Meister im Tandem-Skat

Trotz Meister-Titel: Skat — ein Spiel, das an Reiz verliert

Michael Kerkhoff (l.) und Dirk Hebink (Mitte) aus Oberhausen machten ihren Präsidenten Udo Windl (r.) bei der deutschen Meisterschaft im Tandem-Skat stolz und gleichzeitig Werbung für ihren Verein „Karo 7 Alstaden.“

Michael Kerkhoff (l.) und Dirk Hebink (Mitte) aus Oberhausen machten ihren Präsidenten Udo Windl (r.) bei der deutschen Meisterschaft im Tandem-Skat stolz und gleichzeitig Werbung für ihren Verein „Karo 7 Alstaden.“

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  Deutscher Meister: Das ist stets eine hohe eine Auszeichnung. Zwei Oberhausener haben den Titel im Tandem-Skat geholt — doch ihr Sport verliert.

„Hat sich schon mal einer totgemischt.“ Ein Satz, den jeder Kartenspieler schon mal gehört hat. Wie es um das Mischtalent von Michael Kerkhoff und Dirk Hebink bestellt ist, darüber wissen vermutlich ihre Gegner im Tandem-Skat mehr. Fakt ist: Skatspielen haben sie drauf. Denn nach 20 Jahren ohne Sieg für Oberhausen holten die beiden Asse bei der 14. Auflage der deutschen Tandem-Meisterschaft in Bonn Anfang August den Titel. Ein ziemlich großer Erfolg für einen kleinen Verein.

Dabei ist der Weg der beiden Skatspieler zur Meisterschaft lang: Um die Endrunde in Bonn zu erreichen, qualifizieren sich die beiden über die Verbandsgruppe (zehn aus 30 Teams) und anschließend über die Landesverbandsrunde (48 von 158 Tandems) für die Endrunde des deutschen Skatverbandes mit knapp 300 Tandems aus ganz Deutschland. Trotz des Erfolges: Den Vereinen in Oberhausen geht der Nachwuchs aus und Skat fehlt der Reiz.

„Immer mehr Leute spielen Online-Skat — da kann man so schön in der Joggingbuchse vorm PC sitzen und spielen, wann man will“, sagt Michael Kerkhoff und schüttelt ein wenig den Kopf. Auch in den Verein des frischgebackenen Deutschen Meisters „Karo 7 Alstaden“ will kaum noch jemand eintreten. „Vielleicht ist es die Angst vor uns alten Säcken“, scherzt er und nimmt einen Schluck Wasser. Michael Kerkhoff, 60, stämmig, laut T-Shirt ein Fan von Rock-Musik, das merkt man gleich, ist einer vom alten Schlag.

Deutsche Skat-Meister reizen gerne in der Vereinskneipe

Und in der Vereinskneipe „Schwarz-Weiß-Stuben“ an der Alstadener Straße ist vieles genauso, wie es vor zwanzig, dreißig Jahren in Kneipen eben aussah. Dunkle Eiche, Pils aus dem Hahn, eingeweichte Bierdeckel — die Zeit ist hier stehengeblieben. Doch der erste Eindruck trügt und die Menschen sind es nicht, wie sich herausstellt. Skat-Verbandsgruppen-Präsident Udo Windl, 63, pensionierter Polizist, bemüht sich um ein anderes Bild. „Früher wurde geraucht und beim Skat auch mehr getrunken — das ist seit dem Nichtraucherschutzgesetz lange nicht mehr so.“

Skat spielen auf dem Niveau der beiden Gewinner — das habe nichts mit irgendwelchen Klischees zu tun, erklärt er. Zwei Tage, 288 Spiele, sechs bis acht Stunden pro Tag: „Skat ist Kopfanstrengung und bedeutet höchste Konzentration.“ Trotzdem erzählen sowohl Michael Kerkhoff als auch Udo Windl gerne von den guten, alten Zeiten. Als Skat Familiensache und Kneipensport Nummer eins war und als geraucht und viel getrunken wurde.

Rückblick: In den Achtzigern ist Oberhausen eine Skat-Hochburg. Allein Michael Kerkhoff bringt über 5000 Kindern das Skatspielen bei — „heute spielen davon vielleicht 50 im Verein.“ Ein Grund für die veränderte Leidenschaft zum Spiel sei für Präsident Udo Windl das Familieninnenleben. „Die Kinder machen heute andere Dinge und spielen selten zusammen mit den Eltern.“ Er hat dagegen vom Opa und Vater Skat gelernt. „Das war zwar fürs Taschengeld in der Lernphase eine Katastrophe, aber wir sind damit aufgewachsen und das hat uns geprägt.“

Alle Berufe vertreten — doch die Jugend rückt nicht nach

Tandem-Partner Dirk Hebink, 50, Sanitärtechniker, kurze Hose, Brille, sitzt ruhig in der Ecke und hört sich die Schilderungen seiner Skat-Kumpel an. Warum er Skat spielt? Ganz einfach: „Weil dort alle Berufe vertreten und alle gleich sind.“ Dennoch steigt das Durchschnittsalter der Skatspieler in allen Verein rasant an. In der gesamten Verbandsgruppe 42, rechts vom Niederrhein, gibt es derzeit nur 26 Jugendliche.

Wie gehen die Vereine mit dem Mitgliederschwund und dem Dilemma um, das Skat weiter mit Klischees behaftet ist wie ein Ex-Raucher mit Nikotinpflastern? Eine Lösung haben die Deutschen Meister nicht, doch Michael Kerkhoff hofft, dass der Erfolg seines Tandems gegen die Bundesliga-Konkurrenz dem Skatsport in Oberhausen hilft.

Dagegen spricht das komplexe Regelwerk und auch wenn vom Kneipensport kaum die Rede sein kann, so hat der deutsche Skatverband seit zehn Jahren ein Drittel seiner Mitglieder verloren. Skat lernen, das braucht Zeit. Neue Ideen müssen mehr — sonst heißt es wirklich: „Hat sich schon mal einer totgemischt.“

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