Kritikerschelte

Theater heute rügt „Katastrophenbilanz“ für Oberhausen

Der Intendant des Theaters Oberhausen, Florian Fiedler (40).

Foto: Volker Hartmann

Der Intendant des Theaters Oberhausen, Florian Fiedler (40). Foto: Volker Hartmann

OBERHAUSEN.   Sechs Seiten in der führenden Bühnenzeitschrift schildern den holprigen Start des neuen Teams um Intendant Florian Fiedler.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Auf die Platzierung könnte Oberhausens Theater-Intendant stolz sein – die Bewertung dürfte Florian Fiedler weniger freuen. Als Titelgeschichte bringt das Januar-Heft von „Theater heute“ sechs Seiten über die Berliner Volksbühne und den schon vorab heftig angefeindeten Chris Dercon: „Der umkämpfteste Neustart der Saison.“

Die direkt folgenden – ebenfalls sechs – Seiten der führenden deutschen Bühnenzeitschrift widmen sich dem und den Neuen im Theater Oberhausen unter der Schlagzeile: „Das Beleidigungsdilemma“. Die Autorin Dorothea Marcus hebt zunächst ab auf die viel publizierte Politik Florian Fiedlers, bündig zusammengefasst in der Zeile „flache Hierarchien, gerechtere Gehälter“ – und gönnt dem Intendanten ein wörtliches Zitat: „Netzwerke in der Stadt sind mir wichtiger als Intendanten-Netzwerke.“ Auch daran ist noch zu arbeiten.

Das künstlerische Verdikt der erfahrenen Theaterkritikerin aus Köln fällt umso drastischer aus. Sie nennt’s „die Katastrophenbilanz der ersten großen Inszenierungen“. Das härteste Verdikt gilt Fiedlers eigener Inszenierung der „Schimmelmanns“ von Mario Salazar. Für „Theater heute“ ist die „Aneinanderreihung brachialer Tabubrüche“ der hier auftretenden Nazi-Gruselsippe derart ungefiltert und unreflektiert, dass es für eine „sogar justiziable Sprachverschmutzung“ reicht. Soll heißen: Salazar macht sich NS-Jargon zu eigen, ohne ihn zu kritisieren. Das klingt fast wie der Ruf nach einem Staatsanwalt.

Auch Hausregisseurin Babett Grube fängt sich für ihre „Antigone“ einen feinen Verriss ein. Hausautor Dirk Laucke erhält für seinen ersten „radiophonen“ Versuch immerhin die Würdigung: „ein anregendes Format“. Es sind durchweg die kleinen Produktionen, von „Amok“ bis „Trashedy“, die hier gute Noten erhalten. Der Schlusssatz dieser Rundum-Betrachtung ist ein Appell: „Jetzt müsste künstlerisch noch nachgelegt werden“.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik