgasen enthaltende Feinstaub kann Krebserkrankungen hervorrufen und ist besonders für Kinder und ältere Menschen gefährlich.

Komplette Fahrverbote für Dieselfahrzeuge wie in Oslo (wegen Wintersmog) gibt es in ganz Deutschland bisher nicht. Für ein Dieselverbot fehlt hierzulande bisher die rechtliche Grundlage. Eine Prognose für 2017 gibt das Landesumweltamt nicht heraus, obwohl die Stickoxidwerte Jahr für Jahr leicht fallen – „aber nicht in dem Maße, wie es eigentlich sein müsste“, betont Birgit Kaiser de Garcia.

E-Autos sind keine Normalität

Doch jeder Bürger kann selbst zur Verbesserung der Luft beitragen. „Ist wirklich jede Autofahrt nötig? Oft tut es vielleicht auch das Fahrrad oder die Straßenbahn“, sagt die Pressesprecherin der Behörde. Auch die Elektromobilität sei ein Weg zur Emissionsminderung in den Städten vor Ort.

Doch gerade E-Autos und Ladestationen gehören in Oberhausen bisher nicht zur Normalität. Das sieht auch Birgit Kaiser de Garcia so, hier gebe es nach wie vor Verbesserungsbedarf: „Freilich sind auch immer noch Maßnahmen erforderlich, um diese Alternativen finanziell attraktiver zu machen.“

>>>>>>> Einflüsse der Umwelt auf die Gesundheit

Der städtische Bereich Gesundheitswesen hat zum ersten Mal einen umfassenden Basisgesundheitsbericht veröffentlicht. Was darin aber fehlt, sei die Zahl der Krankheitsfälle durch Umwelteinflüsse wie zum Beispiel Feinstaub, meinte Andreas Blanke (Grüne) im Gleichstellungsausschuss am Dienstag.

Auch André Wilger von der Bürgerliste unterstrich die Wichtigkeit des Themas. Amtsarzt Dr. Hans-Henning Karbach will das Thema in einem Sonderbericht behandeln. Eigene Studien aber könne die Stadt Oberhausen nicht durchführen. „Das wäre schlichtweg zu teuer“, sagt Dr. Karbach.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben