Online-Shopping

Darum warnen Verbraucherschützer vor Shopping-App „Wish“

Wer im Internet shoppt. muss aufpassen. Besonders, wenn Kunden die Shopping-App „Wish“ nutzen.

Wer im Internet shoppt. muss aufpassen. Besonders, wenn Kunden die Shopping-App „Wish“ nutzen.

Foto: Jens Büttner/dpa

Oberhausen.   Smartwatch für 20 Euro, Bikini für fünf Euro: Die Shopping-App „Wish“ lockt mit günstigen Preisen. Doch Verbraucherschützer mahnen zur Vorsicht.

Die Verbraucherzentralen registrieren derzeit vermehrt Beschwerden über die Online-Shopping-App „Wish“. Diese vermittelt Produkte zu auffallend niedrigen Preisen, meist von Verkäufern aus Fernost. Besonders oft sind Kleidung, Schmuck und Elektroartikel im Angebot.

Produkte kämen jedoch häufig beschädigt oder gar nicht an, seien schlecht verarbeitet, warnt die Oberhausener Beratungsstelle der Verbraucherzentrale. Teilweise würden gar teure Mahnschreiben schon vor der gelieferten Ware im Briefkasten landen. Hohe Versand-, Zoll- und Rücksendegebühren könnten den vermeintlichen Schnäppchen-Kauf zudem im Nachhinein sehr teuer machen.

„Wish“ hat 300 Millionen Nutzer

Die App „Wish“ ziehe immer größere Kreise, habe nach eigenen Angaben weltweit mehr als 300 Millionen Nutzer, erklären die Verbraucherschützer. Kein Wunder, meint Angelika Wösthoff, Leiterin der Oberhausener Beratungsstelle. Ködere die Shopping-App doch mit auffällig niedrigen Preisen: Eine Smartwatch für unter 20 Euro, ein neuer Bikini für fünf oder ein Bluetooth-Earphone für gerade mal einen Euro.

„Wish“ werbe damit, dass Produkte dort zwischen 60 und 90 Prozent günstiger als im Einzelhandel seien. Begründet werden die Schnäppchen-Preise damit, dass die Kunden die Ware direkt vom Hersteller beziehen. Doch genau hier liege auch das Problem: „Wish“ vermittelt an Verkäufer im Ausland.

Verkäufer sitzen oft in Fernost

Was viele Nutzer der App nicht wüssten: Bei „Wish“ handelt es sich nicht um einen typischen Onlineshop. Das Unternehmen aus Kalifornien kauft und verkauft nicht selbst, sondern fungiert lediglich als Vermittler. Die eigentlichen Verkäufer sitzen häufig in China. Wer das genau ist, erfährt der Kunde meist nicht.

Als Vermittler ist das Unternehmen nicht der Vertragspartner des Kaufvertrags. Der Kontakt mit dem eigentlichen Verkäufer, der meist im Ausland sitzt, ist aber oft schwierig herzustellen. Und es kann teuer werden: Kommen Kunden zusammen mit den Versandkosten auf einen Betrag von über 22 Euro, müssen sie bei internationalen Bestellungen zusätzlich Einfuhrumsatz- und gegebenenfalls auch Verbrauchsteuern tragen. Ab einem Bestellwert von 150 Euro (inklusive Versandkosten) kommen Zollgebühren auf die Kunden zu.

Lieferzeiten von mehreren Monaten

Auch aus diesen Gründen erreichen die Verbraucherzentralen Beschwerden. Immer wieder gibt es Probleme nach dem Kauf: Bemängelt werden nicht nur die oft minderwertige Qualität der Waren, sondern auch die sehr langen Lieferzeiten von teils mehreren Monaten und nicht erhaltene Ware.

Die Rechnungen könnten Käufer zudem verwirren, warnt Expertin Angelika Wösthoff. Denn diese kämen nicht von „Wish“ selbst, sondern vom Rechnungsdienstleister „Klarna“ per E-Mail. Wer die Zahlungsaufforderung ignoriert, bekommt vergleichsweise schnell Post von Klarna: Das Unternehmen verschickt Mahnungen nach relativ kurzen Fristen und schaltet auch Inkasso-Dienste ein, die zusätzliche Kosten verursachen. Ein Streit um wenige Euro teure Artikel kann durch die Gebühren schnell ein Vielfaches des Warenwerts kosten.

Reklamation und Rücksendung bei „Wish“ problematisch

Auch Reklamation und Rücksendungen seien bei „Wish“ problematisch. Zwar können sich Käufer beim Online-Kundenservice beschweren und fehlerhafte Ware reklamieren, telefonisch können sie „Wish“ jedoch nicht kontaktieren. Zudem akzeptiert das Unternehmen Reklamationen nur binnen 30 Tage – für die deutlich längeren, gesetzlich vorgeschriebenen Gewährleistungsfristen sieht sich „Wish“ als Vermittler nicht in der Verantwortung.

Muss ein Produkt zurückgeschickt werden, kann auch das zu einem hohen Kostenfaktor werden. Denn die Porto- und Zollgebühren für ein Paket müssen die Käufer nach den Rückgabebedingungen von „Wish“ selbst zahlen. Sie bekommen für die ursprüngliche Lieferung Steuern und Zollgebühren nicht erstattet.

Tipps von der Verbraucherzentrale

Generell sollten Kunden beim Online-Shopping über „Wish“ und ähnliche Marktplätze für Waren aus dem Ausland vorsichtig sein, mahnt Verbraucherschützerin Angelika Wösthoff. „Vermeintliche Schnäppchenpreise können Sie am Ende teuer zu stehen kommen.“ Möchten Käufer die App dennoch nutzen, sollten sie laut Verbraucherzentrale auf folgende Punkte achten:

• Prüfen Sie vor dem Kauf, woher Ihr gewünschtes Produkt kommt. Seien Sie vorsichtig bei vermeintlichen Schnäppchen aus Fernost.

• Beachten Sie, dass zum eigentlichen Kaufpreis hohe Versandkosten auf Sie zukommen können.

• Informieren Sie sich über die geltenden Zollbestimmungen, wenn Sie bei Händlern außerhalb der EU bestellen. Sonst können zusätzliche Steuern und Zollgebühren auf Sie zukommen.

• Gehen Sie nach Möglichkeit nicht in Vorkasse, sondern zahlen Sie erst, wenn Sie die Ware erhalten haben und zufrieden sind. Bekommen Sie Zahlungsaufforderungen, bevor Sie Ware erhalten haben, ignorieren Sie sie nicht, sondern melden Sie sich beim Online-Kundenservice von „Wish“ bzw. „Klarna“ und erklären dort, dass Sie noch nichts erhalten haben.

• Kommt Ware von Händlern aus Fernost, kann es zu langen Lieferzeiten kommen.

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