Theater

Theater Oberhausen macht sich an die Maloche

Schluss mit Palmen und Sonnenbädern auf der Bühne: Im „Palermo des Nordens“ wähnte sich das Theater-Team zu Beginn dieser Spielzeit. 2018/19 lautet das Motto nun – weniger erholsam, aber schlicht – „Arbeit“.

Schluss mit Palmen und Sonnenbädern auf der Bühne: Im „Palermo des Nordens“ wähnte sich das Theater-Team zu Beginn dieser Spielzeit. 2018/19 lautet das Motto nun – weniger erholsam, aber schlicht – „Arbeit“.

Foto: Sabrina Weniger

Oberhausen.   „Arbeit“ lautet das Motto von Florian Fiedlers zweiter Spielzeit 2018/19. Zum Aufgebot der 17 Premieren zählen sechs Klassiker-Inszenierungen.

Das Theater räumt die Plastikpalmen ab und die Quietscheenten beiseite. Oberhausen als „Palermo des Nordens“, das Motto der aktuellen Spielzeit, klang wohl zu sehr nach Ferien und Faulenzen. Mit Florian Fiedlers zweiter Spielzeit als Intendant geht’s nun an die „Arbeit“. Das Cover des 100-seitigen Spielzeitheftes zeigt Silhouetten schaufelnder Malocher.

17 Premieren (wie 2017/18) kündigte das künstlerische Leitungsteam gestern im Theater-Pool an, dazu 13 Wiederaufnahmen, drei Gastspiele und zwei Projekte „in Planung“: macht insgesamt 35 Produktionen vom 7. September bis Juni 2019. Kulturdezernent Apostolos Tsalastras nennt Leitmotiv und Inhalt des Programms „ein starkes Statement“.

Erste Premiere am 7. September

Das lässt sich auch von der ersten der 17 Premieren am 7. September sagen: Zum ersten Mal agiert dann für „Snap your life“ ein Ensemble auf der Bühne des Großen Hauses – das nicht das Oberhausener Ensemble ist. Vielmehr schrieb Gesine Schmidt ihr „Die stille Revolution der Digital Natives“ untertiteltes Werk „nach intensiven Gesprächen mit Jugendlichen aus Oberhausen“, so Florian Fiedler. Und diesen Text inszeniert Yves Hinrichs mit weiteren Jugendlichen.

Kaum weniger kraftvoll die zweite Uraufführung am 14. September: Denn die Premiere von Nicola Bremers „Fit & Struppi“ wird in der Baustelle des zukünftig weltgrößten Fitnessparks „The Mirai“ zu erleben sein.

Ein halbes Dutzend (moderne) Klassiker

Dem extravaganten Auftakt folgen im Großen Haus gleich ein halbes Dutzend (moderner) Klassiker, angefangen am 21. September mit „Die Leiden der Jungen (Werther)“ nach J. W. Goethe. Fiedler wählte Regisseurin Leonie Böhm dank ihres „sehr charmanten, klugen Humors“. Für „Bernarda Albas Haus“ von F. G. Lorca kündigt Vize-Intendantin Patricia Nickel-Dönicke „ein ganz fettes Bühnenbild an“ dazu „riesengroße Masken“.

Den dritten Klassiker inszeniert Fiedler selbst: In „Der Sandmann“ von E. T. A. Hoffmann agiert das Ensemble wieder mit Puppen aus jener Werkstatt, die schon „Die Schneekönigin“ so zauberhaft ausgestattet hatte. Mit dem Familien-Schauspiel „Heidi“ von Johanna Spyri lebt eine Hannoveraner Erfolgs-Inszenierung Fiedlers auf.

Oscar Wildes „Salome“ in wuchtigen Bildern

Stef Lernous, Oberhausenern bekannt als „Lulu“-Regisseur, setzt Oscar Wildes „Salome“ in wuchtige Bilder. Die Musik komponiert Tom Liwa, für Nickel-Dönicke Duisburgs Repräsentant der Hamburger Schule der Popmusik. Den letzten der sechs Klassiker, „Tod eines Handlungsreisenden“, inszeniert die Hausregisseurin. Babett Grube nennt Arthur Millers Tragödie „hochaktuell“.

Die letzte Premiere im Großen Haus wird am 24. Mai 2019 zu einem letzten Aufgebot der Superhelden: Nora Abdel-Maksouds „Flediman und die Jungs von der Zeche“ nennt Florian Fiedler eine „abgründige Revue und böse Abrechnung mit dem Show-Betrieb“.

Sechs weitere Premieren im Saal 2 gelten durchweg neuen bis brandneuen Texten, gekrönt von „Tigermilch“ nach dem 2013 erschienenen Roman der gebürtigen Oberhausenerin Stefanie de Velasco.

>>>Prozession für „Held*innen der Arbeit“

Fürs Theater-Teamwar die Prozession unmittelbar vor dem Theaterfest ein bewegendes Erlebnis – das es gerne mit mehreren hundert Oberhausenern wiederholen möchte. Am Samstag, 15. September, lautet das Motto „Held*innen der Arbeit“.

Westwind heißt das renommierte Theaterfestival für junges Publikum. Vom 15. bis 21. Juni ist das Theater Oberhausen (für „Nachts“ selbst Westwind-prämiert) Gastgeber dieses Theatertreffens mit zehn Produktionen – und zwar drinnen und draußen.

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