Schauspiel-Premiere

Theater bringt neun Leben von Ex-Spionin auf die Bühne

„Alles ist wahr“ mit (v.li.) den Schauspielerinnen Nina Karimy, Elisabeth Hoppe, Shari Asha Crosson und Susanne Burkhard.

„Alles ist wahr“ mit (v.li.) den Schauspielerinnen Nina Karimy, Elisabeth Hoppe, Shari Asha Crosson und Susanne Burkhard.

Foto: Theater Oberhausen

Oberhausen.  Marita Lorenz: Castro’s Geliebte, Spionin, Mutter. Über ein Leben, das filmreif war – und zuerst auf einer Bühne in Oberhausen zu bestaunen ist.

War es Liebe? „Ja!“, sagen die Dramatiker. Marita Lorenz und Fidel Castro: Das sei echte Romantik gewesen. Am Freitag, 11. Oktober, um 19.30 Uhr feiert „Alles ist wahr – die neun Leben der Marita Lorenz“ im Theater Oberhausen am Will-Quadflieg-Platz Premiere. Es ist ein theatralisches Denkmal für eine Frau, die so unglaublich lebte wie kein zweiter Mensch.

Sie, eine „Jane Bond“. Ihr Leben: eine wahre Geschichte à la „Forrest Gump“. „Viel zu wild, um wahr zu sein. Wie der Stoff, aus dem die Märchen sind“, heißt es im Klappentext ihrer Autobiografie „Lieber Fidel“. Für das Theaterteam eine große, aber schöne Herausforderung.

„Alles ist wahr“ ist fast zu viel für nur ein Theaterstück

Das lorenzsche Leben als ein Projekt sei fast nicht zu stemmen, erklärt daher Dominik Busch. Der Autor von „Alles ist wahr“ schaut auf die kaffeekannengroße Konservendose, die auf dem Tisch steht. Viereinhalb amerikanische Pfund Milchpulver sind drin. Nachkriegsversorgung für die kleine Marita. Kunsthändler Ingo Mersmann hat die Lebensretter-Ration ins Café gegenüber des Theaters mitgebracht, indem das Theaterteam über die Arbeit am Stück berichtet oder einfach von Marita Lorenz schwärmt.

„Sie kam mit ihren Kisten als Beweis“, erinnert sich Dramaturgin Patricia Nickel-Dönicke an die erste Begegnung mit der Ex-Spionin in Queens, New York. „Und sie wollte sogar mitspielen“, sagt die Dramaturgin und seufzt. Ihr Tod Ende August hat das Theaterteam „durchgeschüttelt“ – aber auch stärker gemacht.

Marita Lorenz’ Leben werde nun so inszeniert, dass aus teils welthistorischen Anekdoten am Ende ein tragisches Bild einer Frau entsteht, die zeitlebens verschleiert, verheimlicht und verwischt, wer und was sie ist. CIA und FBI-nah, aber auch Geliebte zweier Diktatoren und zweifache Mutter. Wie wurde aus dem Mädchen aus Bremen all das?

KZ-Häftling und Diktatoren-Geliebte

„Die Geschichte von Marita Lorenz ist aufregender, als wir es uns je ausdenken würden“, schreibt das Theater. 1939 geboren ist sie als Fünfjährige Häftling im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Als sie 19 ist, führt ihre Romanze mit Castro zu einer Abtreibung. „Allein diese Begebenheit hat vier Varianten“, erklärt Autor Dominik Busch.

Ob sie selbst, die CIA, Castro oder eine Nebenbuhlerin für die Zwangsabtreibung verantwortlich war - reine Spekulation. Doch Tochter Monika, gezeugt mit dem venezolanischen General Marcos Pérez Jiménez, bleibt als lebende Bestätigung einer weiteren Episode ihres Lebens. Wirklich ungewöhnlich findet Dramaturgin Patricia Nickel-Dönicke aber vor allem Marita Lorenz Schritt in die Öffentlichkeit.

„Welcher Spion redet hinterher so offen darüber?“, fragt sie. So wie ihre Mutter Alice habe Marita Lorenz zeitlebens unter einer ständigen Unruhe gelitten. Dominik Busch nimmt das als Leitmotiv und Suchbewegung für das Stück auf, das ihr Leben beginnend mit dem Ende nacherzählt.

Die Ex-Spionin habe sogar in Oberhausen mit einem Messer unterm Kopfkissen geschlafen, sagt Kunsthändler und langjähriger Freund Ingo Mersmann. Ist das nun tragisch oder vernünftig? Der Zuschauer wird in jedem Fall beide Seiten sehen – immer im Hinterkopf: „Alles ist wahr“.

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