Chemie-Unglück

Unfall bei Hamm Chemie kostete Stadt Oberhausen 100.000 Euro

Nach dem Zwischenfall bei Hamm Chemie wurden auch die A 42 und Bahnstrecken in der näheren Umgebung gesperrt.

Foto: dpa (Archiv)

Nach dem Zwischenfall bei Hamm Chemie wurden auch die A 42 und Bahnstrecken in der näheren Umgebung gesperrt. Foto: dpa (Archiv)

OBERHAUSEN.   Die Stadt Oberhausen beziffert ihre Kosten nach dem Großeinsatz bei Hamm Chemie im Februar auf rund 100.000 Euro. Zahlen soll das Unternehmen.

Eine Säurewolke über der Stadt und ein Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften. Der - letztlich doch noch relativ glimpflich ausgegangene - Unfall bei Hamm Chemie im Februar war eines der Aufsehen erregendsten Ereignisse in Oberhausen im ablaufenden Jahr.

Das Unternehmen selbst war stets davon ausgegangen, dass der Vorfall einen finanziellen Gesamtschaden in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro verursacht hat. Inzwischen steht auch fest, was der Großeinsatz die Stadt Oberhausen gekostet hat.

Wie die Stadtverwaltung auf Anfrage mitteilt, „belaufen sich die im Rahmen der Gefahrenabwehr entstandenen Kosten des Bereichs 6-1/Feuerwehr für den Einsatz auf der Buschhausener Straße am 16.02.2017 auf insgesamt 97.301,13 Euro“. In dieser Summe seien Rechnungen für sogenannte „Drittleistungen“ in Höhe von 36.997,61 Euro bereits enthalten. Für verbrauchtes beziehungsweise nach dem Einsatz nicht mehr einsetzbares Material ermittelte die Stadtverwaltung Kosten in Höhe von 17.393,52 Euro.

Tank soll neu gebaut werden

Über einen sogenannten Kostenersatzbescheid soll dafür die verantwortliche Firma aufkommen. Das Unternehmen sei darüber bereits in Kenntnis gesetzt worden. Nicht abrechnen kann die Stadt nach eigenen Angaben weitere interne Kosten, die durch den Einsatz entstanden sind. Darunter fielen zum Beispiel Überstunden für nachalarmierte Kräfte, die dann die Wachen besetzt hielten.

Gegen den Kostenersatzbescheid wehrt sich Hamm Chemie mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf. Das sei allerdings eine „rein formale Angelegenheit“, beschwichtigt deren Geschäftsführer Axel Knauber. Die Post der Stadt sei an den falschen Empfänger gegangen, nämlich an die Hamm Chemie und nicht an den eigentlichen Betreiber des Standorts an der Buschhausener Straße, die Balver Chemieservice. Grundsätzlich signalisierte Knauber Zahlungsbereitschaft, sein Unternehmen stelle sich der Verantwortung: „Die Feuerwehren haben gute Arbeit geleistet, das möchte ich noch einmal hervorheben.“ Parallel werde bereits geprüft, ob auch die Übernahme der städtischen Kosten durch das Unternehmen versicherungstechnisch abgedeckt ist.

Auch strafrechtlich ist der Vorfall noch nicht abgeschlossen. Bei der Staatsanwaltschaft Duisburg ist weiter ein Verfahren gegen einen langjährigen Mitarbeiter des Unternehmens anhängig. Er soll versehentlich Salzsäure in einen Tank für Schwefelsäure gefüllt haben, was zu einer chemischen Reaktion mit enormen Ausmaßen geführt hatte. Ein Ende der Ermittlungen ist derzeit nicht absehbar.

Verschwunden ist inzwischen der Unglückstank an der Buschhausener Straße. Allerdings klafft dort nun ein Loch. An gleicher Stelle will Hamm Chemie bekanntlich einen neuen Tank bauen, mit 1500 Tonnen Fassungsvermögen halb so groß wie der bisherige, abgerissene alte. „Die Baugenehmigung ist beantragt“, sagt Geschäftsführer Knauber. Der Auftrag zum Neubau solle an eine Oberhausener Firma vergeben werden.


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