Europa-Wahl

Unternehmer fürchten: „Ohne die EU werden wir zerrieben“

Vor dem EU-Parlament in Straßburg weht eine EU-Fahne.

Vor dem EU-Parlament in Straßburg weht eine EU-Fahne.

Foto: Jean-Francois Badias/dpa

Oberhausen.   Die Europäische Union sichere auch in Oberhausen Wohlstand und Arbeitsplätze, sagt der Unternehmerverband – und ruft auf, am 26. Mai zu wählen.

Am 26. Mai wählt Europa ein neues Parlament. Eine wegweisende Wahl, das bekräftigen Experten immer wieder. Um die geringe Wahlbeteiligung der vergangenen Jahre zu steigern, rühren Organisationen und Verbände kräftig die Werbetrommel – auch der Unternehmerverband mit seinem Geschäftsführer Wolfgang Schmitz.

Herr Schmitz, wie viele andere werben auch Sie dafür, am 26. Mai zu wählen. Warum dieser Eifer?

Wolfgang Schmitz: Nicht nur mir persönlich machen zunehmender Nationalismus und Protektionismus große Sorgen. In vielen Gesprächen, auch in Oberhausen, bekomme ich schon seit einiger Zeit von Unternehmen, Geschäftsführern, aber auch Arbeitnehmern ähnliche Befürchtungen gespiegelt. Umfragen deuten darauf hin, dass Europagegner zur großen Verhinderungskraft im Europäischen Parlament werden können. Wir stehen in Europa am Scheideweg. Deshalb werben wir mit Nachdruck dafür, zur Wahl zu gehen und Europa zu stärken.

Dank Europa seit 75 Jahren in Frieden leben

Was sind die konkreten Gefahren?

Abschottung hat noch nie zu mehr Wohlstand, Frieden und Freiheit geführt. Wir haben uns an die Vorzüge der europäischen Einigung gewöhnt, sie sind selbstverständlich geworden. Sie sind aber vielmehr das Ergebnis eines steinigen und langen Prozesses. Wir leben dank der europäischen Einigung seit 75 Jahren in Frieden, eine solch lange Periode ohne Krieg hat es auf unserem Kontinent zuvor noch nie gegeben. Ich denke an die vielen jungen Menschen in Oberhausen, die ein Leben ohne die EU gar nicht kennen. Es wäre töricht, die Errungenschaften aufs Spiel zu setzen.

Als Unternehmer denken Sie bei Errungenschaften sicher an wirtschaftliche Aspekte.

Natürlich auch, weil wirtschaftliche Prosperität und gesellschaftliche Stabilität Hand in Hand gehen. Machen wir uns nichts vor: Wenn wir in Europa nicht zusammenstehen, werden wir allein, jeder für sich, zwischen den großen Wirtschaftsblöcken in Amerika und Asien über kurz oder lang zerrieben. Schauen wir allein auf Deutschland: Schon bald stellen wir weniger als ein Prozent der Weltbevölkerung. Allein das zeigt doch, dass wir nur gemeinsam mit unseren europäischen Partnern überhaupt noch die Chance haben, auch zukünftig international gehört zu werden.

Wie stünde Oberhausen ohne die EU da?

Deutlich schlechter – wie alle Kommunen in Nordrhein-Westfalen. NRW profitiert wie kaum ein anderes Bundesland von offenen Grenzen und gemeinsamen Märkten. Europa ist unser Heimatmarkt. Hier verkaufen unsere Mitglieder den Löwenanteil ihrer Waren und Dienstleistungen. 65 Prozent der nordrhein-westfälischen Exporte gehen in die Staaten der EU. Der Europäische Binnenmarkt sichert durch Freizügigkeit von Personen, Dienstleistungen, Waren und Kapital Wohlstand und Arbeitsplätze in NRW – auch in Oberhausen.

Reichen Zahlen aus, um aus Europa-Skeptikern Befürworter zu machen?

Nein. Es braucht auch Leidenschaft. Deshalb gehört es auch dazu, den Finger in die Wunde zu legen. Europa ist nicht perfekt. Aber Europa ist auch nicht fertig, sondern verändert sich kontinuierlich. Wir haben jederzeit die Chance, Europa besser zu machen.

>>> Europa-Kampagne in den sozialen Medien

Der Unternehmerverband forciert seine Europa-Kampagne auch in den sozialen Medien. Auf Facebook (facebook.com/unternehmerverband.org) und Twitter (twitter.com/unternehmerver1) thematisiert der Verband dieser Tage regelmäßig Themen zu europäischen Perspektiven.

Das vorliegende Interview haben wir schriftlich geführt, Grundlage war zunächst eine Pressemitteilung des Verbandes.

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