Konzert

Uraufführung

Für die Interpreten gab es in der Christuskirche stehende Ovationen.

Für die Interpreten gab es in der Christuskirche stehende Ovationen.

Foto: Ulla Emig

Oberhausen.   Der junge Düsseldorfer Komponist Martin Wistinghausen begeisterte in der Christuskirche an der Nahlstraße das Publikum.

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Wenn die älteste Kirche Oberhausens 150 Jahre alt wird, ist das sicher ein Grund zum Feiern. Wenn diese Kirche dann noch einen Chor beherbergt, der seinen Ruf nicht nur über die Grenzen der Region, sondern auch im Ausland verbreitet hat, kann man sich auf ein besonders hochrangiges Konzert gefasst machen. Das fand am Sonntag statt.

Seit ihrer Gründung im Jahre 1932 hatte die Evangelische Singgemeinde eine besondere Affinität zur zeitgenössischen Musik. In dieser Tradition war eine Uraufführung angekündigt: „Es ist genug – Gethsemane-Reflexionen“ des jungen Düsseldorfer Komponisten Martin Wistinghausen. Bibelstellen zu Gethsemane, in denen Jesus als zagender, angsterfüllter Mensch erscheint, werden umrahmt von Texten von Rilke und Hölderlin. Der Primat des z.T. rezitierten Textes bleibt gewahrt, aber die Musik wirkt, wohl auch durch den souveränen Umgang mitsparsamen Mitteln, wie eine magische Beschwörung, ein Blick in ein surreales Jenseits hinter den Texten. Dass sich diese Wirkung geradezu beklemmend mitteilte, war auch der eindringlichen Gestaltung durch den Chor unter der Leitung von Konrad Paul, dem Bariton-Solisten Jens Hamann und dem Folkwang Kammerorchester zu verdanken. Nachdem in ein utopisches Licht entschwebenden Schluss: Riesenbeifall für den Komponisten.

Eingerahmt von einer Lutherischen Messe

Eingerahmt wurde dieses Mittelstück des Programms von einer Lutherischen (Kurz-)Messe von Bach und dem 42. Psalm von Mendelssohn. Hier brachten sich als Solisten noch ein die Sopranistin Antje Bitterlich, die Altistin Dagmar Linde, und bei Mendelssohn das Männerquartett Christian Stroetmann, Jens Hamann, Michael Krajnc und der gerade gefeierte Martin Wistinghausen, der auch als Sänger reüssiert. In Bachs barock schwingender Bewegungsmusik gleich zu Beginn erstaunlich die strahlende Klangfülle des gar nicht so großen Chores.

Mendelssohns 42. Psalm werfen manche Kritiker seinen opulenten romantischen Wohlklang und einschmeichelnde Melodik vor, die nicht zu dem über weite Strecken düster gespannten Text passen. Da wird übersehen, dass das Ganze unter dem Aspekt der Erlösung zu verstehen ist. Der wiederholte Satz „Was betrübst du dich, meine Seele?“ trägt auch den triumphalen Schlusschor, nach dem es Jubel und stehende Ovationen gab.

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